Formfrei

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An dieser Stelle bloggt Publizist und FAZ-Autor Thomas Strobl über die großen und kleinen Dinge des Lebens. Mal kurz und knapp. Mal mit vielen

Modern Talking

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Der Bundespräsident warnt. Die Bundeskanzlerin mahnt. Der SPD-Vorsitzende kritisiert. Der Vertreter des Bankenverbandes beschwichtigt. Der Vorstandsvorsitzende der Großbank in teilweisem Staatsbesitz entgegnet. Die Krise droht. Die nächste Krise. Alle sind kritisch. Alle sind besorgt. Alle richten den Blick nach vorne. Alle wollen das Beste. Ein Kurswechsel ist nötig.

Der Bundespräsident warnt. Die Bundeskanzlerin mahnt. Der SPD-Vorsitzende kritisiert. Der Vertreter des Bankenverbandes beschwichtigt. Der Vorstandsvorsitzende der Großbank, halb in Staatsbesitz, entgegnet. Die Krise droht. Die nächste Krise. Alle sind kritisch. Alle sind besorgt. Alle richten den Blick nach vorne. Alle wollen das Beste. Ein Kurswechsel ist nötig. Ein grundlegender Kurswechsel. Ist nötig.

Auf dem gestrigen Bankentag im Konzerthaus zu Berlin übten sich die Spitzen des Landes mal wieder im Produzieren von Sprechblasen. Gaben eine Sondervorstellung des beliebten Stücks „Wir sind ja alle so verdammt kritisch“. Um sich hernach bei Häppchen und Schlückchen zu vergnügen. „Und wie geht’s der charmanten Frau Gemahlin?“ Oh, danke der Nachfrage. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. So sagt man. „What a show!“ Der Parteiboss klopft dem Bankenboss auf die Schultern. Und alle lachen. Und alle sind gut drauf. Man hat schließlich eine gemeinsame Verantwortung. Für die Gesellschaft. Oder so. Böse Wahlsonntage sind für einen Augenblick vergessen. Fukushima liegt irgendwo. Ganz weit weg. Und den Banken geht’s ja eh schon wieder gut. 7100 Punkte im DAX können nicht lügen. Alle ganz cool bleiben. Biep, biep, wir plaudern zwanglos über dies und das. Du da drüben und wir hier herüben, klare Rollenverteilung, wir sind die Guten, ihr die Bösen. Solange die Presse mit dabei ist. Danach… hey: Das wisst ihr ja eh. Altes Spiel. 1000 Mal gespielt, 1000 Mal is nix passiert. Bestens einstudiert. Die Übung, die macht den Meister. Ja, die nächste Geburtstagsfeier bei mir im Amt richte ich für dich aus. Durch’s Reden kommen schließlich die Leut‘ zusammen. Laber-Rharbarber. 

Und alle denken nach. Ganz fest. Ganz scharf. Über neue Regeln. Wie man sie einführt. Wie man sie umgeht. Ein „Katz-und-Maus“-Spiel, so die Kanzlerin. Wer ist die Katze? Wer die Maus? Die Katze ist faul geworden. Ihre Krallen sind nicht mehr scharf. Die Katze hat vergessen, dass sie die Katze ist. Manchmal wäre sie lieber die Maus. Die Maus hat’s gut. Wenn die Katze aus dem Haus ist. Die Katze ist jetzt praktisch nie im Haus. Physisch ja, physisch ist sie da. Aber geistig nicht. Da ist sie weit weg. Mäusekirtag permanent. 24 Stunden am Tag. 360 Tage im Jahr. „Klau nicht den ganzen Käse!“ mauzt die Katze zur Maus. Halb im Gähnen. „Das tut man nicht!“ Die Maus lacht: „Catch me if you can!“ Aber die Katze kann nicht. Die Katze will nicht. Viel zu stressig. „Ein grundlegender Kurswechsel ist nötig!“, ruft sie der Maus zu. Jaja, lacht die Maus. Und schnappt sich noch ein Stück vom Käse. Die Katze bleibt liegen. „Ich fordere dich auf, keine falschen Schlussfolgerungen aus meinem Verhalten zu ziehen“, ermahnt sie die Maus. „Mache ich auf gar keinen Fall“. Da ist die Katze beruhigt. Und schläft weiter. Den Schlaf der Gerechten. Den wohlverdienten Schlaf nach anstrengendem Tagwerk. Der Maus hat sie es jetzt wieder so richtig gegeben.


19 Lesermeinungen

  1. Bonn protestiert aufs...
    Bonn protestiert aufs Schärfste.

  2. Selbst dazu sind sie nicht...
    Selbst dazu sind sie nicht mehr im Stande

  3. Gefällt mir! (wo ist der...
    Gefällt mir! (wo ist der Button ?!)

  4. "Sie bitte darum, „dieses...
    „Sie bitte darum, „dieses Katze-und-Maus-Spiel nicht zu übertreiben“, sagte die Kanzlerin.“
    Die uckermärkische Bäuerin macht im Schlamm den Bückling vor dem Gutsherrn.

  5. Die Katze hält einfach zu...
    Die Katze hält einfach zu viele Aktien von Käse-, Mauseduschgel- und Mäusebekleidungsherstellern. Das macht träge. „Don’t bite the mice that feed you“.

  6. Das waren noch...
    Das waren noch Zeiten:
    „Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glück lich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.
    Der Autor der kleinen Fabel ist bekannt genug.

  7. Thomas Strobl@:
    Katzileins /...

    Thomas Strobl@:
    Katzileins / Mausileins Käseverschnitt (Polit.Science.Fiction.com):
    Schamvoll sind wir auf´s Äussersssste bestürrrzt! Unserrre Gedanken sind bei Ihnen!
    Wir sind ausserstande die Trrrauer nachzuvollziehen. Unere neuesten Technologien werden…Alle Hoffnungen richten sich auf die….EU, UN, IAEO, URGENTSUS, NATO, BANCACAPUTTI, EFSA, DED, OECD, USAF, e-TRIAGE, INFOLINE, COMSUPREM, CROSSMAT, LIGAFOR, ASIAN, CANNVIEL, TUVIEL, VIEWFOR, TRAGNIX, CENTAPENG,…aus die Maus? Du bist raus!
    ..
    Jordanus@: Stimmt nicht! Börlin protestiert heftigst mit gespaltener Zunge!

  8. "Bewusstsein ist für das...
    „Bewusstsein ist für das Gehirn ein Zustand, der tunlichst zu vermeiden und nur im Notfall einzusetzen ist.“ (Gerhard Roth, „Fühlen, Denken, Handel. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert“, Frankfurt, 2001, S. 231) Demnach ist „Modern Talking“ und Sprechblasen Absondern das Normale. Solange die Hauskatze auf weichem Polster dösen kann, ist für sie die Welt in Ordnung. Jagdinstinkt bei Katzen war früher und ging auch nicht gut aus.

  9. ich bin so stoned dass ich das...
    ich bin so stoned dass ich das zum glück momentan eh nimmer kapiere. ÔÔ

  10. Es ist halt problematisch,...
    Es ist halt problematisch, wenn man stets überall mitreden aber nicht mithandeln möchte. Früher oder später wird man einfach nicht mehr für voll genommen.

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