KlimaBlog

Chinas Treibhausgase schießen in den Himmel

 

 Statt der bisher von fast allen Auguren erwarteten zweieinhalb bis fünf Prozent Emissionszunahme jährlich, wie sie etwa der Weltklimarat IPCC für ganz Asien kalkuliert hat, sollen es in China mindestens elf Prozent sein. Grundlage der Untersuchung sind jüngere Daten über Abgasmengen, die für das chinesische Umweltministerium in den dreißig Provinzen, autonomen Städten und Sonderverwaltungsgebieten gesammelt worden waren. Die meisten älteren Untersuchungen, von denen die sechs wichtigste zum Vergleich herangezogen wurden, hatten den Nachteil, dass veraltete – zehn Jahre oder ältere – Daten zum Verbrauch von Energieträgern verwendet wurden. Die kalifornische Studie kann demgegenüber auf recht neue Statistiken zurückgreifen. Sie hat allerdings auch durchaus ihre Grenzen: Denn die Abgasmengen, die die Provinzen meldeten, sind nur ein indirektes Maß (ein Proxy) für die Kohlendioxidfreisetzungen.

 

Im Jahr 2000 kam der Einbruch

 

Außerdem können auch die kalifornischen Forscher natürlich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Energiepolitik Chinas, das Wirtschaftswachstum und die Nutzung von Energieeffizienztechnologien künftig ändern. Für ihre Prognosen haben sie deshalb auch nicht wie andere vor ihnen längere Zeithorizonte modelliert, sondern nur die kommenden, leichter überschaubaren Jahre.

Den ermittelten Emissionsdaten zufolge sah es bis zum Jahr 2000 noch so aus, als könne China Wirtschaftswachstum und Emissionen entkoppeln. Die Pro-Kopf-Emissionen waren bis dahin leicht gesunken. Dann aber kam es zum Einbruch. Seit 2000 liegt der Bau von Kraftwerken in der Verantwortung der Provinzregierungen.  In den großen Küstenstädten werden seither moderne und effiziente Technologien eingesetzt. Doch in vielen Provinzen wurden alte – die Forscher sprechen von fünfzig Jahre alter „Sowjet-Technik“ – Kraftwerkstypen errichtet. Xinjiang, Hainan, die innere Mongolei, Guangxi, Quinghai, Zhejiang – viele dieser küstenfernen Provinzen sind größer als die meisten europäischen Staaten und der Energiehunger in den rasant wachsenden Metropolen hat rapide zugenommen. Das Wirtschaftswachstum steht bei den Provinzregierungen mehr denn je an oberster Stelle, doch der Energieverbrauch ist nach Überzeugung der kalifornischen Forscher zunehmend schneller gewachsen als das Einkommen. Auffhammer und Carson sind, was die Zukunft angeht, eher noch pessimistischer als ihre niederschmetternden Zahlen andeuten. „Das Problem ist, dass die meisten dieser Kraftwerke, einmal gebaut, 40 bis 75 Jahre in betrieb bleiben“. Und der Krafterksbau ist noch längst nicht abgeschlossen in China.

 

Was folgt daraus für die Klimapolitik? 

 

Was das für die Klimapolitik bedeutet, lässt  sich leicht ausrechnen: Mehr denn je muss darauf gedrängt werden, dass China (in Indien dürfte die Situation nicht viel anders sein) bei den anstehenden Post-Kyoto-Verhandlungen mit ins Boot geholt wird. Ob man damit die hier neu skizzierten Emissionspfade  verlassen wird, ist fraglich. Das hat schon das Kyoto-Protokoll nicht durchgesetzt. Aber wie eigentlich will man andere große Emissionsländer wie die Vereinigten Staaten vom Mitmachen überzeugen, wenn die Emissionsstatistik durch vermeintlich „unbeteiligte“ Dritte wie China, Indien oder Brasilien großdimensional auf den Kopf gestellt wird. Oder will man wieder wie in Kyoto um die Stellen hinterm Komma streiten und die großen Brocken aus der Klammer nehmen?

Die mobile Version verlassen