Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Hape Kerkeling: Der Kandidat

| 5 Lesermeinungen

Für Hape Kerkeling wird 2011 rückblickend immer das Jahr gewesen sein, in dem er seinen Job als Moderator und Komiker kurzzeitig abgab und hauptberuflicher "Wetten dass..?"-Nachfolgekandidat wurde. Die Journalisten geben keine Ruhe. Das ZDF liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Trotzdem ist Kerkeling von dem Trubel sichtlich genervt.

„Ich setz mich hierhin, wenn’s recht ist“, sagt Hape Kerkeling zum zukünftigen ZDF-Intendanten und nimmt neben ihm in der dritten Reihe Platz. Es ist recht. Und ein durchweg seltsamer Termin, zu dem das ZDF an diesem Freitag im August ins Cinéma Paris am Berliner Kurfürstendamm eingeladen hat. Weil es wegen der vielen Freundlichkeiten gleich so diesig werden wird, dass erste Schwindelopfer zu befürchten sind.

Eigentlich will der Sender Journalisten nur die erste Folge von „Unterwegs in der Weltgeschichte – mit Hape Kerkeling“ zeigen, in Anwesenheit des Hauptprotagonisten und mit angemessen prunkvollem Ambiente. Aber bereits seit ein paar Tagen geht ein ohrenbetäubendes Tuscheln durch die Branche: Kerkeling soll „Wetten dass..?“ übernehmen! Bestätigung gibt es keine, aber das Kino ist randvoll, vielleicht sagt ja doch einer was.

Das ZDF sagt kurz vorher erstmal die angebotenen Einzelinterviews wieder ab. Kerkeling stehe aber nach der Premiere für Fragen zur Verfügung.

Vor allem aber steht er da und wird hofiert.

Bild zu: Hape Kerkeling: Der Kandidat

„Dass Sie uns derart wertschätzen, Herr Kerkeling, und die Kraft aufgebracht haben, das hätte ich nicht gedacht“, schwärmt Gero von Boehm, der Produzent des „Terra X“-Spezials, für das der Komiker und Moderator in 100 Drehtagen einmal um die Welt reisen durfte, um vor berühmten Ruinen einige Sätze in die Kamera zu sagen. Für ein solches Projekt seien nur Peter Ustinov oder er in Frage gekommen, versichert von Boehm. „Dich gibt’s noch, deshalb sind wir losgefahren.“ Letztlich habe nur Kerkelings „große Kunst“ die Reihe ermöglicht. Und der bedankt sich mit – Loyalität: Die Dokureihe sei „eine der schönsten Arbeiten, die ich im letzten Vierteljahrhundert machen durfte“, sagt Kerkeling. Gerade hat er noch auf dem „Traumschiff“gedreht – was war denn schöner? „Beides sind ZDF-Produktionen – und ZDF-Produktionen sind immer schön.“

Im Saal herrscht bereits akute Zungenkussgefahr, als sich Noch-Programmdirektor Thomas Bellut in die Runde einmischt und auf die Frage, was er mit Kerkeling noch vorhabe, antwortet: „Wir stellen uns vieles vor.“ Die Moderation von „Menschen 2011“ sei schon gesetzt, sagt Bellut. „Und Dokus – wenn er will, kann er das weitermachen.“ Hätte ihn Kerkeling in diesem Moment höflich gebeten, ihm zumindest für ein paar Monate seinen neuen Job zu überlassen, wäre das vermutlich auch kein Problem gewesen.

Nur zu „Wetten dass..?“ sagt keiner was. Bellut grinst genussvoll. Und Kerkeling? „Da ich gewissermaßen auch das ZDF bin, äußere ich mich nicht“, ringt er sich zu einem Sätzchen durch, das die Leute von den Nachrichtenagenturen aufgeregt in ihre Ticker hacken, damit es die Zeitungsjournalisten ebenso aufgeregt auf ihre Seiten durchschreiben können. Kerkeling sagt nichts! Wenn das mal kein eindeutiges Indiz ist!

Es ist nicht mehr so genau nachzuvollziehen, wie und wo das alles angefangen hat, aber egal, was in den kommenden Wochen passiert und bekannt gegeben wird: Für Hape Kerkeling wird 2011 rückblickend immer das Jahr gewesen sein, in dem er seinen bisherigen Job kurzzeitig abgab und hauptberuflicher „Wetten dass..?“-Nachfolgekandidat wurde.

