Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

"TV Lab" zum Dritten: Was reimt sich auf Nasenbär? (jetzt mit Gewinner)

| 15 Lesermeinungen

Kurz vor Schluss ist dem "TV Lab" offensichtlich die Puste ausgegangen. Der Endspurt mit "Teddy's Show", "Bullshit" und "Liebe auf Speed" fiel jedenfalls, um es höflich zu formulieren, enttäuschend aus. Hier kommen trotzdem die letzten drei Kurzkritiken zu den Vorschlägen von Donnerstag und Freitag, inklusive kleinem Projekt-Fazit.

Kurz vor Schluss ist dem „TV Lab“ offensichtlich die Puste ausgegangen. Der Endspurt fiel jedenfalls, um es höflich zu formulieren, enttäuschend aus. Hier kommen trotzdem die letzten drei Kurzkritiken zu den Vorschlägen von Donnerstag und Freitag, inklusive kleinem Projekt-Fazit. Ergänzen Sie! Widersprechen Sie! Am besten unten in den Kommentaren.

Am Samstagabend steht dann fest, wer das Rennen gemacht hat (und dieser Blogeintrag wird selbstverständlich aktualisiert).

Bild zu: "TV Lab" zum Dritten: Was reimt sich auf Nasenbär? (jetzt mit Gewinner)

„Teddy’s Show“
Genre: Comedy, erste Einschätzung: ab ins Vorschulprogramm

Bild zu: "TV Lab" zum Dritten: Was reimt sich auf Nasenbär? (jetzt mit Gewinner)Ständig wird behauptet, Fernsehen und Internet wachsen zusammen. Mit „Teddy’s Show“ ist ZDFneo nun ein äußerst imposanter Gegenbeweis gelungen. Oder man muss Internetphänomenologie studiert haben, um zu verstehen, warum der gefeierte „Youtube-Held“ Tedros „Teddy“ Tedebrhan nun die ältesten Comedy-Stilmittel der Welt zusammenkehrt, um damit dann das Medium zu wechseln. Tedebrhan verkleidet sich als Musikstar mit aufgeklebter Zahnleiste; er ruft jungen Frauen in der Fußgängerzone „Hättense Interesse auf’n Date?“ hinterher (nein, da kommt kein Witz mehr); als Castingshowbewerber turnt er absichtlich schlecht singend durch Einkaufszentren; und führt in der Rolle des Fantasieprolls Interviews mit echten Politikern. Alles, wirklich alles in dieser „Show“ hat vorher im deutschen Fernsehen schon mal jemand besser gemacht.

Dabei ist eine TV-Karriere für Tedebrhan nicht völlig ausgeschlossen: Mit seiner Schlussnummer, Musikreime inklusive der Zufallswörter „Nasenbär“, „Nordseeküste“ und „Erdmännchen“ zu improvisieren, passt er prima ins Vorschulprogramm beim Kika. (Sendung trotzdem ansehen.)

„Liebe auf Speed“
Genre: Dating-Show, erste Einschätzung: ?

Bild zu: "TV Lab" zum Dritten: Was reimt sich auf Nasenbär? (jetzt mit Gewinner)Sollten Sie irgendwann einmal in Versuchung geraten, mit Fernsehkritiken Geld verdienen zu wollen, kommt hier ein guter Tipp, der von Generation zu Generation weitergegeben wird: Schreiben Sie nie, wirklich niemals über Sendungen, in denen gleichzeitig die Worte „Traumprinz“, „Liebesengel“, „Mr. Right“, „Supermänner“, „den Kopf verdrehen“, „um den Finger wickeln“ und vor allem „versteckte Kamera“ vorkommen. Ignorieren Sie diese Sendungen ausnahmslos weg und verlieren nie wieder ein Wort darüber! (Sendung trotzdem ansehen.)

