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8 Gründe, warum die Macher von "Schwiegertochter gesucht" in die Hölle kommen

Bereits vor zwei Jahren prognostizierte Stefan Raab den Machern von „Bauer sucht Frau“ den unvermeidlichen Abstieg in die ewige Finsternis, dafür dass sie in ihrer Sendung Leute zur Schau stellen, die sich dem Fernsehen mit all ihrer Privatheit anvertraut haben.

Das macht aber nichts, denn langweilig wird’s da unten nicht. Immerhin warten dort schon die Verantwortlichen für „Schwiegertochter gesucht“, einer Sendung, die nach demselben Prinzip wie „Bauer sucht Frau“ funktioniert, aber in der der öffentlichen Zurschaustellung ihrer Teilnehmer noch skrupelloser ist. (Am Sonntag sahen 5,4 Millionen bei RTL die letzte Folge der fünften Staffel.) Und damit bei RTL und der Produktionsfirma Eyeworks nachher keiner sagen kann, er hätte davon nichts gewusst, stehen hier nun die offiziellen Gründe, warum die Macher von „Schwiegertochter gesucht“ in die Hölle kommen.

1. Weil pro Stunde mehr als dreißig „sonnige Sachsen“, „bezaubernde Berlins“ und „heimelige Hessen“ mit „bravem Bäcker“, „lustigem Leierkastenmann“ und einem „flottem Friseur“ die Alliterationsgrenze nicht nur überschreiten, sondern sprengen.

2. Weil die Sendung einfache Berufe zu komplizierten Tätigkeitsbeschreibungen verklausuliert, um damit die Schlichtheit der Teilnehmer zu kontrastieren. Zwei Lageristen werden von Moderatorin Vera Int-Veen konsequent als „Handelsfachpacker“ bezeichnet (den Beruf gibt es seit 2004 nicht mehr), ihre Liebe als „Handelsfachpackerglück“. Als die Kandidatin während der Dreharbeiten zur Sendung schwanger wird, kündigt Int-Veen einen „kleinen Handelsfachpacker“ an und suggeriert damit: Bei solchen Eltern wird auch der Nachwuchs keinen anderen Job kriegen.

3. Weil beim Ausflug in den Tierpark, als eine korpulente Kandidatin und ihr schläfrig guckender Freund den Ansturm der gefütterten Ziegen nicht bewältigen können, die Titelmusik von „Dick und Doof“ läuft.

4. Weil die Teilnehmerin, die von ihrem frischverliebten Partner „Mäuschen“ genannt wird, ihren ursprünglichen Namen in der Sendung vollständig abgeben muss.

5. Weil die Kandidaten zu Aktionen überredet werden, die sie sonst nie öffentlich machen würden – zum Beispiel gemeinsame Schaumbäder und Nacktmassagen, zu denen Roland Kaiser mit „Dich zu lieben“ gespielt wird.

6. Weil jeder vermeintlich ernste Satz aus dem Off im Bild ironisch gebrochen wird. Wenn ein Kandidat „indisch kocht“, reißt er bloß eine Tiefkühlpackung auf und kippt sie in den Topf; wenn jemand „liebevoll die Brötchen dekoriert“, kippt er sie ungeschickt in einen Korb; und wenn ein Picknickkorb „mit allerlei Leckereien“ ausgestattet ist, meint das: Sprühsahne. Als ein Teilnehmer mit den Frauen, die er gerade kennengelernt hat, Windebeutel isst und dabei furchtbar kleckert, heißt es: „Mit viel Geschick lassen sich die Gebäckliebhaber die faustgroßen Teilchen schmecken.“

7. Weil die Erniedrigung in der Sendung endlos ist. Kandidaten, die in früheren Staffeln wieder nachhause geschickt wurden, werden ermutigt, sich immer wieder zu bewerben – wenn sie skurril genug sind. Als Teilnehmerin Monika erstmals an der Sendung teilnahm, unterlegte RTL die Szenen, in denen sie sich durch eine enge Tür quetschte, mit künstlichen Quietschgeräuschen. Im Frühjahr tauchte sie im Special „Jetzt sind die Frauen dran“ für besonders schwer vermittelbare Kandidatinnen wieder auf und ließ sich vomn RTL in ihrer Wohnung besuchen. Und in der aktuellen Staffel war zu sehen, wie einer der neuen Teilnehmer einen Brief öffnet, dem ein Foto von Monika beiliegt, woraufhin es aus ihm herausplatzt: „Die kenn ich! Die will ich nicht!“

8. Weil im Hintergrund „Africa“ von Toto angespielt wird, wenn die dunkelhäutige Kandidatin im Bild zu sehen ist, und Vera Int-Veen, wenn dieselbe junge Frau beschenkt wird, aus dem Off sagt: „Das Geschenk hat voll ins Schwarze getroffen.“

Screenshots: RTL

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