Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Das riecht nach Ärger: ZDF setzt US-Spielfilme gegen Vox und Sat.1

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Ab Mai zeigt das ZDF donnerstagsabends auch US-Spielfilme und tritt damit in unmittelbare Konkurrenz zu Sat.1 und Vox. Vor allem Vox könnte die neue Programmierung der Mainzer empfindlich wehtun, wenn sich die jungen Zuschauer künftig für Filme ohne Werbeunterbrechungen entscheiden.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut und Vox-Geschäftsführer Frank Hoffmann kann man eigentlich schon als alte Kumpel bezeichnen, zumindest als alte Podienkumpel. Auf diversen Medienveranstaltungen ergänzen sich die beiden hervorragend, wenn ein bisschen Wind in lahme Diskussionsrunden gebracht werden soll. Bellut verteidigt meist mit routinierter Gelassenheit die neusten Versuche des ZDF, sich ans junge Publikum ranzuwanzen. Und Hoffmann hält dann mit taktvoller Empörung dagegen, ärgert sich über Wettbewerbsverzerrung und erklärt, wie sehr sein Sender seriöse Dokus schätze ohne dafür Gebühren zu bekommen. In den vergangenen Jahren durften sich Bellut und Hoffmann beim Medienforum NRW fetzen, neulich erst saßen sie bei den „Mainzer Tagen der Fernsehkritik“ zusammen auf der Bühne. (Wenn Ihnen langweilig ist, können Sie das als Video in der ZDF-Mediathek ansehen.)

Der spannendste Streit steht den beiden aber erst noch bevor.

Bild zu: Das riecht nach Ärger: ZDF setzt US-Spielfilme gegen Vox und Sat.1Ohne großes Aufsehen zu erregen stellt das ZDF nämlich gerade sein Programm um, und zwar mit einer interessanten Taktik. Die Änderungen am Mittwochabend, wo das „Auslandsjournal“ auf 22.15 Uhr rutschen soll und Dokus mit dem Label „ZDF Zoom“ gezeigt werden, sind noch nicht abzusehen (und angesichts der aktuellen Nachrichten ja wohl auch Makulatur), „ML – mona lisa“ startet am 7. Mai auf dem neuen Sendeplatz am Samstagabend und am Donnerstag ist bereits „ZDF.reporter“ eingestellt, um der Unterhaltung Platz zu machen.

Der Donnerstagabend ist es auch, der in den kommenden Wochen noch für einigen Ärger sorgen dürfte, obwohl dort diese Woche zunächst einmal ganz unverdächtig „Der Bergdoktor“ läuft und Bellut danach die eigenproduzierte Krimireihe „Marie Brand“ programmiert hat. Richtig spannend wird es erst im Mai, denn ab dann laufen donnerstags um 20 Uhr im Zweiten auch US-Spielfilme – und zwar unmittelbar gegen die Spielfilme von Vox und Sat.1.

Sat.1 zeigt donnerstags traditionell seinen „FilmFilm“, zumindest wenn es keine Spiele der Europa League zu übertragen gibt. Am schmerzlichsten wird die neue ZDF-Programmierung allerdings Vox treffen, das am Donnerstagabend derzeit seinen einzigen Spielfilmplatz hat und damit zumindest jungen Publikum ziemlich gut ankam.

2010 etwa sahen 2,33 Millionen Zuschauer im Alter von 14 bis 49 Jahren den lustigen Vampir-Trash „Van Helsing“, was Vox hervorragende 18,1 Prozent Marktanteil bescherte. 2,03 Millionen sahen „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (17,7 Prozent), 2 Millionen „Independence Day“ (16,4 Prozent) und „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ 1,69 Millionen (13,1 Prozent). Die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie sorgte ebenfalls für überdurchschnittlich hohe Marktanteile bis zu 15,1 Prozent. Was all die Zahlen sagen? Ganz einfach: Dass der Spielfilmsendeplatz am Donnerstag für Vox ein Riesenerfolg ist. Zumindest bisher. Denn das ZDF hält künftig unter dem schönen Obertitel „Kino Magie“ dagegen.

