IAA Hautnah

Porsche und Ferrari in der Hölle, BMW hat sich Ärger eingekauft

Das nennt man dann wohl freudige Überraschung: 850.000 Fans des Automobils sind in den vergangenen eineinhalb Wochen auf die IAA gekommen. Das ist, misst man den veranstaltenden Verband VDA an seiner eigenen Prognose, ziemlich viel. Der VDA wäre angesichts der desolaten Wirtschaftslage schon mit 750.000 Besuchern zufrieden gewesen. An das Rekordjahr 2007, als es mehr als 900.000 waren, konnte man nicht rankommen, das war klar. Die Hersteller haben nicht mehr so viele Karten gekauft und an Kunden verschenkt, die Händler sind zurückhaltender gewesen. Aber das allgemeine Publikum ist offenbar noch immer vom Auto fasziniert. Nur 5 Prozent weniger „normale Besucher“ hat der VDA ausgemacht.

Die Hallen 5 und 6, dort wo Ferrari und Porsche stehen, haben wir intern in Hölle 5 und 6 umgetauft. An den Samstagen jedenfalls ging hier nichts mehr, so dicht gedrängt standen die Menschen. Auch während der Publikumstage unter der Woche war ein Blick auf die Autos nur schwer möglich. Freunde des Messebaus: Da wäre Entlastung für 2011 angesagt.

Bei herrlich sonnigem Wetter verabschiedet Frankfurt die Branche in einen Herbst, der grau werden wird. Noch werden die Auftragsbestände aus der teuer erkauften Abwrackprämie abgearbeitet, dann beginnt der Katzenjammer. Ein zweistelliges Minus sagen die Hersteller für 2010 voraus, was das für die – bis zur heutigen Bundestagswahl ganz offenbar geschonten – Arbeitsplätze bedeutet, wollen wir uns gar nicht ausmalen.

Und sonst: BMW hat einen neuen Arbeitsplatz geschaffen, und damit für mächtig Aufregung gesorgt. Ausgerechnet den Obergrünen Joschka Fischer haben sich die Bayern an Bord geholt, als Berater für angeblich 350.000 Euro im Jahr. Jetzt ist die Kundschaft, oder jedenfalls Teile davon, in heller Aufregung. Grüner Anstrich für die Firma und ihre Autos, schön und gut, aber ausgerechnet Fischer mit seiner Vergangenheit? Imageschädlich sei die Verpflichtung, manche in der Branche wollen gar von Fahrzeug-Abbestellungen wissen. In München jedenfalls soll es schon die eine oder andere hitzige Debatte gegeben haben. Die Mannen von Mercedes werden das mit einem verschmitzten Lächeln zur Kenntnis nehmen, so steht Daimler-Chef Zetsche nicht mehr allein in der Schusslinie der Branche. Wie man in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (27. September) lesen kann, ist ja in Stuttgart weiterhin ziemlich Feuer unterm Dach. Also: Keine Sorge, die Autoindustrie bleibt spannend. 

Und: Nach der IAA ist vor der IAA: Die 64. IAA PKW wird vom 15. bis 25. September 2011 wieder in Frankfurt stattfinden. Bis dahin: Allzeit gute Fahrt. Bleiben Sie uns gewogen.   

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