Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Nicht zu vergleichen: "Das große Comeback" gegen "Es geht um mein Leben"

| 6 Lesermeinungen

Eigentlich fängt alles so schön an. Doch dann kippt die ZDF-Satire, die sich gleichzeitig übers Fernsehen und die Schlagerwelt lustig macht, mittendrin ganz plötzlich in eine gewöhnliche Liebesschmonzette um. Sichert sich Pierre M. Krause bei "Es geht um mein Leben" durch diese Schwäche den Sieg im Fernsehblog-Duell?

Die meisten Sendungen im Fernsehen lassen sich einfach nicht vergleichen. Das Fernsehblog macht’s trotzdem. Mal sehen, was dabei herauskommt. Diesmal: Der ZDF-Film „Das große Comeback“ gegen die Einsplus-Wissenscomedy „Es geht um mein Leben“ (die erste Folge aus Staffel 4).

Bild zu: Nicht zu vergleichen: "Das große Comeback" gegen "Es geht um mein Leben"

Originalität: Sowas sieht man im ZDF ja auch nicht alle Tage – eine Satire, die sich gleichzeitig übers Fernsehen und die Schlagerwelt lustig macht, und die, als sich der Zuschauer in Sicherheit wiegt, mittendrin ganz plötzlich in eine gewöhnliche Liebesschmonzette umkippt. Dabei fängt alles so schön an: Eine unter Dauersektbeschuss stehende TV-Redakteurin, angemessen hysterisch gespielt von Andrea Sawatzki, will ihre Karriere mit einer neuen Erfolgsshow retten: „Deutschlands erfolglosester Schlagerstar“. Da kommt ihr Hansi Haller gerade recht (Uwe Ochsenknecht im Glitzersakko mit Seitenscheitelperücke). Unter dem Vorwand, sein Comeback zu inszenieren, verfrachtet sie den an sich und der Welt zweifelnden Ex-Promi in das Dorf, wo seine beiden größten Fans wohnen, und beginnt eine Dokusoap über sein Scheitern zu drehen (Video-Trailer in der ZDF-Mediathek). Irgendwann verunglückt der Film aber furchtbar, Sawatzki hat alle Fiesitäten verschossen und Ochsenknecht alias Haller verliebt sich nicht nur in die Tochter der Fanclubvorsitzenden, sondern stürmt ihr auch noch aus dem laufenden Abschlusskonzert entgegen, um sie zu küssen. Sonnenuntergang hat noch gefehlt. Also eine ganz fiese Nummer vom ZDF. Und genau deswegen natürlich hochoriginell. Dagegen ist dieses ganze Wissensvermittelungsgedöns ja ein alter Hut – aber immerhin einer, dem Pierre M. Krause bei „Es geht um mein Leben“ noch das Krönchen der nachhaltigen Albernheit aufsetzt. Insofern lässt es sich verschmerzen, dass vieles von dem, was die Auftaktfolge der neuen „Es geht um mein Leben“-Staffel zum Thema „Fleisch“ zu erklären hat, dem aufgeklärten Zuschauer schon bekannt ist. Die meiste Zeit ist man ja eh damit abgelenkt, Krauses nächsten Flachwitz Anlauf nehmen zu sehen.

Bild zu: Nicht zu vergleichen: "Das große Comeback" gegen "Es geht um mein Leben"(Flach-)Witz: Selbst wenn sich Sawatzki als selbstüberschätzungs-beschwipste, auf Scheunendächern nach Handyempfang rudernde Fernsehschnepfe alle Mühe gibt – gegen den offiziellen Schrankenwärter der Wortspielhölle hat sie natürlich keine Chance. Krause enttäuscht nicht: In seinem Fleisch-Special will er nicht nur „seinen inneren Schweinehund überwinden“ und „der Wurst auf die Pelle rücken“, er verlangt auch eine „Extrawurst“, isst „Rinderschokoloade“, begrüßt die Zuschauer zu „Menschen bei Fleischberger“ und drückt sich ordentlich Hack in die Eiswaffel – „Mett von Schleck“. Warum war Ochsenknecht nicht als Gast da?

Gaststars: Helmut Zerletts Auftritt als Schlagerstarkumpel bei „Das große Comeback“ ist lustig, aber Mops Emil hat beim Kurzbesuch im Veganerladen für „Es geht um mein Leben“ deutlich mehr Text. Und gewinnt deswegen.

