Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

ESC-Halbfinalzapping (2): Frau Müller macht die Tür zu

| 18 Lesermeinungen

Die Präsidentin der deutschen Jury freut sich, dass es zum Abendbrot "Kaffee und Fisch" gab, Frank Plasberg moderiert im Ersten die gleiche Show zweimal nacheinander und Anke Engelke fordert die europäischen Zuschauer zum Postkartenschicken auf. Weil's so schön ist. Unser zweites ESC-Halbfinalzapping.

Ach, die Kollegen bei „Zapp“. Haben sich was einfallen lassen, wie man am besten bebildern könnte, dass in deutschen Medien gerade unablässig über den Eurovision Song Contest berichtet wird. Das hier nämlich:

„Heute kommt man im Vergleich [zu 1983, dem letzten ESC in Deutschland] mit dem Ausschneiden und Ausdrucken nicht mehr hinterher: 140 Artikel allein in den letzten zehn Tagen!“

Bild zu: ESC-Halbfinalzapping (2): Frau Müller macht die Tür zu

Ja, irre. Und nächste Woche bringen wir „Zapp“ bei, dass es in diesem neumodischen Medium namens Fernsehen auch eine ganze Menge Grand-Prix-Berichte gab. Nur kann man die halt nicht so schön ausdrucken und nebeneinander legen. Kann man doch? Aber natürlich, das Fernsehblog macht’s möglich und verschriftlicht wieder die schönsten TV-Momente des Halbfinalzappings.

Oder wie hat es der verbitterte alte Mann Harald Schmidt gestern Abend in seiner Sendung formuliert? „Wer meint, das hier sei unfassbar öde und langweilig, der hat diese Woche nicht ARD-Vorabend gesehen.“ Doch, Harald, haben wir. Und gestern war’s auch gar nicht mehr so schlimm wie Anfang der Woche, wo sich die speichelleckerischen Journalisten alle vor Lena „in den Staub“ werfen mussten, obwohl sie doch viel höflicher zu Frank Elstner hätte sein sollen, der den Weltrekord im Dumme-Fragen-Stellen knacken wollte, aber permanent von ihr unterbrochen wurde.

Zumindest hat dem Fachautor für qualifizierte Meinungshäufchen bei „Meedia“ Lenas „Teilzeit-Zickentum“, ihre „kleinkarierte Korinthenkackerei“ und die Begeisterung der Journalisten (die Lenas „Kumpel“ sein wollen) dafür nicht gefallen: „Sie wird richtig pampig. Man kann es nicht anders beschreiben.“

Außer natürlich man schaut sich das, worüber man schreibt, vorher auch mal an. Und den ganzen Rest noch dazu. Dann kriegt man ziemlich schnell den Eindruck, dass es ganz hervorragend ist, wenn angesichts der tausend Sondersendungen und Interviews, die man als Kandidat beim ESC im deutschen Fernsehen zu erdulden hat, kein Püppchen sitzt, das immer bloß brav nickt – sondern jemand, der auch mal schlecht gelaunt oder genervt ist, wenn eine Frage zum hundertsten Mal gestellt wird, und nicht jedem Moderator um den Hals fallen muss, der einen als „Prinzessin von Deutschland“ ankündigt, aber nicht mal den Namen des Wettbewerbs richtig erinnert, dessen Spektakel er gerade in den höchsten Tönen lobt.

Wie gut, dass es Ina Müller gibt. Obwohl: da sind die Meinungen ja auch wieder gespalten.

Jedenfalls ist Müller dieses Jahr Präsidentin der deutschen Jury, die ja auch bei der Entscheidung mitmischt, und verriet am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“ nicht nur, dass für sie und die Kollegen bei der Arbeit „Kaffee und Fisch“ serviert wurde („was ganz toll war“), sondern auch: „Ich finde, dass wir ganz toll Punkte vergeben haben.“ Da störte nicht mal „Moma“-Strumpfhosenschnüffler Frank Meyer, der in seinen Sonderberichten einmal statt der Düsseldorfer „Altstadt“ das Wort „Anstalt“ auf den Lippen hatte, als er vom „Gesicht“ des ESC (der Bühne) zum „Herz“ wechselte (den Fans im Euroclub).

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Nachher, in der ARD-„Show für Deutschland“, bei der diesmal Frank Plasberg ranmusste, saß Müller gut gelaunt auf dem Sofa, brachte endlich ein bisschen Schwung in den Laden und erläuterte (nachdem sie die Balkontür zugemacht hatte, weil es draußen in der Halle so laut war): „Mein Körper und mein Geist wären nicht in der Lage, sich auf diese Bühne zu bewegen!“ Woraufhin Plasberg fragte: „Wenn man Ihnen da ’nen Tresen hinzimmert?“ Und Müller: „Dann ja.“

Fast vier Stunden später stand Anke Engelke zum Schluss des zweiten Halbfinals auch ohne Tresen ganz gut auf der Bühne, erklärte ausnahmsweise ohne ihre beiden Co-Moderatoren noch einmal die Regeln für die Abstimmung und meinte:

„Sie können auch eine Postkarte schicken – das hat zwar keine Auswirkung aufs Ergebnis. Aber wir lieben Postkarten.“

Vorher war Engelke bereits mit Stefan Raab beim Interview mit Plasberg – sie mit blutig geschminkter Nase, er schon wieder mit (scheinbar) ausgeschlagenen Zähnen, weil zuvor der Einspielfilm gedreht wurde, in denen die beiden sich während ihres hübschen Grand-Prix-Medleys aus Versehen gegenseitig ausknocken. Und Raab scherzte: „Anke meinte, ich hätte zuviel Text.“ Und Plasberg?

