Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Die Fernseh-Erklär-Marotte von Roger Schawinski

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Auch wenn sein Abgang als Sat.1-Geschäftsführer schon fünfeinhalb Jahre her ist, kann es Roger Schawinski nicht lassen, sich permanent als Superexperte zum Geschehen im deutschen Fernsehen zu äußern. Das Fernsehblog analysiert, woher das kommt – und prognostiziert exklusiv: Besser wird das Programm davon nicht.

Schawinski, Schawinski, Schawinski, Schawinski: Auch wenn sein Abgang bei Sat.1 schon fünfeinhalb Jahre her ist, kann es der Schweizer nicht lassen, sich permanent als Superexperte zum Geschehen im deutschen Fernsehen zu äußern (gerade wieder auf blog.persoenlich.com). Dieses permanente Geplapper führt zu interessanten Erkenntnissen, wie der (sich selbst am wichtigsten nehmende) Ex-Sat.1-Chef funktioniert – oder eben nicht.

Erstens: Bloß weil man mal die Bilanz eines mittelerfolgreichen deutschen Privatsenders vorübergehend mit einer gut laufenden Telenovela aufgebessert hat, ist man nicht automatisch befugt, dauerhaft Besserwissereien auf die Leute abzufeuern, die sich nicht schnell aus dem Staub gemacht haben, als absehbar war, dass es mit ihrem Sender bergabgehen würde, weil eine Neuentwicklung nach der nächsten floppte.

Zweitens: Über das Scheitern (oder wie Schawinski sagt: „kollektive Versagen“) der Moderatoren Thomas Gottschalk, Harald Schmidt, Johannes B. Kerner und Oliver Pocher nach ihren Senderwechseln zu schreiben, nachdem das bereits alle deutschen Medienseiten erledigt haben, ist ein bisschen lahm.

Drittens: „Ob eine Sendung Erfolg hat oder nicht, ist von viel mehr Faktoren abhängig, als selbst die besten Fachleute meist annehmen“ und „Nur wenn wirklich alle Ingredienzen stimmen, verhindert man einen Totalabsturz und eine schnelle Absetzung“ sind Schawinskis kluge Ratschläge an die Fernsehkollegen in Deutschland. Deshalb läuft auch „Anke Late Night“ acht Jahre nach dem Start immer noch erfolgreich.

Viertens: Harald Schmidt genüsslich reinzuwürgen, dass sein größter Fehler war, sich nach seinem langjährigen Sat.1-Engagement Ende 2003 eine „sogenannte ‚kreative Pause'“ zu nehmen, weil er damit die sogenannte „Kontinuitätsregel“ der (amerikanischen) Late Night verletzt habe, ist nachtragend und kindisch – weil es bekanntlich Schawinski war, zu dessen Amtsantritt Schmidt bei Sat.1 hinschmiss. (Abgesehen davon gibt es wirklich genug anderen Blödsinn, den man Schmidt genüsslich reinwürgen könnte.)

Fünftens: Irgendwelche fadenscheinigen Regeln aus dem Ausland ins deutsche Fernsehen übertragen zu wollen, ist sowieso Quatsch. Sonst hätte Sat.1 mit den Serien-Klons zu Schawinskis Zeiten einen irren Erfolg haben müssen. (Hat er damals ja auch noch geglaubt.)

Sechstens: Markus Lanz, Jörg Pilawa, Kai Pflaume, Matthias Opdenhövel oder Günther Jauch als Moderatoren in einen Topf zu werfen, wäre selbst für Journalisten, die nie fernsehen und trotzdem drüber schreiben, tabu. Das ist nämlich totaler Quatsch.

Wird das Fernsehen durch diese Binsen besser? Ganz bestimmt nicht. Schawinski wird trotzdem nicht damit aufhören. (In Branchenkreisen ist diese Art Zwang untder dem Fachausdruck „Thoma-Effekt“ bekannt.) Wahrscheinlich wünscht er sich eine Talkshow, in der er sich die ganze Zeit über mit sich selbst unterhalten kann. Darauf wird er wohl noch viele Jahre warten, während die ehemaligen „TV-Götter“ einfach irgendwann neue Sendungen moderieren, weil sie eine der wichtigsten Regeln des heutigen Fernsehens verstanden haben: Es reicht nicht, immer nur alles besser zu wissen. 

(Außer natürlich als lizensierter Medienjournalist.)

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21 Lesermeinungen

  1. @Jeeves: Ich würd dieses Blog...
    @Jeeves: Ich würd dieses Blog ja gerne für Sie aus Ihrem Feedreader entfernen, aber Sie müssten mir erst noch Ihr Passwort verraten. Ruhig hier in die Kommentare.

  2. @Gregor und Jeeves
    Müsst Ihr...

    @Gregor und Jeeves
    Müsst Ihr uns unbedingt den Spaß verderben?

  3. @roger schawinski "Wenn ich...
    @roger schawinski „Wenn ich auf die Quote abstelle, die meist im Bereich von 20% liegt, ist meine Sendung auch im Vergleich zu den Talkshows im deutschen Fernsehen nicht ganz erfolglos.“
    20% klingt natürlich viel. Aber man muss es ins Verhältnis setzen. SF 1 hatte 2011 lt Wikipedia einen Marktanteil von 20,6%. Damit liegt der Talk auf Senderschnitt. Das bringen die ARD-Talks von Beckmann abgesehen auch, nur eben auf Senderschnitt des Ersten.