„Ich gebe zu, dass mir das sehr schmeichelt“, hat er gerade dem „SZ-Magazin“ in einem der wenigen Interviews gesagt, das seine Managerin für dieses Jahr noch zugelassen hat. Eigentlich ist Kerkeling ja komplett überschä… – überbucht. „Aber es entsteht auch ein ungeheurer Druck“, geht das Zitat im „SZ-Magazin“ weiter. „Über Monate gingen da jetzt die dollsten Spekulationen durchs Sommerloch, ich plötzlich auf der Titelseite großer Blätter, da hab ich mir gedacht: Wie soll ich je die Kontrolle über mein Leben gewinnen?“ Naja, er könnte einfach Schluss machen mit der Geheimnistuerei, die am Anfang noch nachvollziehbar war, weil Gottschalk vor der Bekanntgabe des Nachfolgers erst seine letzte Show moderieren sollte. Inzwischen aber wirkt die Aufschieberei bloß noch wie ein Gag, um die Journalisten kirre zu machen. Das hat zumindest Bellut bislang sichtlich genossen. Bis jetzt die neue Spekulation auftauchte, Kerkeling hätte sich doch gegen „Wetten dass..?“ entschieden. Vielleicht ist das aber auch bloß Teil des Spiels.

Zumindest passt Kerkeling der ganze Rummel nicht, auch schon Anfang August. Im Cinéma Paris schaut er sich die erste Folge seiner Doku an und lauscht, wie alle um ihn herum gut hörbar kichern und von Amüsement künden. Am Ende der anschließenden Fragerunde hat die Autorin eines Klatschmagazin noch eine wichtige Frage: „Haben Sie vor, ein Kind zu adoptieren?“ Mit gespieltem Vergnügen antwortet Kerkeling: „Ich glaube, das ist in der Folge eben gar nicht angesprochen worden.“ Anschließend verlangen die vielen Fotografen, die sich oben auf der Empore herumschubsen, noch nach seiner Aufmerksamkeit, um sich dann abwechselnd zu beschweren, dass er nicht direkt in ihre Linse schaut.

Als die Anweisungen an ihn unfreundlicher werden, wird Kerkeling sauer, bricht das Posieren von einer Sekunde auf die nächste ab, murmelt etwas Unfreundliches und schiebt sich vorbei an den jungen Journalistinnen, die mit ihrem Iphone gerne noch Foto von sich und ihm machen würden, zurück an seinen Platz, um seinen Mantel zu holen. Der Termin hat Kerkeling die Laune verdorben.

Alle lieben ihn. Lesen ihm jedem Wunsch von den Augen ab. Nur den einen nicht. Er lautet: Lasst mich doch einfach mal in Ruhe.

(Und falls Sie sich jetzt fragen, ob es sich eigentlich lohnt, „Unterwegs in der Weltgeschichte“ anzusehen: ja, lohnt sich. Warum noch ein „aber“ folgt, steht rechtzeitig zur Ausstrahlung im Fernsehblog.)

Foto: ZDF/Christiane von Boehm

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5 Lesermeinungen

  1. Und Nachfolger von Michelle...
    Und Nachfolger von Michelle Hunziker wird dann Dirk Bach?
    Och nee.

  2. Das Format "Wetten das..."hat...
    Das Format „Wetten das…“hat m.E. ausgedient. Finden Sie neue Ideen zu einem neuen Thema!
    mfG
    CRW

  3. "Wetten dass" hat meiner...
    „Wetten dass“ hat meiner Meinung nur generalüberholt und mit einem guten Moderator noch eine echte Chance. Ich hoffe doch sehr, dass der Kerkeling dem ZDF zusagt, da es andernfalls wohl Pilawa würde- lieber nicht.
    Also, liebes ZDF, lasst Hape Kerkeling in Ruhe!
    Den Gag bei Harald Schmidt fand ich in diesem ganzen Nachfolgegerede noch am interessantesten.

  4. Vorab Hape ist der Grösste!...
    Vorab Hape ist der Grösste! Aber wieso denken alle dass er der Richtige für Wetten dass… ist?
    Er war immer Weltklasse, wenn er sich hinter einer Rolle verstecken konnte.
    Seine Experimente als normaler Moderator in den 90ern mit Zappenduster und Warmumsherz waren ja eher durchschnittlich, in den wenigen Momenten, die ich von Let’s Dance gesehen habe, wirkten auch eher steif.
    Deswegen gerne wieder Total Normal Reloaded, aber für WD reicht komoisch kickern nicht aus.

  5. Hape ist ein klasse...
    Hape ist ein klasse Komödiant.
    Wenn eine Show oder eine Sendung ihm gut zugeschnitten ist, dann bleibt der Erfolg nicht aus.
    „Wetten dass …?“ passt nicht zu ihm, egal wie die Sendung für ihn umgeschrieben wird.

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