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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Eine für alles: Lenas Alleingang bei "Unser Song für Deutschland"

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Lena singt für Deutschland ein zweites Mal beim Eurovision Song Contest, hat Stefan Raab entschieden. Leider fehlt dem Vorentscheid dadurch in diesem Jahr komplett der Neugierdeeffekt. Als "Unser Star für Oslo"-Nachfolge ist die Show ungefähr so geeignet wie ein Bügelkurs in der Remscheider Volkshochschule.

Bild zu: Eine für alles: Lenas Alleingang bei "Unser Song für Deutschland"Machen wir’s kurz: Lena singt für Deutschland ein zweites Mal beim Eurovision Song Contest, hat Stefan Raab entschieden. Warum hat er nicht auch gleich festgelegt, mit welchem Titel? Dann wäre uns wenigstens die dreiteilige Show erspart geblieben, in der bis Mitte Februar „Unser Song für Deutschland“ ermittelt werden soll.

Am Montagabend war Premiere bei Pro Sieben, mit sechs von zwölf Lena-Liedern, die praktischerweise in einer Woche auf ihrem neuen Album erscheinen (Sendung im Internet ansehen).

Und ja, sie hat das wieder ganz schön gemacht. Nur kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Vorentscheid diesmal gänzlich der Neugierdeeffekt fehlt. Inzwischen ist aus der Vorjahressiegerin ein ausgebuffter Medienprofi geworden, was man ihre schwer vorwerfen kann. Die Schwächen der Sendung, die als „Unser Star für Oslo“-Neuauflage ungefähr so geeignet ist wie ein Bügelkurs in der Remscheider Volkshochschule, lassen sich damit allerdings nicht ausgleichen.

Das Studio ist noch pompöser als beim letzten Mal, was den lustigen Effekt hat, dass die Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel vor der riesigen blauen LED-Wand aussehen als stünden sie in einem Sealife-Aquarium.

Bild zu: Eine für alles: Lenas Alleingang bei "Unser Song für Deutschland"
Fast wie im Aquarium: Die Showbühne bei „Unser Song für Deutschland“ / Screenshot: Pro Sieben

Die Einspielfilme, in denen die Komponisten der Titel vorgestellt werden, sind eine hübsche Idee – aber so richtig aufregend ist es nicht, zu erfahren, wie so ein Song geschrieben wird: mit ein paar spontanen Gitarrenakkorden, einer plötzlichen Textidee und der darauf folgenden Aufnahme im Tonstudio. Ein Autorenpärchen hat seinen Beitrag über Skype verfasst, wegen der Distanz zwischen den Wohnorten L.A. und London. Irre, was diese moderne Internettechnik alles möglich macht. Und was genau sollte daran interessant sein, dass eine Komponistin die Großnichte von Schauspielerin Judy Garland ist? Hatte der Schwippschwager von Mike Krüger keine Zeit?

Mittendrin schenkte sich Raab sein eigenes Filmporträt, weil er auch einen Song zugesteuert hat, dessen Inhalt er mit „Zwei Menschen, die bei einer Fahrt durch die Nacht ihre Bestimmung finden“ beschreibt, der aber von den Zuschauern nicht weitergewählt wurde. Hoffentlich wissen wenigstens Toto & Harry die musikalische Hommage an sie zu schätzen.

Dass Raab darüber hinaus nicht nur Ideengeber und Komponist ist (sowie am 14. Mai in Düsseldorf  Moderator), sondern in der „Jury“ von „Unser Song für Deutschland“ auch noch eine erste Einschätzung abgeben soll, ist fast schon peinlich: „Es ist schwer, was über seine eigene Komposition zu sagen“, erklärte er am Montag. Und seine Jurykollegen – „Silbermond“-Sängerin Stefanie Kloß und Der Graf von „Unheilig“ – gaben sich größte Mühe, um den heißen Brei herumzuloben anstatt deutlich zu sagen, wenn ihnen ein Titel gar nicht gefiel.

Dazu gab es eine sechsfache Portion Lena: Lena im schwarzen Riffraffrock, Lena in Jeans mit Tanktop, Lena im bodenlangen Abendkleid, mit schwarzem Hosenanzug, mit Pferdeschwanz, im Pinguin-Blazer.

Als Hinleitung auf den ersten Eurovision Song Contest unter deutscher Federführung seit fast 30 Jahren war „Unser Song für Deutschland“ schwach. Egal wie viel Spaß Raab und Lena vorher im Tonstudio hatten. Nächste Woche gibt es Nachschlag. Für alle, die sich immer noch nicht sattgesehen haben.

