Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Making of "Hindenburg" (2): Sprechen Sie Englisch!

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Das teuerste an "Hindenburg" waren nicht die Technik, der Cast oder die Studiokosten – die bleiben in der Regel in einem berechenbaren Rahmen. Richtig ins Geld gehen vor allem Ausstattung und digitale Bearbeitung. Dass die Finanzierung überhaupt funktioniert hat, liegt am Zugeständnis, den Film nicht auf Deutsch drehen zu lassen.

Einmal die Bugspitze aufmachen und bei laufender Fahrt Postsäcke über Köln abwerfen? Kostet mal locker 20.000 Euro. Zumindest wenn die Szene am Computer errechnet werden muss bevor sie in den fertigen Film eingebaut werden kann. Und selbst bei einem 10-Millionen-Projekt gibt das Budget irgendwann keine neuen digitalen Szenen mehr her. Das teuerste an „Hindenburg“ waren nicht die Technik, der Cast oder die Studiokosten – die bleiben in der Regel in einem berechenbaren Rahmen. Richtig ins Geld gehen vor allem Ausstattung und digitale Bearbeitung, sagt Produzent Sascha Schwingel:

„Bei so einem Film kann man fast gar nicht an Originalschauplätzen drehen. Fast alles muss gebaut werden.“

Manchmal drücken auch noch unvorhergesehene Kosten aufs Budget:

„Einmal hab ich morgens einen Anruf bekommen, dass wir die Schauspieler in einer Actionsequenz anleinen müssen, weil das Set so hoch ist. Der für die digitale Nachbearbeitung zuständige Kollege hat mal kurz durchgerechnet: Wenn die Seile nachher per Hand rausretuschiert werden müssen, kostet der Drehtag 100.000 Euro mehr.“

Bild zu: Making of "Hindenburg" (2): Sprechen Sie Englisch!
Das kann teuer werden: Actionszene mit Anleinpflicht / Foto: RTL

Nachher im Schnitt konnte ein Teil davon aufgefangen werden, indem weniger Szenen verwendet wurden, die bearbeitet werden mussten. Aber teuer war’s trotzdem. Und weil ein Auftraggeber in solchen Fällen selten großzügig Zusatzkosten durchwinkt, muss die Kalkulation stimmen. Dass „Hindenburg“ so lange gebraucht hat, um überhaupt umgesetzt zu werden, lag auch daran, dass der Film lange Zeit kaum zu finanzieren gewesen wäre. Um das Projekt doch noch zu stemmen, war ein Zugeständnis notwendig: Der komplette Film wurde auf Englisch gedreht. Schwingel erklärt warum:

„Ein deutscher Film, der englisch synchronisiert wurde, lässt sich im amerikanischen Ausland quasi nicht anbieten.“

Der Verkauf ins Ausland war aber quasi die Bedingung für die Umsetzung, weil deswegen im Weltvertrieb besser verhandelt werden konnte. „Dadurch ist der Knoten in der Finanzierung geplatzt und wir wussten: Es gibt die Chance, mit diesem Projekt nach acht Jahren ans Ziel zu kommen“, sagt Schwingel – auch weil RTL zugestimmt hat, seinen Finanzierungsanteil beizubehalten wenn der Sender nachher „nur“ ein synchronisiertes Werk abgeliefert bekommt. Fürs Publikum ist das zugegebenermaßen erst einmal gewöhnungsbedürftig: deutsche Schauspieler zu sehen, ihre Stimme zu erkennen – aber die Worte nicht den Lippenbewegungen zuordnen zu können.

Bild zu: Making of "Hindenburg" (2): Sprechen Sie Englisch!Durch den Dreh in englischer Sprache und die Idee, einen Teil der Charaktere mit international bekannten Stars und kanadischen Schauspielern zu besetzen – Stacy Keach, Greta Scacchi /Foto, r.), Lauren Lee Smith (Foto, l.) – bestand zudem eine große Chance, das kanadische Fernsehen für das Projekt zu gewinnen. Und Schwingel erklärt:

„Wenn der Film funktioniert, ist er ein Türöffner dafür, solche Projekte auch in Zukunft leichter finanzieren zu können.“

RTL zeigt „Hindenburg“ in zwei Teilen am Sonntag und am Montag um 20.15 Uhr.

Morgen: Die Spezialeffekte – Dreh mit einem Koloss, der gar nicht da ist.

