Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Cannes

Hurra

Einer der drei überragenden Filme des Festivals musste der Gewinner werden, und es wurde Bong Joon Ho. Sein „Parasite“ war ein Höhepunkt in den letzten Tagen des Festivals. Bong hat schon einige Filme in Cannes gezeigt, und sein Drama mit komischen Momenten über die Infiltrierung eines superreichen Haushalts durch eine superarme, aber auch superclevere Familie ist ein hochverdienter Gewinner dieses Festivals.

In Cannes geht es anders zu als bei den Oscars. Jeder Film darf nur einen Preis gewinnen, und so war mit der Palme für das beste Drehbuch für Céline Sciammas großartigen „Portrait de la jeune fille en feu“ klar, dass die Goldene Palme und auch der Große Preis des Festivals – eine Art zweiter Preis – nicht an die Französin für ihren ungewöhnlichen Kostümfilm gehen würde. Dasselbe galt für Pédro Almodovars „Dolor y Gloria“, als Antonio Banderas als überragender Schauspieler des Festivals den Darstellerpreis entgegen nahm, ihn Almodovar widmete und meinte: „Das Beste kommt noch.“ Das ist ein großes Versprechen. Auch Mati Diop, die mit „Atlantique“ einen meiner Lieblingsfilme in diesem Jahr gedreht hat, in dem sie die Flüchtlingsfrage einmal von der anderen Seite zeigt – von Dakar aus gesehen -, war unter den Gewinnern. Der Große Preis des Festivals wird hoffentlich für Rückenwind bei der Kinoauswertung auch jenseits von Frankreich sorgen. Ihr wunderbar poetischer Film, in dem sich verschiedene Erzähl- und Glaubenstraditionen kreuzen, sei jedem empfohlen, der meint, er müsse für Verständnis der Sorgen von wohlversorgten Menschen in Europa werben.

Es gab allerdings zwei Überraschungen, zu denen ich nun sagen kann: Ehrlich? Der Regiepreis für die Brüder Dardenne für „Le jeune Ahmed“. Die beiden haben schon zwei Goldene Palmen unter dem Gürtel und noch einige andere Preise. In diesem Jahr kamen sie wieder mit einem in seiner Machart typischen Dardenne-Film über einen muslimischen Jungen, der sich auf den Jihad vorbereitet, indoktriniert von einem Iman, und seine Lehrerin töten will. Das abrupte Ende des Films zeigt, dass das Drehbuch eine überkomplexe Situation in einer unterkomplexen Erzählung nicht bändigen konnte. Es war einer der schwächsten Dardenne-Filme seit Jahren, umso erstaunlicher, dass er hier die Regie-Palme gewann.

Dasselbe gilt für Emily Beecham in Jessica Hausners „Little Joe“. Mir hat der Film überhaupt nicht gefallen, und Emily Beecham in ihrer zombiehaften Darstellung einer Botanikerin auch nicht. Aber so geht`s. Insgesamt ein schönes Ergebnis am Ende dieses herrlichen Festivals.