Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Kennzeichen P? Das erste Jahr Product Placement aus Sicht der Zuschauer

| 3 Lesermeinungen

Die Kennzeichnung der Produktplatzierungen nach geltendem Medienrecht bringt den Zuschauern genau so viel wie erwartet: nämlich gar nichts. Von dem vorgeschriebenen Hinweis gibt es so viele Versionen, dass es schwer fällt, diese auseinander zu halten. Und wenn's sein muss, "vergisst" ein Sender auch mal einfach die Hälfte.

In den aktuellen Werberichtlinien der Landesmedienanstalten, der Lieblingsbettlektüre der Fernsehblog-Autoren, steht unter Ziffer 4, wie die Sender die seit einem Jahr erlaubten Produktplatzierungen „angemessen“ für ihr Publikum kennzeichnen müssen (Fettung von uns):

„Die Produktplatzierung ist jedenfalls dann angemessen gekennzeichnet und für den Zuschauer erkennbar, wenn die Kennzeichnung zu Beginn und zum Ende einer Sendung sowie bei deren Fortsetzung nach einer Werbeunterbrechung für die Dauer von mindestens 3 Sekunden die Abkürzung ‚P‘ als senderübergreifendes Logo für Produktplatzierungen enthält. Die Kennzeichnung der Produktplatzierung durch ein senderübergreifendes Logo ist durch Einblendung eines erläuternden Hinweises zu ergänzen (wie z. B. ‚Unterstützt durch Produktplatzierungen‘).“

So. Und jetzt schauen wir uns nochmal an, wie RTL sein erstes (und bisher einziges) Placement im vergangenen Dezember nach der Werbepause „angemessen“ kennzeichnete. Finden Sie den Fehler?

Bild zu: Kennzeichen P? Das erste Jahr Product Placement aus Sicht der Zuschauer
Fehlersuchbild: Was fällt Ihnen an diesem Screenshot auf? / Screenshot: RTL

Was bitte schön soll das denn? Har RTL oben rechts am Bildschirmrand eine Parkzone eingerichtet? Vermutlich ist es den Sendern einfach nicht zuzumuten, jedes Mal, wenn das „P“-Logo eingeblendet werden muss, auch noch einen „erläuternden Hinweis“ dazu zu stellen. Wo kämen wir denn da hin? Noch dazu wurden besagte Werberichtlinien bisher von den Sendern ja auch eher als von älteren Herren erstelltes, freundlich gemeintes Regelwerk verstanden, an das man sich nicht unbedingt zu halten braucht.

Andererseits ist es nunmal Fakt: Die Kennzeichnung der Produktplatzierungen nach geltendem Medienrecht bringt den Zuschauern genau so viel wie erwartet. Nämlich gar nichts.

Das schönste Beispiel dafür lieferte RTL 2 Mitte Januar zum Start von „Die Wollnys – Eine schrecklich große Familie“, das zunächst einmal völlig korrekt gekennzeichnet war:

Bild zu: Kennzeichen P? Das erste Jahr Product Placement aus Sicht der Zuschauer
Placement-Kennzeichnung in der RTL-2-Dokusoap „Die Wollnys“ / Screenshot: RTL 2

Für das Publikum war auch auf den ersten Blick zu erkennen, um welche Platzierung es sich handeln musste: Während der Off-Sprecher keinen Zweifel daran ließ, dass Familie Wollny mit ihren vielen Kindern finanziell nicht besonders gut ausgestattet sei und sich deshalb nur einen Urlaub auf einem niederländischen Campingplatz leisten könne, fuhr der Papa einen nicht ganz billig aussehenden VW, der im Bild immer gut zu sehen war.

Bild zu: Kennzeichen P? Das erste Jahr Product Placement aus Sicht der Zuschauer
Nicht irritieren lassen: Das oben ist KEIN Product Placement – sagt RTL 2 / Screenshots: RTL 2

Die Sache hat nur einen Haken: Der VW wurde gar nicht platziert, wie RTL 2 auf Anfrage mitteilt. Es handele sich tatsächlich um das Auto der Familie, die Placement-Kennzeichnung habe man vorgenommen, weil der Campingplatz, auf dem gedreht wurde, keine Stellplatzgebühr verlangt habe und dies rechtlich als Placement zu interpretieren sein könnte.

Sie ahnen, worauf ich hinaus will: Der vorgeschriebene „erläuternde Hinweis“ in den unterschiedlichen Sendungen ist für Durchschnittszuschauer völlig nutzlos, weil er im Zweifel auf ein Placement hinweist, das es gar nicht gibt. Noch dazu gibt es inzwischen so viele Hinweisversionen, dass man diese kaum noch auseinander halten kann. Oder könnten Sie spontan erklären, was genau die Unterschiede der folgenden Kennzeichnungen sind?*

Bild zu: Kennzeichen P? Das erste Jahr Product Placement aus Sicht der Zuschauer
Screenshots: Pro Sieben, „Germany’s Next Topmodel“ / Sat.1, „Deutschlands Meisterkoch“ / Das Erste, „Das Hochzeitsschiff“ / RTL, „Das Supertalent“

Oder um’s noch mal zusammenfassend zu formulieren: Die „angemessene Kennzeichnung“ für Product Placement steht in den Mediengesetzen, damit niemand sagen kann, in den Mediengesetzen stünde keine „angemessene Kennzeichnung“ für Product Placement.

Die Produzentenbilanz folgt dann tatsächlich am Freitag.

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*Die Auflösung: 1. Korrekte Kennzeichnung bezahlter Produktplatzierung; 2. Kreative Kennzeichnung so genannter Sachspenden, die ein Unternehmen für das Gewinnspiel in der sendung zur Verfügung gestellt hat; 3. Korrekte Kennzeichnung einer so genannten Produktionshilfe im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, für die kein Geld geflossen sein darf; 4. RTL-Kennzeichnungserfindung, die nicht den Vorgaben der Werberichtlinien entspricht.


3 Lesermeinungen

  1. Ich habe mich neulich dabei...
    Ich habe mich neulich dabei ertappt, wie diese Art Hinweis bei mir inzwischen zum spontanen Ausschalt-/Umschaltgrund geworden ist. Anscheinend interpretiert mein Zuschaherhirn das als „Achtung, hier werden Sie unterschwellig manipuliert“ und verweigert die weitere Lust auf’s Zuschauen.

  2. Am besten machen wie ich:...
    Am besten machen wie ich: schon geraume Zeit kein RTL, kein Pro7, kein SAT 1 gucken…
    …und inzwischen auch kein ARD, kein ZDF, garnix mehr. Die Kiste benutzt meine Gattin nur noch manchmal, um originalsprachige Videos zu sehen. Denn ich möchte nicht so enden wie Herr Schader.

  3. Den Landesmedienanstalten ist...
    Den Landesmedienanstalten ist doch eh alles schietegal… Tätigwerden bedeutet Arbeit…

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