„Bullshit“
Genre: Comedy; erster Eindruck: hält, was der Name verspricht

Bild zu: "TV Lab" zum Dritten: Was reimt sich auf Nasenbär? (jetzt mit Gewinner)Das war natürlich ein cleverer Sendeplatz für „Bullshit“, am Donnerstagabend direkt vor „Teddy’s Show“. Weil in deren Schatten dann gar nicht mehr so arg auffiel, wie wahr der Titel der Sendung ist, für die Martin Fromme, Lutz van der Horst und Sven Nagel die schon vor Jahren verstorbene Guerilla-Spaßattacke exhumiert haben, um ihr zombiemäßig noch einige letzte Zuckungen abzuringen.

Mit langen Bärten als Scheinbar-Terroristen verkleidet vor einem AKW rumzulungern und dann dem Herrn von der benachbarten Flugschule erzählen, er solle sie mal übers Kraftwerk fliegen, klingt jedenfalls schon arg nach erstbester Idee. Vorm Bonner Rathaus ein Helmut-Kohl-Denkmal aufzustellen und dann vom Ordnungsamt verjagt zu werden, ist schlicht langweilig. Und bei Leuten, die für eine bessere Flüchtlingspolitik unterschrieben haben, in den Garten einzubrechen, um bei ihnen ein paar Afrikaner abzugeben, ist – es nicht mal mehr wert, dass man sich dafür eine angemessene Beleidigung ausdenkt. Doch? Na dann: ganz mies. (Sendung trotzdem ansehen.)

Gezeigte Sendungen: 10 von 10
Bekanntgabe des Gewinners: am Samstag um 22.15 Uhr bei ZDFneo.
Abschließender Fernsehblog-Favorit: „Moviacs“

Und insgesamt?

Mag ja sein, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren nicht so viel Innovationsmut hatte wie in dieser Woche. Aber nur mal so am Rande gefragt: Gab es wirklich keine ernsten, düsteren, provokanteren Ideen für neue TV-Formate? Die Comedy-Dominanz hat dem ersten „TV Lab“ jedenfalls nicht so gut getan – weil nun wirklich niemand ZDFneo braucht, damit dort Shows laufen, die es (womöglich aus gutem Grund) nicht zu Pro Sieben gepackt haben.

Eine richtige Überraschung war unter den zehn Piloten nicht dabei. Vielleicht hätte eine ausgewogenere Auswahl für etwas mehr Spannung gesorgt. Hoch anrechnen muss man ZDFneo das Experiment natürlich trotzdem.

Und wenn es denn eine Fortsetzung geben sollte, ist fürs „TV Lab“ wenigstens noch ordentlich Luft nach oben. Vielleicht lässt man Joko und Klaas die Macher der Sendungen dann auch nicht mehr in einer umgeräumten Garage interviewen und spendiert eine zweite Kamera, damit es nicht mehr ganz so schlimm nach Offenem Kanal aussieht. Bei der Gelegenheit könnte das ZDF auch die Abstimmungsmodalitäten überdenken, von denen hier in den Kommentaren und in anderen Blogs bereits geschrieben wurde.

Gleich „Manipulation!“ zu rufen, ist allerdings Unsinn: Es war doch von vornherein klar, dass alle „TV Lab“-Kandidaten ihre Möglichkeiten nutzen werden, um im Netz für die eigene Sendung Stimmen einzufangen. Was denn auch sonst? Dass es dabei zu seltsamen Mustern kommt (und manche Formate unberechtigterweise zu stark abgewertet werden) ist allerdings weniger den Beteiligten anzulasten als dem Sender, der sich für dieses Verfahren entschieden hat. Wie hätte denn ein gerechteres Voting ausgesehen? So wie bei „Deutschland sucht den Superstar“, wo Teenager so lange Wahlwiederholung auf ihrem Handy drücken bis die Prepaid-Karte abraucht?

