Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Bundespräsident macht Mut: Verlage wollen Digitalgeschäft an sich reißen

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Bundespräsident Gauck glaubt an Zeitungen, aber ermahnt sie auch. Das Digital-Abo der „New York Times“ funktioniert immer mehr. Und auch viele Regionalzeitungsverlage denken digital.

Als Peter Würtenberger von der Axel Springer AG auf die Bühne tritt, will er von seinen Erfahrungen aus dem amerikanischen Silicon Valley berichten. Doch er muss feststellen, dass viele Regionalzeitungsverlage schon das umsetzen, was er dort gelernt hat. Der Anzeigenleiter des Berliner Medienunternehmens von „Bild“ und „Welt“ war mit anderen Mitarbeitern für ein Jahr dorthin geschickt worden, um das digitale Geschäft um die Ecke der Internetkonzerne Apple, Google und Facebook aufzusaugen. Seine Erkenntnis: Medien müssen mehr Technologie wagen, eine Kultur des Scheiterns und der Fehler als Basis für Erfolge betrachten und vor allem junge Mitarbeiter einbinden.

Vor ihm hatten auf dem Zeitungskongress des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger BDZV in Dresden gerade mehrere Regionalzeitungsmanager miteinander diskutiert und dabei diese Punkte für ihre digitale Transformation hervorgehoben. „Wir haben 2010 die Entscheidung getroffen, dass wir den ganzen Transformationsprozess erfolgreich bestehen – und das tun wir jetzt“, sagte Laurence Mehl, Geschäftsführer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ziel sei es, bis 2016 ein nachhaltiges Geschäftsmodell für digitale lokale Berichterstattung zu entwickeln, ohne das Kerngeschäft zu schwächen. Dabei liege das Unternehmen im Plan und erreiche einen Rekordumsatz.

„Wir ermuntern unsere Mitarbeiter zum Scheitern“, sagte wiederum Martin Wunnike, Verlagsleiter der „Mittelbayerischen Zeitung“. Ohne Risikobereitschaft seien keine neuen Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das sei ja wie Eulen nach Athen tragen, meinte danach Springer-Mann Würtenberger und berichtete dann doch vom Amerika-Ausflug.

„Ich kann auch nicht sagen, dass wir alle Antworten hätten“

Der Weg der Zeitungen führt ins Digitalgeschäft. Das ist für Verlagsvertreter wie Mehl aus Osnabrück klar: Er zeigte mit der Hand leicht nach unten, um den Pfad der gedruckten Auflagen in den kommenden zehn Jahren zu zeigen. Dagegen wächst das Digitalgeschäft immer mehr – um das zu zeigen, bewegt er die Hand auf der Bühne schräg nach oben.

Wie gut das Geschäft im Internet funktionieren kann, berichtete Yasmin Namini von der „New York Times“. Deren Zeitung hat digital vor zwei Jahren ein Bezahlmodell für Online-Inhalte entwickelt und hat etwa 700 000 zahlende Digitalabonnenten. „Eine ansteigende Zahl von Menschen sind bereit, für digitale Inhalte zu bezahlen.“ Der Wandel für die Medienbranche sei jetzt so stark wie zuvor nur die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und werde lange Zeit andauern. „Ich kann auch nicht sagen, dass wir alle Antworten hätten.“

Die Abonnenten der gedruckten „New York Times“ erhalten auch alle digitalen Angebote kostenfrei. Für jeden sind online zehn Artikel frei, danach muss gezahlt werden. Am Anfang waren es noch 20 kostenlose Artikel, aber das hat sich ein Jahr nach Einführung geändert. Die Menschen nutzen jetzt die Zeitungsinhalte verteilt über den ganzen Tag: Morgens die gedruckte Ausgabe und weiter per Smartphone, tagsüber vom Computer aus und abends dann mittels Tablet-Computer.

Der Bundespräsident und die Jugend

Die Vertriebserlöse der Zeitung haben im vergangenen Jahr die Anzeigenerlöse überholt. Demnächst wird zudem aus der „International Herald Tribune“ die „International New York Times“; mit einer einheitlichen Marke erwartet Namini, dass mehr Leser aus dem Ausland zahlen. Bisher komme ein Zehntel der Digitalabonnenten nicht aus den Vereinigten Staaten.

Bundespräsident Joachim Gauck machte den 400 Verlagsvertretern am Dienstag ebenfalls Mut. „Es lohnt sich, den Spielraum für Qualitätsjournalismus immer neu auszuloten“, sagte er. „Mit 140 Zeichen kann man keine Grundsatzdebatte führen, aber auf Orte der Debatte verweisen.“ Die Zeitung habe eine Zukunft.

Gauck mahnte auch zu einer ordentlichen Bezahlung von Journalisten und zum Blick auf junge Themen. „Immer mehr junge Menschen haben das Gefühl, dass Zeitungen eine andere Lebenswelt beschreiben.“ Das hatte ein Regionalzeitungsmanager am Vortag noch etwas anders ausgedrückt: „Mit alten Leuten kann man keine Zeitung für junge Menschen machen.“

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2 Lesermeinungen

  1. Dass Problem ist...
    ..das ja gar nicht alte Leute Zeitung machen sondern Junge, und je mehr Ramsch sie vertreiben, desto weniger wird gekauft. Wir setzen auf Inhalte. Und alles andere, den Ramsch kriegen sie doch über das Fernsehen leichter. Je mehr sie auf Junge gesetzt haben, desto mehr ist ihr Markt eingebrochen. Für die Papierverarbeitung waren viel Bücher gut. Tragen sie das Risiko, aber erwarten sie für flächendeckendes Versagen keine Subventionen. Mit jungen Leuten, die sich nie für alte Leute interessiert haben, kann man keine Zeitung machen. Sie werden noch Freude haben, die digitalen. Sie werden selbst zu Computern.

  2. Gauck
    Wenn Gauck das sagt muss es auch stimmen, denn seine Fachkenntnis ist universal

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