Bild zu: ESC-Halbfinalzapping (2): Frau Müller macht die Tür zu

Der hatte auch zuviel Text, machte seine Sache im Ersten aber trotzdem gar nicht so schlecht, zoffte sich nicht mal mit der (schon wieder eingeladenen) Lena und bemühte sich gleich zu Beginn der Sendung um 18.50 Uhr gegenüber den Zuschauer klarzustellen, dass er weiß, worauf er sich hier eingelassen hat: „Ich verspreche Ihnen, Sie werden herrlich unnützes Zeug erfahren.“

Nach der „Tagesschau“ ging’s augenblicklich weiter, weil noch Zeit war bis zum Halbfinalstart, und Plasberg machte das, was er bei „Hart aber fair“ so lange einstudiert hat: Er moderierte einfach die Sendung von vorher nochmal. Guten Abend, meine Damen und Herren, „Sie werden hier schöne bekloppte Dinge erfahren“ – usw. usf.

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Wenn Sie auch noch ein paar schöne bekloppte Dinge zum Song Contest beizutragen haben, kommentieren Sie! Oder schreiben eine Postkarte.

Screenshots: NDR, Das Erste

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18 Lesermeinungen

  1. pschader sagt:

    @Theo: Ist aber nicht so. Und...
    @Theo: Ist aber nicht so. Und vor allem nicht „jetzt“ erst. Außerdem weise ich gerne noch einmal darauf hin, dass der Kollege S.N. und ich uns mit unseren Meinungen nicht abstimmen und uns manchmal sogar zwei verschiedene leisten. Gut möglich, dass es diesmal eine größere Schnittmenge gibt.

  2. SvenR sagt:

    Ich würde mir wünschen, dass...
    Ich würde mir wünschen, dass mehr Journalisten eine so differenzierte Sicht auf die Dinge hätten. Insbesondere, wenn am Ende es sch mit meiner Meinung deckt.

  3. onlime sagt:

    Wie großartig könnte die...
    Wie großartig könnte die ESC-Moderation wohl erst sein, wenn statt dem Raab da ein Hape stehen würde? *hachseufz*
    Wo ist der eigentlich abgeblieben? Ist er bei der ARD in Ungnade gefallen? Der darf ja noch nicht mal mehr die Punkte vorlesen…
    Und was das Vorabendprogramm betrifft, wieso lässt man da eigentlich jeden Tag andere Nasen moderieren, die zudem noch mit dem ESC überhaupt nichts am Hut haben. Wieso nimmt man dafür nicht die ESC-kompetenten Schwuppen Hermanns, Uecker und Konsorten, die wenigstens eine innige Beziehung zu dem ganzen Zirkus haben?

  4. tacke sagt:

    @peer und theo:

    peer hat mE...
    @peer und theo:
    peer hat mE recht. harald schmidt macht seit jahren (seit den letzten sat 1 zeiten) eine unglaublich schlechte und uninspirierte sendung. nur leute, die es nicht verstanden haben (vgl. DER SPIEGEL), kaufen ihm das noch als avantgarde ab. er ist schlecht, gibt sich ersichtlich keine mühe (kann late night vermutlich auch nicht) und nimmt sich trotzdem raus, sich seit jahren als die unangreifbare eiche, die sich nicht schert, wenn sich die säue an ihr kratzen, zu gerieren. und wenn sein businesspartner fred kogel dem spiegel erklärt: „late night kann nur harald“, dann glauben das manchen menschen auch noch. wo stefan raab und schmdt seit jahren widerlegen, dass dieser satz doppelt nicht stimmt.

  5. Tobias sagt:

    Kleines, aber entzückendes...
    Kleines, aber entzückendes Fundstück am Rand: Als am Samstag die Düsseldorfer U-Bahn im 2-Minuten-Takt Unmengen von ESC-Fans am Messe-Bahnhof ausspuckte, wurde JEDE Bahn von einem sehr coolen Bahnhofs-Sprecher begrüßt, der sich sogar die Mühe machte, jeweils einzelne Fangruppen herzlich zu begrüßen („WOOO sind die FINNEN? Zeigt eure Fahnen!“) und sich regelrecht als Einheizer betätigte. Machte Spass und die Fans waren komplett begeistert….

  6. ich sagt:

    Gibt es noch einen Post zum...
    Gibt es noch einen Post zum Finale?
    Sollte bald kommen, sonst interessiert es nur noch wenige. (Mich schon, aber ich bin in diesem Punkt wohl eher nicht repräsentativ für den Mainstream.)

  7. pschader sagt:

    @ich: Nö. Genug gezappt für...
    @ich: Nö. Genug gezappt für dieses Mal.

  8. ich sagt:

    @peer schader

    schade. genug...
    @peer schader
    schade. genug material hätte das finale schon geboten.

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