Bild zu: Das riecht nach Ärger: ZDF setzt US-Spielfilme gegen Vox und Sat.1Am 12. Mai läuft der US-Spielfilm „The Sentinel – Wem kannst du trauen“ aus dem Jahr 2006, und wahrscheinlich wird die Konkurrenz zu „Big Mama’s House 2“ auf Vox noch nicht ganz so gravierend sein. Sat.1 bringt am selben Tag schon wieder „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (das zuletzt erst im vergangenen Oktober gezeigt wurde). Eine Woche danach läuft im ZDF „Der Staatsfeind Nr. 1“ von 1998 gegen „Speed“ bei Vox (1994) und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ bei Sat.1. Und es braucht keine großen Wahrsagerfähigkeiten, um vorauszuahnen, dass das (junge) Publikum sich künftig donnerstagabends öfter einmal dem ZDF zuwenden wird, wenn es Lust auf Spielfilme hat – zumal das Zweite vollständig auf Werbeunterbrechungen verzichtet.

Ganz ohne Beschwerden wird die plötzliche Wiederentdeckung des US-Spielfilms, den das ZDF sich bisher vor allem für Weihnachten, die Tage zwischen den Jahren und das neue Jahr aufhob (zum Beispiel: „The Sentinel“), sicher nicht abgehen.

Im Moment heißt es auf Anfrage bei Vox zu der künftigen Konkurrenz am Donnerstagabend aber noch: „Kein Kommentar.“

Screenshots: Vox/ZDF

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14 Lesermeinungen

  1. Mit dem neuen...
    Mit dem neuen Donnerstagabendprogramm des ZDF wird aber nicht nur die jüngere Zielgruppe angesprochen, sondern auch meine (Ü45) , denn da das Langzeitgedächnis abnimmt und damit die Erinnerung verblasst, kann auch die x-te Wiederholung eines US Films auf dem Zweiten noch sehr sexy und neu erscheinen.

  2. Wenn Vox seriöse...
    Wenn Vox seriöse Dokumentationen schätzt, warum senden sie dann keine?

  3. Na hoffentlich! Die ÖRs...
    Na hoffentlich! Die ÖRs sendeten früher mal so viele schöne Filme, alte und neue. Sonntags nachmittags uralte sw-Schinken aus den 30ern, spätnachts aktuelleres oder obskur-experimentelles, um 20:15 Blockbuster… und irgendwann wurde das immer weniger. Die Eigenproduktionen sind fast alle furchtbar! Und die Spielfilme der Privaten sowieso zu 80% Müll. Höchstens auf den Spartenkanälen ab und zu mal spät nachts was erträgliches. Die Eigenproduktionen dort aber der reinste C-Movie-Trash. Bevor die Privaten sich nun also aufregen: Ja, ich will, dass meine Gebührengelder so verwendet werden, ich bezahl auch für die Fußballrechte, die mich null interessieren. Und euch Private habe ich entweder auf die hinteren Plätze der Fernbedienung verbannt oder ganz aus dem Senderpool meines TVs entfernt. Wenns nach mir ginge, könnte man nämlich Kohl Entscheidung der Privatfernsehzulassung gern wieder rückgängig machen, wenn dafür dann Vereine, Kulturschaffende, Bürgerkanäle und Cineasten über die freiwerdenden Frequenzen verfügen dürften.

  4. Dagegen, dass die...
    Dagegen, dass die Öffentlich-Rechtlichen endlich mal einen vernünftigen Spielfilm-Sendeplatz einrichten, habe ich überhaupt nichts. War es doch jahrelang total affig, wenn Spielfilme mit Oscar-Auszeichnung und ähnlichen ihre Fernsehpremiere regelmäßig unter der Woche irgendwann nach 23 Uhr feierten (Hallo, ARD!).
    Viel mehr ärgert mich der Fußball. Nicht nur, dass das ZDF hier mal eben 150 GEZ-Millionen an Rechtekosten (zzgl. Produktionskosten für die Übertragen, Gehälter für Experten u.ä.) rausrückt, damit der Zuschauer das bekommt, was er nahezu 1:1 auch auf Sat1/RTL/tm3/DSF bekommen hätte. Nein, man zieht auch seine Infosendungen am Dienstag und Mittwoch, auf die man doch so stolz ist (zurecht!) nach unten, weil diese nun keinen verlässlichen Sendeplatz mehr haben, und deshalb garantiert einen Gutteil ihrer regelmäßig Seherschaft verlieren werden.
    Auch wenn ich GEZ-Verweigerern nur ungern das Wort rede, und das auch hier nicht tun will: An Tagen wie diesen kann ich sie verstehen.