  4. Die Quoten sind nicht meist im...
    Die Quoten sind nicht meist im Bereich von 20 Prozent, lieber Roger. Hier die Marktanteile seit Januar (Quelle: SRF): 12.6, 33.5 (Köppel), 14.6, 15.5, 18.7, 27.0 (Giacobbo), 17.6, 12.1, 13.9, 11.2, 18.3, 16.9, 14.5, 14.5, 15.1, 13.2, 12.1, 19.6, 21.5. Schnitt: 17 Prozent. Köppel und Giacobbo bleiben Ausnahmen. Sonst wäre die Quote im Bereich der 15-Prozent-Marke. So sehen die Fakten aus.

  5. Diesen Beitrag finde ich...
    Diesen Beitrag finde ich völlig ungerechtfertigt; immerhin hat R. Schawinski wahrscheinlich einiges mehr geleistet und für Begeisterung gesorgt in seiner Karriere als Medienunternehmer. Dieser möchte gern „Journalist“ Peer Schader will offenbar noch alles besser wissen als Schawinski selbst. Schader weiss bzw. kennt wahrscheinlich nicht mal genau, wer Schawinski ist, was er schon alles gemacht hat und immer noch tunt. Roger Schwawinski ist ein überzeugter und enthusiastischer Unternehmer, einer der härtesten journalistischen Arbeiter in der Schweiz und investiert viel eigens Geld in sein Privatradio. Es ist mit Abstand eins der besten Premium Radiosender im Lande; mit sehr hohe journalistischen Qualitäten, sowie einem sehr breiten Programmangebot, dass es in der heutigen Radiolandschaft kaum noch gibt. Er schafft somit ca. rund 30 Arbeitsplätze in diesen wirklich nicht ganz einfachen, schwierigen Zeiten die mit grossen wirtschaftlichen Risiken verbunden sind, das Herrn Schawinski auch goutiert werden sollte.

  6. Im Service gibt es eine...
    Im Service gibt es eine Grundregel, die lautet: don´t touch a running system. Wer eingreift in eine akzeptierte Performance, kann nur verlieren.

  7. @ChristianLüscher: danke für...
    @ChristianLüscher: danke für die Recherche. 20%-Durchschnittsquote hätte mich dann doch mehr als überrascht.
    @PeerSchader: So denn Du Schweizerdeutsch überhaupt verstehst, empfehle ich Dir nicht, eine Folge Schawinski zu schauen – lohnt sich definitiv nicht. TV sollte der Unterhaltung dienen; wenn ich mal Schawinski schaue, dann ärgere ich mich nur über das Geschwafel (desalb nenn ich die Sendung auch nur noch Schwafelinski), welches der Thematisierte vom Stapel lässt, und Unterhaltung sollte definitiv nicht nerven, insofern gehe ich davon aus, dass diese Sendung nicht der Unterhaltung dient. Zumal ist das durchaus eine Sendung, in der R.S. mit sich selber spricht: wenn jemand 5x die gleiche „Frage“ stellt (meist sind es bestenfalls rhetorische Fragen, oft einfach auch nur Behauptungen (peinlicherweise kann R.S. meist nicht angeben, welche Quelle er hat, wenn ein Gast mal danach fragt)), die der Gast schon längst beantwortet hat, so, dass jeder normal intelligente Mensch mit der Antwort zufriedengestellt gewesen wäre, dieser jemand aber wie ein Roboter die „Frage“ wiederholt, als hätte es nie eine Antwort gegeben, dann läuft dies zumindest bei mir unter Selbstgespräch. Und mit Journalismus hat dies m.E. definitiv nix mehr zu tun. Da kann mir SF noch lange weismachen wollen, was für ein hartnäckiger und toller Journalist R.S. ist, offensichtlich werden da Hartnäckigkeit mit Ignoranz und Profilneurose verwechselt – ich versteh definitiv nicht, wieso für sowas Sendeplatz und Gebührengelder verschwendet werden.

  8. @Gregor Keuschnig: Recht haben...
    @Gregor Keuschnig: Recht haben Sie, einfach nur zum gähnen.

  9. Naja, immer so eine Sache, da...
    Naja, immer so eine Sache, da Roger Schawinski als Medienunternehmer und erfolgreicher Geschäftsmann nicht im Verdacht steht, noch irgendwie mit der scheußlichen deutschen Medienbranche zu tun zu haben, kann er sich natürlich dementsprechend auch deutlicher äußern, als dies seine Nachfolger Alberti, Bolten, Bartl, die sich ja alle als „freischaffende Medienberater“ durchschlagen müssen, und vermutlich Verträge mit Ihren bisherigen Arbeitsgebern haben.
    Daher wird er wohl von deutschen Journalisten gefragt, und gibt von Zürich aus seine Einschätzung zum besten.
    Ob man von der Schweiz aus einen unverstellten Blick auf den großen Kanton und seine Seilschaften hat, will ich jetzt nicht beurteilen.
    Auffällig finde ich aber, dass Roger Schawinski jetzt, knapp zehn Jahre nachdem sich Harald Schmidt zur Einführung über ihn lustig gemacht hat, noch nachtreten muss, wo er es zuvor immer locker genommen hatte.

  10. Zum vierten Punkt: Zumindest...
    Zum vierten Punkt: Zumindest damit hat Schawinski recht. Die Entscheidung Schmidts, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs bei Sat1 aufzuhören, hat eine bis heute reichende Kette von Strategiefehlern eingeleitet. Er hat damals jahrelang gewachsene Show-Strukturen mit einem Handstreich gekappt, und Late-Night hat schon sehr viel mit Kontinuität zu tun.
    Warum sollte Schawinski das nicht ansprechen dürfen? Zumal die Rolle des Personalwechsels bei Sat1 für Schmidts Entscheidung sowieso überschätzt wird. Hauptgrund war, dass Schmidt seit Sommer 2003 5x pro Woche sendete, und einfach ausgepowert war.

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