Food Affair

Macht Ihr Partner Sie dick?

###Auf dem Weg zur nächsten Kleidergröße?                                                                                   Foto dpa

Nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern auch Hass. Das ist bitter, aber nicht zu leugnen. Der Niedergang beginne immer mit den kleinen Dingen, heißt es vielsagend in dem bösen Film „Rosenkrieg“, in dem Kathleen Turner und Michael Douglas ein sich bis aufs Blut bekriegendes Ehepaar spielen. Liegt jedem Anfang ein Zauber inne, gleicht das Ende bisweilen einem Schlachtfeld.

Zu diesen kleinen Dingen, die einen plötzlich am anderen stören, gehört oft die Art, wie der einst Geliebte isst, wie er die Gabel hält, hörbar kaut und dabei den Kopf schief legt. Oder wie er einen Hähnchenknochen abnagt! Und einen Apfel schält! Was man in der Kennenlernphase irgendwie rührend oder gar interessant fand, stößt einen plötzlich ab. Sind die Masken erst einmal gefallen, werden schwere Geschütze aufgefahren und der Verachtung folgen auch mal handfeste Taten. Bei Kathleen Turner und Michael Douglas passiert folgendes: Eines Abends, die Hausherrin hat Gäste, die freudig um den Tisch sitzen und auf den Hauptgang warten, geht Michael Douglas in die Küche, öffnet seine Hose und pinkelt in aller Seelenruhe auf den Fisch.

Das geht natürlich eindeutig zu weit, zeigt aber, wie emotional Essen besetzt ist. Denken Sie nur einmal an frischverliebte Paare. Großzügig wird da im Restaurant Serviertes geteilt, der andere darf ganz selbstverständlich probieren, vom Steak, den Rösti, den Garnelen, der Weinschaumcreme. Meins ist deins und umgekehrt. Isst der Partner gerne Fleisch, mag man es plötzlich auch, hat er eine Vorliebe für Innereien, ist man sogar bereit, seinen Ekel gegenüber Niere und Leber abzulegen. Gemeinsames Essen verbindet – so sehr, dass Frauen, die mit ihrem Partner zusammenziehen, dazu neigen, fortan auf Disziplin zu pfeifen. Als sei die Sache geritzt, die Liebe zueinander sicher und love handles der natürliche Lauf der Dinge. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Newcastle, die das Essverhalten von Paaren untersucht hat. Wie sich das Zusammenziehen auf die Männer auswirkt? Offenbar positiv. Sie profitieren nämlich vom Einfluss ihrer Partnerin, essen mehr Gemüse und Obst und seltener Fertigpizza vor dem Fernseher – das typische Bild, dass man vom männlichen Single im Kopf hat. Gewichtstechnisch sind Männer damit eindeutig im Vorteil, was erhebliches Konfliktpotential birgt. „Am Tisch“, so der  französische Soziologe und Bestsellerautor Jean Claude Kaufmann, „formiert sich eine Beziehung, und dort zeigt sich auch ihr aktueller Stand. Das Essen ist wie ein Barometer, das anzeigt, wie gut es bei einem Paar läuft.“ Krisele es zwischen den Partnern, könne sich die Lage beim Essen zuspitzen: „Man ist sich hier sehr nahe, im guten wie im schlechten Sinn. Sich gemeinsam an den Tisch zu setzen, ist eine erzwungene Annäherung. Deswegen wird auch Streit sehr oft beim Essen ausgetragen.“ Wenn der eine sein Frühstücksei aus Angst, der andere könnte davon essen, während er selbst in der Küche frischen Kaffee holt, einfach mitnimmt, wars das mit der Liebe. Auf den Versuch, ein eskalierendes Essen zu entschärfen, indem man den Fernseher einschaltet, kann man übrigens getrost verzichten: er wird missglücken. Die Kälte des Schweigens steht der Härte des verbalen Ausrastens in nichts nach.

Früher oder später gilt: in vielen Liebesbeziehungen wird die Nahrungsaufnahme samt ihrer Organisation (Einkaufen, kochen und so weiter) zum verminten Terrain. Dann also doch love handles. Aber für beide.

 

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