Fotos: RTL

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10 Lesermeinungen

  1. Stacy Keach sehe ich immer...
    Stacy Keach sehe ich immer gerne. Wenn deutsche Schauspieler sich selbst synchronisieren, geht das jedoch meistens nicht sehr gut aus. Und es scheint mir so zu sein, dass diesmal nicht (alleine?) eine Dreiecksbeziehung die Unterüffterung der Geschichte liefert, sondern man sich auch noch eine schön trashige Abenteuergeschichte erdacht hat. Man ist ja doch ein wenig gespannt.

  2. Zumindest bei dem Film kann...
    Zumindest bei dem Film kann sich RTL jetzt also nicht damit rausreden, daß sie keine Rechte an der Originaltonspur haben. Ist ja sonst immer die Standardausrede, wenns um Zweikanalton oder unsynchronisierte Originalfassung geht. Ein Argument fürs digitale Fernsehen war ja immer, daß nun bis zu 8 Tonspuren in verschiedenen Sprachen parallel möglich sind. Mal sehen wieviele RTL davon am Sonntag nutzt…

  3. Ich fand die Aktion mit der...
    Ich fand die Aktion mit der Wasserlandung gut, und auch die Dimensionen
    die dieses Luftschiff ausmachen, gut dargestellt. Ist denn das mit
    der Bombe überhaupt geschichtlich nachgewiesen?

  4. @bel: Laut wikipedia und dem...
    @bel: Laut wikipedia und dem darin enthaltenen Auszug aus der deutschen Untersuchung nicht. Selber kann ich mich auch nicht dran erinnern (gut, ich war auch nicht an Bord;)). Aber irgendwie muss man ja in einen „Blockbuster“ eine „Bombenstimmung“ hinein bekommen…

  5. die hindenburg ist nicht durch...
    die hindenburg ist nicht durch die bombe zerstört worden.
    das wetter hatte schuld. es war wohl bei der landung gewitter oder ähnliches. bei der sendung mythbuster auf dmax haben die versuche gemacht, wie es sein kann dass das schiffen binnen paar sekunden vollständig verbennen kann. vll gibts da ein video auf youtube.

  6. Was ist denn mit Greta Scacchi...
    Was ist denn mit Greta Scacchi passiert? Die war doch vor ein paar Jahren noch eine schöne Frau. Nun ist sie 50 und sieht 15 Jahre älter und 20 Kilo schwerer aus. Eine echte Matrone. Ich bin erschüttert.

  7. Habe gerade nur kurz...
    Habe gerade nur kurz reingezappt und fand die Synchronisation unerträglich. War es wirklich nötig, dass die deutschen Schauspieler sich selbst nachsprechen, deren Stimmen kennt doch eh kaum jemand? Hätten man da nicht professionelle Synchronsprecher nehmen können, die das können und zumindest halbwegs stimmig hinbekommen?

  8. Ja, die Selbst-Synchronisation...
    Ja, die Selbst-Synchronisation fand ich auch schlimm. Wie kommt es, dass das so monoton und emotionslos klingt? Das sind doch Schauspieler. Oder haben Synchronsprecher noch eine zusätzliche Ausbildung? Oder liegt es einfach daran, das Synchronsprecher per se markantere Stimmen haben weil sie danach gecastet werden? Bei „Die Säulen der Erde“ ist mir das auch schon aufgefallen, dass man ganz genau hört, wer sich selbst synchronisiert und wer nicht. Und dann noch der fehlende Raumklang, so dass es selbst in Szenen, die draußen spielen, so klingt, als stünden die Leute im Tonstudio.

  9. Mutmaßlich hatte sie nicht...
    Mutmaßlich hatte sie nicht soviel Zeit fürs ungewohtne synchronisieren wie sie gebraucht hätten… braucht halt entweder Erfahrung oder Wiederholung um halbwegs passend zu falschen Lippenbewegugen zu sprechen, da bleibt der emotionale Ausdruck halt auf der Strecke.

  10. Nicht jeder gute Schauspieler...
    Nicht jeder gute Schauspieler ist ein guter Synchronsprecher, auch wenn er sich selber synchronisiert. Am extremsten wars bei Wotan Wilke Möhring. Der hat sowieso schon eine Piepsstimme und sich dann noch extrem hölzern synchronisiert. Da wäre ein guter Synchronsprecher eine Wohltat gewesen.

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