Haymat

Ministerpräsident Erdogan verurteilt Internetpetition

 Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat die von türkischen Intellektuellen initiierte Internetpetition „Wir bitten um Verzeihung“, heute Nachmittag verurteilt: „Weder akzeptiere noch unterstütze ich diese Initiative. Wir haben kein Verbrechen begangen und müssen deshalb auch nicht um Verzeihung bitten“, sagte er und fügte hinzu, dass die Ereignisse noch immer von Historikern diskutiert werden würden.

Auch wenn man darüber streiten kann, ob die Massaker von 1915 ein Völkermord waren oder nicht, steht außer Frage, dass es Massaker an den Armeniern gegeben hat. Warum soll man nicht für dieses Leid um Verzeihung bitten dürfen als mündiger Bürger?  

Inzwischen haben auch Kommentatoren türkischer Zeitungen auf die Internetpetition reagiert. Sehr positiv und reflektiert äußert sich etwa Yavuz Baydar von der Zeitung „Today‘s Zaman“: „Das Eis schmilzt, aber langsam“, schreibt er. Die breite Aufmerksamkeit, die der Petition in der internationalen Presse gezollt wird, findet Baydar ermutigend. Wenn sich die Anzahl der Unterzeichner weiterhin erhöhe, dann könne aus der Initiative eine soziale Bewegung werden. Fraglich sei jedoch, ob die Petition gut oder schlecht für die Annäherung zwischen Türken und Armeniern sei. Doch selbst wenn sich diesbezüglich nichts weiter bewege, sei die Petition als ein starker Ausdruck des türkischen Gewissens zu werten. „Ihr Resultat ist ein Tabubruch, das vom türkischen Staat kontrollierte, roboterhafte Gerede‘ ( Leugnung, anderen die Schuld geben, Vermeidung) wird entkräftet.“

Andere Töne schlägt sein Kollege Bülent Kenes, ebenfalls „Today‘s Zaman“ an. Obwohl die Unterzeichner der Petition das ja in keiner Weise negieren, betont er, dass nicht nur die Armenier, sondern auch die Türken gelitten hätten. „Heute aber haben Menschen um Verzeihung gebeten, als ob nur eine Seite gelitten hätte. Sich zu entschuldigen, zeugt von Weisheit. Doch kann eine irrelevante Entschuldigung nicht auch in einem Gefühl von Unterlegenheit wurzeln? Wenn diese Leute sich unbedingt für etwas entschuldigen wollen, dann sollten sie das für ihre offensichtliche Unwissenheit in Sachen Geschichte tun.“

Sehr abfällig äußert sich der Kolumnist Ertugrul Ozkok in der Zeitung „Hürriyet“. Für ihn ist die Petition ein „Witz“ und die „romantischste Initiative“ in der Geschichte der Türkei. Wirklich begründen, warum er das alles so lustig findet, kann Ozkok aber nicht.

 

Die mobile Version verlassen