Haymat

Die Moscheebaumeisterin

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Bisher war Zeynep Fadillioglu eher eine Frau für weltliche Angelegenheiten. Mit der Gestaltung von Istanbuler Restaurants und dem Luxushotel „Les Ottomans“ am Bosporusufer machte sich die türkische Innenarchitektin international einen Namen, ebenso mit dem Umbau einer Villa im Berliner Grunewald. Als der türkische Staatspräsident Abdullah Gül seine Residenz in Ankara bezog, in der einst Atatürk wohnte, beriet Fadillioglu das Präsidentenpaar bei der Wahl der neuen Möbel. Und nun baut die Designerin als erste Frau in der Türkei eine Moschee. „Mohammeds Frau hat auch Soldaten geführt“, pflegt sie zu sagen, wenn man sie auf ihre Pionierrolle in einem traditionell den Männern vorbehaltenen Metier anspricht.

Fadillioglu will nicht provozieren, sie ist um Verständigung bemüht. Die Sakirin-Moschee, die sie im konservativen Stadtteil Üsküdar im Auftrag einer reichen Istanbuler Familie baut, vereint die Ästhetik des Osmanischen Reiches mit der Moderne: Statt von einer wird der Hauptraum von zwei Kuppeln überragt, jede ist gesäumt von einem Minarett. Die Fassaden des Gebäudes, dessen Grundentwurf von dem türkischen Architekten Hüsrev Tayla stammt, sind mit einem Netz aus Metall überspannt, als Material für die Seitenbögen wählte Fadillioglu mattgrünes Glas. Die Wasserbecken, an denen die Gläubigen vor dem Gebet ihre rituelle Waschung vollziehen, hat sie unter die Erde verlegt, damit der Bau besser wirken kann. Dreihundertundvierzig Betenden soll die Moschee Platz bieten, Fadillioglus besonderes Augenmerk gilt dabei den Frauen: „Ich möchte, dass Frauen sich in meiner Moschee genauso wohl fühlen wie Männer und dass es dort mehr Gleichberechtigung als in anderen Gotteshäusern gibt“, sagte sie in einem Interview. Während in der Türkei die Frauen viele Gebetshäuser durch einen Hintereingang betreten müssen, ist das Tor von Fadillioglus Moschee für beide Geschlechter geöffnet. Einen abgetrennten Gebetsraum für Frauen gibt es nicht, sondern eine ihnen vorbehaltene große Empore. Anders als üblich, dekorierte die Designerin diese genauso sorgfältig wie den Hauptraum der Moschee: Die Leuchter und Wände sind mit Kalligraphen und Ornamenten verziert. Den Minbar, die Kanzel, von der aus der Geistliche zu den Betenden spricht, tauchte sie in knalliges Türkis und Goldbraun. Um keine religiösen Gefühle zu verletzen, legte sie das Konzept sicherheitshalber verschiedenen Imamen vor – beanstandet wurde nichts.

Kritik gab es nur von säkularer Seite. Warum sie ausgerechnet eine Moschee gestalte, wurde sie gefragt. Eine Schule sei doch für eine moderne Frau viel angemessener. Die Sakirin-Moschee wird im April eröffnet.

Foto: zfdesign

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