Screenshots: Pro Sieben

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37 Lesermeinungen

  1. Das Beste (neben "Taken by a...
    Das Beste (neben „Taken by a Stranger“) war hinterher die gefilmte Shoppingtour mit Lena. Wenn Lena nicht singt, ist sie großartig. 🙂

  2. Meinen die das mit diesem...
    Meinen die das mit diesem Stranger-Dingens ernst? Klingt ja furchtbar! Da war Satellite noch viel besser. *lol*

  3. boah, war das eine peinliche...
    boah, war das eine peinliche Veranstaltung!
    Raab, der stets die Songauswahl rechtfertigen, fast entschuldigen musste und auf noch kommende Knaller verwies, die pseudo-moderierende Zahnlücke, die – für wohl alle unverständlich .- tatsächlich noch mal ran durfte und die Jury, die gar nicht so viel “ähm” und “ööps” sagen konnte, um ihr Entsetzen über die ersten 4 Titel zu verbergen. Auch das Publikum war irritiert und wachte erst auf, als Stefanie dezent anmerkte, dass ein Titel “wohl nicht für die große ESC-Bühne geeignet sei”. Da gab es dann spontanen Applaus!
    Doch dann kam “Stranger” und alle waren wieder vereint im wunderlichen Lena-Land. Ja, das ist sie, erwachsener, fraulicher, verführerischer.
    Das kann was werden, und das 2. Halbfinale muss da wirklich noch mal ein bisschen was draufpacken, um den Titel noch zu toppen.

  4. Oh Gott, Hilfe, noch mehr...
    Oh Gott, Hilfe, noch mehr Sendungen von und mit Lena und Raab!

  5. ich hatte schon während der...
    ich hatte schon während der ersten zehn minuten fremdschämgänsehaut. vom gipfel an gehts immer bergab und auch wenn der esc wohl gewollt trashig ist, kann ich auf diese lenastefan-inszenierung absolut verzichten.

  6. ... ich fand's überraschend...
    … ich fand’s überraschend unterhaltsam – und irgendwie hat sich mir auch plötzlich erschlossen, warum man Lena noch ein zweites Mal ran lässt: Sie ist – was Bühnen-Präsens, Variationsbreite und inzwischen auch Stimme angeht – tatsächlich ein kleines Ausnahme-Talent. Unwahrscheinlich, dass man dergleichen jedes Jahr auftut. Raab nun vorzuwerfen, dass er seine Entdeckung hegt und pflegt und ernsthaft fördert, kommt mir da schon ziemlich seltsam vor – wenn das Fehlen solcher Ambitionen sonst das Hauptargument gegen die sonstigen Castingshows ist. Für mich waren die Schwachstellen der Senudng die eher schwach moderierende und ziemlich untelegene Sabine Heinrich und der Graf mit seinen auswendig gelernten 08/15-Weisheiten. Aber irgendwas is ja immer…

  7. Tja, die ersten 4 Songs...
    Tja, die ersten 4 Songs schnell mal in die Tonne. Gott waren die schlecht und langweilig. Der letzte von Ihr selbstgeschriebene lullabeite so vor sich hin und dieser merkwürdige Elektro-Sound, ja der, der hat was – aber kann der den ESC gewinnen?

  8. Nach anfänglicher...
    Nach anfänglicher Erschrockenheit über diese spontane und größenwahnsinnige Entscheidung finde ich die Idee der Titelverteidigung mittlerweile genial. Welcher arme Mensch möchte den in die Fußstapfen von Lena steigen? Die Erwartungshaltung an jedes junge Talent würden übermäßig hoch sein.
    Wenn Lena verliert (in der deutschen Medienhölle ist das wahrscheinlich schon ab Platz zwei der Fall) können endlich alle draufhauen und sich damit brüsten, es schon immer gewusst zu haben. Ihr bleibt damit aber das Schicksal von Nicole erspart, die seit fast dreißig Jahren nichts anderes ist, als “die einzige ur-deutsche Grand Prix-Gewinnerin” und kann sich als ganz “normale Künstlerin” entfalten und ein Leben führen zwischen Gregor Meyle und Steffi Heinzmann – oder was vollkommen anderes machen.
    Falls sie aber wieder gewinnt (was ich für möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich halte) ist sie im Weltstarniveau à la Udo Jürgens oder Caterina Valenta angelangt.
    Ich finde, sie kann nur gewinnen.
    Im Übrigen haben mir gestern vier Songs gut bis sehr gut gefallen, selbst der von Stefan Raab war ganz ok. Ihren eigenen Song #6 fand ich ganz nett. Und “nett” ist ja leider die kleine Schwester von “scheiße”.
    Mein Favorit, das sehr leise „Good News“ ist leider nicht weitergekommen. Aber das Fernsehpublikum hatte ja auch bei „Satellite“ recht gehabt. Was einen Mediendschornlisten nicht hinderte vorher zu schreiben, die richtige Frau habe mit dem falschen Lied gewonnen…
    Zum Format: Ich hätte lieber fünf 75 minütige Shows gesehen (die dann eh alle locker 90 Minuten lang wären), als drei 135 minütige. Und Raab hätte als Jurypräsident einfach seine Klappe halten können, wenn es um seine und Lenas Urheberschaft ging.

  9. Sensationsgier. Untreue....
    Sensationsgier. Untreue. Heuchelei. Neid. Schneller, weiter, neuer. Lena hat gewonnen. Zum ersten mal seit Nicole. Scheinbar mag sie ganz Europa – nur wir Deutschen sind sie leid. Haha, wir gucken ja auch Dschungelcamp.

  10. Das schrecklichste an der...
    Das schrecklichste an der Sendung war die nichtssagende Jury. Laaangweilig!
    Aber wer so langweilige Schlafmusik macht wie Silbermond , da wundert mich nix mehr.
    Und wer so toll rasiert ist wie der Graf (wie der wohl untenrum aussieht?) – da wundert mich auch nix mehr.
    Oh, des is jetzt so gar ned objektiv…

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