  5. Ich bin mir aber...
    Ich bin mir aber gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz sicher, dass das ZDF an dem künftigen Kino-Donnerstag auch viele anspruchsvolle Filme aus Frankreich und Italien zeigt. Und selbstverständlich auch einige der vielen guten deutschen Art-House-Produktionen….

  6. Donnerstags um 20 Uhr? Uiuiui...
    Donnerstags um 20 Uhr? Uiuiui – wenn man das wörtlich nehmen würde, lieber Peer, dann wäre das ja ein Frontalangriff des ZDF gegen die ARD-Tagesschau 😉

  7. "Wenns nach mir ginge, könnte...
    „Wenns nach mir ginge, könnte man nämlich Kohl Entscheidung der Privatfernsehzulassung gern wieder rückgängig machen, wenn dafür dann Vereine, Kulturschaffende, Bürgerkanäle und Cineasten über die freiwerdenden Frequenzen verfügen dürften.“
    Um Gottes Willen, was für eine Alptraumhafte Vorstellung. Sie haben ja perverse Fantasien das ganze Deustche Fernsehen eine Mischung aus Arte und Offenem Kanal Hildesheim…gruselig.
    „Ich bin mir aber gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz sicher, dass das ZDF an dem künftigen Kino-Donnerstag auch viele anspruchsvolle Filme aus Frankreich und Italien zeigt. Und selbstverständlich auch einige der vielen guten deutschen Art-House-Produktionen….“
    Ne bestimmt nicht, die wollen ja auch ne messbare Quote erreichen im Zentrum der Finsternis.

  8. @Dent42
    Nun - die Leute, die...

    @Dent42
    Nun – die Leute, die jetzt die private Hirnlos-Sendungen goutieren, die nehmen doch, was kommt. Der Anspruch ist da offensichtlich nicht hoch. Ob beim Bügeln oder Trinken also nun die Fake-Gerichtsshow, die Promis im Dschungel, oder ein Medien-Experiment ohne Werbung läuft, kann denen doch echt egal sein. Im „schlimmsten“ Fall machen sie genervt dann den TV aus, weil zuwenig Krawall-„Unterhaltung“ läuft – auch das könnte man dann nur begrüßen.
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    Fernsehen könnte ein wunderbares Medium sein, und war dies zum Teil früher auch einmal (man erinnere sich an die schönen ZDF-Eigenproduktionen zur Weihnachtszeit, oder all die legendären Serien der 60er/70er/80er von ZDF, BBC, etc. Die jetzt nicht mehr laufen, aber sich als DVDs wie geschnitten Brot verkaufen).
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    Was Privatfernsehen, Werbe-Marketing, fantasielose ÖR-Parteigimpel und Bildzeitungspublikum daraus gemacht haben, ist eine Schande, und ich gucke es mir schon lange nicht mehr an. Ich würde Ihnen aber zugestehen, dass man meinetwegen einen einzigen, werbefinanzerten Müll- und Alkohol-TV-Sender belässt, sozusagend als mahnendes Denkmal an eine traurige Vergangenheit. Dort können sich dann wie gehabt Arabella Kiesbauer, die andere Dicke, Vera, oder wie die hieß, und Hans Meiser, bzw. deren aktuelle Versionen (bin da nicht bewandert) weiterhin ein Stelldichein geben, und in den Werbepausen können weiterhin Persil, Danone und VW die deutschen Spitzenprodukte an den Mann bringen. In diesen Kanal kann man dann auch gleich die ARD- und ZDF-Schmonzetten über das Liebesglück reiferer Damen in Irland verbannen. Und wer das alles guckt, ist dann eben gesellschaftlich so angesehen wie die Käufer der Bild-„Zeitung“. Das wäre ein Beitrag zur Bildung! Kultur ist nicht bequem! Und Müll selten unterhaltsam.

  9. Kann mir mal bitte einer...
    Kann mir mal bitte einer erklären, was „Kino Magie“ bedeuten soll? Gibt es ein Kino, das Magie heißt? Oder stehen die Wörter einfach nur zusammenhangslos nebeneinder? Oder meinen die Kinomagie respektive Kino-Magie?
    … Ah, okay, ich hab mal nachgeschaut. Bei denen schimpft sich das KinoMagie, analog zum FilmFilm, der wohl als Filmfilm zu bescheuert aussehen würde. Hm.

  10. P.S.: @Peer - die...
    P.S.: @Peer – die Freischaltung meines Kommentars wär eigentlich die Möglichkeit zur Korrektur @“Kino Magie“ gewesen ;>

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