Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"

| 8 Lesermeinungen

Seit neustem muss das ZDF die "Produktionshilfe" in seinem "Traumschiff" kennzeichnen. In den beiden Episoden über die Feiertage hielt sich der Sender auch brav daran – und publizierte den korrekten Hinweis. Und zwar in weißer Schrift auf weißem Hintergrund. Sicher nur ein dummes Versehen.

Für den Fall, dass Sie zu den wenigen Menschen gehören, die an Weihnachten und Neujahr nicht die neuen Folgen des „Traumschiff“ gesehen haben: Im Fernsehblog erfahren Sie, was Sie verpasst haben. Nein, nicht etwa die Geschichte, in der sich ein attraktiver junger Mann in die Freundin seiner Freundin verliebt – das war ja im vergangenen Jahr. Diesmal hat sich ein attraktiver junger Mann in die Schwester seiner Freundin verliebt. Und: Ein begnadeter Pianist hat den Klavierdeckel auf die Finger gehauen bekommen und konnte nicht mehr spielen. Das war eine erstaunliche Wendung, schließlich konnte im vergangenen Jahr ein anderer begnadeter Pianist nicht mehr spielen, weil er bei einem Landausflug über eine Liege gestolpert war und sich die Finger überdehnt hatte.

Nur Harald Schmidt, den jemand täuschend echt als Roboter nachgebaut hat, damit der den Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle spielt, war der alte.

Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht mal wieder um Product Placement. Das heißt bei den öffentlich-rechtlichen Sendern „Produktionshilfe“ und ist seit einem Dreivierteljahr staatsvertraglich erlaubt, wenn das Unternehmen, das ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Verfügung stellt, kein Geld dafür bezahlt.

Das braucht die Reederei Peter Deilmann auch gar nicht, denn das ZDF bedankt sich seit jeher artig dafür, dass es auf der „MS Deutschland“ drehen darf, indem es das „Traumschiff“ für potenzielle Kunden in Szene setzt. Und das Logo der Reederei gleich mit:

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"
Screenshots: ZDF; alle Bilder aus den aktuellen Folgen

Inzwischen muss der Sender die Zuwendung allerdings mit dem Hinweis „unterstützt durch Produktionshilfe“ kennzeichnen. Dass dieser Hinweis zu Beginn der beiden aktuellen „Traumschiff“-Folgen in weißer Schrift auf weißem Untergrund stand, ist sicher bloß ein blöder Zufall.

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"
Screenshots: ZDF

Wollen Sie’s nochmal größer sehen? Gerne:

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"

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Screenshots: ZDF

Andererseits ist’s ja auch wurscht, ein normalsterblicher Zuschauer wird ohnehin kaum verstehen, was genau damit gemeint ist, wenn ihm die Kennzeichnung überhaupt auffällt.

Kein Zufall ist hingegen das Product Placement des Touristik-Unternehmens TUI, das gerade im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker vorkam, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. (Video in der ZDF-Mediathek, Placement ab 36:22.)

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (5): Ganz in weiß auf dem "Traumschiff"
Screenshots: ZDF/ORF

Als die Politik dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im neuen Staatsvertrag erlaubte, kostenlose „Produktionshilfen“ anzunehmen, wollte sie – offiziell – erreichen, dass dadurch die Produktionsbudgets der Sender geschont werden. Dass jetzt bald durch jede zweite Sendung ein Kreuzfahrtschiff fährt, hat natürlich keiner wissen können. Aber es wäre zu ahnen gewesen, dass die Sender die Hilfen eben nicht nur dort in Anspruch nehmen, wo sie nicht zu vermeiden sind, sondern immerzu und überall.

Dabei ist das ZDF an der Platzierung im Neujahrskonzert nicht mal selbst Schuld: Sie stammt vom ORF, der „Mein Schiff“ von TUI in Szene setzte. Dasselbe Schiff übrigens, auf dem das Erste im Februar eine ganze abendfüllende Show veranstaltet.

„Der Kampf um Unabhängigkeit wird Medien immer begleiten, das öffentlich-rechtliche Fernsehen zumal“, sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey heute im „FAZ“-Interview über die aktuelle Berichterstattung des Zweiten. In der Unterhaltung allerdings hat (nicht nur) sein Sender diesen Kampf schon vor langer Zeit freiwillig aufgegeben.

 


8 Lesermeinungen

  1. Ich habe ja - wohl aus...
    Ich habe ja – wohl aus Gewohnheit – beide Folge gesehen, und beide Male das „P“ nicht wahrgenommen. Komischerweise fällt es mir bei z. B. Schlag den Raab immer auf.
    Und da war echt soviel Handlung drin? Kann ich mich gar nicht mehr so genau daran erinnern…:-)

  2. Also ich finde, die...
    Also ich finde, die Möglichkeiten sind hier bei Weitem noch nicht ausgeschöpft und auch in anderen Formaten könnte man durchaus so ein großes Kreuzfahrtschiff einbauen. Hervorragend geeignet sind natürlich sämtliche Reisereportagen, statt zu fliegen, schippert das Fernsehteam einfach mit der Aida. Auch die Tatort-Teams können auf einem Kreuzfahrtschiff prima auf Mörderjagd gehen und aus den Zoo-Serien könnte man einfach so eine Art Arche-Noah-Serie machen.
    Und in jede gute Telenovela gehört natürlich eine mindestens einwöchige Kreuzfahrt.
    Aber wahrscheinlich bin ich zu naiv und das gabs alles schon längst.

  3. @Ariane: Äh... - ja. "Der...
    @Ariane: Äh… – ja. „Der Landarzt“ war schon auf Kreuzfahrt und gerade lief das Kreuzfahrt-Special von „Um Himmels Willen“.

  4. Mmh, da wird die Reederei...
    Mmh, da wird die Reederei Deilmann nicht viel von haben. Seit Oktober gehört ihr die MS Deutschland nicht mehr.

  5. @Wolfgang: Doch. Nur die...
    @Wolfgang: Doch. Nur die Reederei wurde von einer Münchner Holding übernommen.

  6. Uiuiui. Ganz schlimm. Ganz...
    Uiuiui. Ganz schlimm. Ganz ganz schlimm. Bedrückend.
    Dürfte übrigens schwierig sein, das Schiff ohne Logo zu zeigen.
    Ach so, die Flagge. Na gut.
    Also doch ganz ganz schlimm.

  7. Na, da wird der Absatz von...
    Na, da wird der Absatz von Kreuzfahrtschiffen in den kommenden Wochen sicherlich rapide steigen. Mein Nachbar hat sich, glaub ich, schon drei bestellt. Und meine Frau meinte neulich auch, dass wenn wir uns unser nächstes Kreuzfahrtschiff kaufen, es unbedingt eines von der Reederei Peter Deilmann sein muss.
    Vielen Dank für Ihre Aufklärungsarbeit, Herr Schader! Ohne Ihre Hilfe hätte ich das Logo nie einer Reederei zuordnen können. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie vorher von Deilmann gehört. Wenn ich es mir recht überlege, haben Sie mehr für die Bekanntheit der Reederei getan als das ZDF. Vielleicht sollten Sie mal um eine Produktionshilfe bitten?

  8. Ich finde es ja erstaunlich,...
    Ich finde es ja erstaunlich, dass sie das überhaupt einblenden.

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