Dass am Ende womöglich nicht unbedingt die Sendung gewinnt, die am innovativsten ist, hat das ZDF sicher einkalkuliert. (Zumal sich das ja, wie anhand der sehr verschiedenen Kommentare zu sehen ist, eh nicht objektiv bewerten lässt.) Das „TV Lab“ hat auch so seinen Zweck erfüllt: ZDFneo ins Gespräch zu bringen und für neue Zuschauer zu öffnen.

Der Gewinner …

(Nachtrag, 20.16 Uhr) … steht fest und heißt: „Teddy’s Show“ (Platz 2: „German Angst“, Platz 3: „Bambule“). Was wiederum ein schöner Beweis für die alte Fernsehweisheit ist, dass TV-Kritiker am schlechtesten beurteilen können, was dem Publikum gefällt. ZDFneo hat eine Fortsetzung des „TV Lab“ angekündigt. Bis zum nächsten Jahr!

Screenshots: ZDFneo

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15 Lesermeinungen

  1. Mich machen die...
    Mich machen die Bewertungsnoten stutzig. Teddy’s Show hat mit 5.3 Punkten gewonnen. Da von 1 gewertet wird und nicht von 0, zieht man noch 10% ab, und mann kommt auf 47,7%. In der Schule ist das mangelhaft. Ich hoffe die Verantworlichen nehmen das auch so zu Kentniss, das selbst der Gewinner bei den Zuschauern so gerade eben noch mittelmaß ist und beim nächtem mal vielleicht was Originlles ins Rennen schicken. Obwohl von „Moviacs“ und der Sendung mit dem unsagbar besch…eidenen Namen „Wie geil ist das denn?“, hätte ich doch gerne mehr gesehen.

  2. Nun ja, wenn man ein...
    Nun ja, wenn man ein „Internetphänomen“ zu einer Abstimmung antreten lässt, die komplett im Internet stattfindet, überrascht das Ergebnis nicht sonderlich. Für mich ist das ein Indiz, dass es ZDF neo vor allem um die größtmögliche Aufmerksamkeit für sich und das Lab ging und nicht um die innovativste oder qualitativ beste Sendung (was ja auch nicht verwerflich ist). Trotzdem fände ich persönlich eine Lösung wie beim ESC mit Voting plus Ergebnis einer bunt zusammengewürfelten Jury besser.

  3. schade für moviacs und die...
    schade für moviacs und die deutsche fernsehlandschaft aber mal ehrlich, wer noch fernsehn guckt hat auch nix anderes verdient als den mist.

  4. @Uli: Bei der DSDS-Variante...
    @Uli: Bei der DSDS-Variante hätte Teddy wohl noch vir deutlicher gewonnen.
    Warum fährt die „Genereation YouTube“ bloß so sehr auf den Typen ab? Ich kapiers nicht. Muss ich mir jetzt eigentlich alt und der Zielgruppe entwachsen vorkommen, wenn ich den nicht für fünf Cent lustig fand?
    Eigentlich nicht, denn ich fand die Kuscheltiere super…

  5. Für Youtube - also einzelne...
    Für Youtube – also einzelne kurze Clips – ist dieser Teddy schon okay. Aber über eine ganze Sendung trägt sich dieses Konzept eben nicht. Die Stand Up Einspieler waren echt mies, die „Gags“ haben kaum gezündet, da scheint er nur wenig Talent für zu haben.
    Aber gut, das ist eben eine Pilotfolge. Vielleicht kann er sich ja noch verbessern, ein wenig Zeit sollte man ihm schon geben.
    „Wie geil ist das denn?!“ war mein Favorit. Korneli ist sehr sympthatisch und schlagfertig. Alles wirkt viel unverkrampfter als z.B. bei Teddys Show. Sehr unterhaltend.
    Moviacs sollte auch auf jeden Fall weitergeführt werden. Schon allein wegen Ermangelung einer ordentlichen Filmsendung. Eigentlich doch eine große Marktlücke im deutschen Fernsehen, oder? Würde auch perfekt zu NEO passen.

Kommentare sind deaktiviert.