Bild zu: Nicht zu vergleichen: "Das große Comeback" gegen "Es geht um mein Leben"Mut: „Da haben uns ja wieder alle nass gemacht: RTL, Pro Sieben – sogar die Öffentlich-Rechtlichen“, beschwert sich die Redakteurin beim morgendlichen Blick auf die Quoten. Leider war’s das dann aber auch schon mit Spitzen gegen den eigenen Auftraggeber. Vermutlich muss man es schon als Erfolg werten, dass diese Kleinigkeit drinbleiben durfte. Dass Pierre M. Krause in Zeiten der Massenwursthaltung im Auftrag der Zuschauerbildung eine „Fleischdiät“ einlegt, ist hingegen tollkühn. Zumindest wurde im deutschen Fernsehen zuvor noch nie so viel Bärchenwurst verzehrt („Pierrechenwurst“, wie Krause sagt). Zwischen Schweinehälften im Kühlhaus entdeckt er auch noch einen aus Fleischglibber bestehende neue Lebensform. Damit baut „Es geht um mein Leben“ seine Führung deutlich aus.

Realitätsnähe: Als Aushilfsmetzger hat Pierre M. Krause hinter der Bedientheke später kein Häubchen mehr auf! Das bedeutet sofortigen Punkteabzug, weil sich das ein echter Fachfleischer niemals erlauben würde. Die Schlagerhits, die sich Ochsenknecht für seine Rolle als Hansi Haller in „Das große Comeback“ hat schreiben lassen, wären hingegen jederzeit tauglich für die echten Charts: „Das Mädchen aus Montevideo – deo, deo, deo“ und „Oh lala, Larissa, Orchidee im Morgenrot“ schreien geradezu nach Platin (und einem darauffolgenden Cover von Die Atzen). Hallo, ZDF – Downloadmöglichkeit?

Die Entscheidung: Es ist ein hübscher kleiner Monolog, den Andrea Sawatzki da vor versammelter Fernsehmannschaft in „Das große Comeback“ halten darf, weil er so präzise die aktuellen Programmschwerpunkte auf den Punkt bringt: „Bekloppte Hühnerbauern, Auswanderer, die nicht mal ihre eigene Sprache beherrschen, Restaurantbesitzer, die kaum ein Butterbrot schmieren können. Kann man da überhaupt noch was draufsetzen? Ja, man kann!“ Und selten hat ein Fernsehfilm einen so langen Anlauf genommen, um sein Publikum dann maßlos zu enttäuschen. Dem ZDF ist’s jetzt gelungen. Hätten die Autoren ihre Geschichte so konsequent gemein zu Ende erzählt (oder erzählen dürfen), wie sie sie begonnen haben, wäre eine hübsche kleine Fernsehsatire dabei herausgekommen. So reicht’s leider nur für eine gut getarnte Durchschnittskomödie. „Es geht um mein Leben“ streicht also locker den Sieg ein. Darauf einen „Hackpirinha“ und eine „Wienercolada“!

„Das große Comeback“ läuft an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr im ZDF. Die Fleisch-Folge von „Es geht um mein Leben“ zeigt Einsplus am nächsten Dienstag um 21.45 (und jetzt schon jederzeit online).

Screenshots: ZDF, Einsplus

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6 Lesermeinungen

  1. Kommt nur mir das so vor oder...
    Kommt nur mir das so vor oder erinnert die Figur von Ochsenknecht nicht frappierend an die Figur Bruce Berger aus „Männerherzen“?!
    https://www.youtube.com/watch?v=HjiCBxfgST4

  2. Isst doch total Wurst....
    Isst doch total Wurst.

  3. Entweder:
    Iss' doch...

    Entweder:
    Iss‘ doch Wurst.
    Oder:
    Ist doch Wurst.
    Sach ich ma.

  4. @Peer: "Hallo, ZDF –...
    @Peer: „Hallo, ZDF – Downloadmöglichkeit?“
    Download gibt’s (z. B.) auf Amazon:
    https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Daps&field-keywords=hansi+haller&x=0&y=0
    Warum dem Gebührenzahler etwas kostenlos zur Verfügung stellen, wofür er schon bezahlt hat, wenn man nochmal Kohle verlangen kann?
    Aber immerhin sehr konsequent das alles: https://www.hansi-haller.de/
    Aber wahrscheinlich hätten sich die Musikkonzerne dann echauffiert und den endgültigen Untergang des Musikmarktes herbeigeredet, weil das ZDF MP3s kostenlos im Internet zum Download zur Verfügung stellt. Am Ende noch in einer kostenlosen App.

  5. Moment mal, lese ich da etwa...
    Moment mal, lese ich da etwa wirklich eine latente Kritik am sonst von allen so über alle Maßen hoch gelobten Pierre M. Krause heraus? Das man sowas noch erleben darf…

  6. ach ne...
    ach ne la-la-larissa
    https://www.youtube.com/watch?v=bTk_NFmo-fI

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