Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Venedig

Bravo für die Hunde

Die ersten Preise sind vergeben. Die Jury in der Nebenreihe Un certain regard wählte meinen Lieblingsfilm. So soll es weitergehen!

Ha! Der Hundefilm aus Ungarn hat den Preis der Reihe Un certain regard gewonnen! Wären Sie dabei gewesen, als die Preise vergeben wurden, hätten Sie meine lauten Bravorufe hören können. Ich freue mich so, als hätte ich irgendetwas damit zu tun gehabt, dabei ist der Film noch nicht einmal in meinen Augen perfekt, es gibt ein paar Dinge darin die mir gar nicht gefallen. Aber wie das immer so ist, wenn man etwas feiert – man feiert ein bisschen auch sich selbst. Ich feiere mich in diesem Fall, weil mich ein Film mit Hund, Kind und Trompete so restlos glücklich gemacht hat. Wo ich doch um Filme mit Hunden, Kindern und Trompeten gemeinhin einen großen Bogen mache.

„Fehér Isten / White God“ also von Kornél Mundruczó ist der erste Gewinner dieses Festivals. Dass Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado den Spezialpreis der Jury in derselben Sektion für ihren Film über  Salgados Vater Sebastiao bekamen, ist ebenfalls eine große Freude. Hoffentlich geht es morgen Abend, wenn die großen Palmen vergeben werden, so weiter. Dass heißt mit Preisen für Nuri Bilge Ceylan, die Dardennes, gern auch für Abderrahmane Sissako, Xavier Dolan, Mike Leigh oder meinetwegen auch für Naomi Kawase, damit Jane Campion als bisher einzige Frau mit einer Goldenen Palme endlich Gesellschaft bekommt. Wobei ich doch noch mal daran erinnern möchte, dass Jane Campions Palme von 1993 für „Das Piano“ nur eine halbe war. Die andere Hälfte bekam Chen Kaige für „Lebewohl, meine Konkubine“.

Eine ganze Palme hat ein Jahr später Quentin Tarantino für „Pulp Fiction“ bekommen, also vor zwanzig Jahren, was ein Grund sein mag, dass er in diesem Jahr auch ohne Film wieder hier ist. „Pulp Fiction“ läuft, während ich Ihnen das alles erzähle, gerade am Strand, während Tarantino selbst vor kurzem aus der Galavorstellung von „Sils Maria“ von Olivier Assayas gekommen sein müsste. Jedenfalls habe ich ihn und Uma Thurman und John Travolta früher am Abend gesehen, wie sie auf dem roten Teppich die Stufen zum Festivalpalast herausliefen und Faxen machten, Discodance-Bewegungen und solche Sachen. John Travolta braucht ja nur kurz die Schultern zu heben und ein bisschen in der Körpermitte nachzugeben, und alle um ihn herum nehmen den Groove auf. Uma Thurman war zitronengelb gegen die dunklen Anzüge der Männer, die sie umgaben. Ein toller Auftritt. Und ich wüßte gern, was sie von dem Film hielten, den sie dann sahen. Ich fand ich fürchterlich.