Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Zeitungsmanager Christian Nienhaus wird Funke verlassen

Christian Nienhaus wird die Funke-Mediengruppe verlassen. Nur wann das geschieht, darüber verhandelt er noch mit den Gesellschaftern.

Am Neujahresempfang vom „Hamburger Abendblatt“ an diesem Montag war Christian Nienhaus schon nicht mehr da. Er wird die Funke-Mediengruppe verlassen, die sich gerade mit dem Kauf des Abendblatts und anderen Titeln von Axel Springer zum großen Verlag in Deutschland aufpumpt. Nur wann sein Abschied aus der Geschäftsführung geschehen wird, ist noch nicht klar. Über die Modalitäten des Abgangs verhandeln die Gesellschafter noch mit ihrem obersten Zeitungsmanager. Dabei wird es vor allem um Geld gehen – schließlich läuft sein Vertrag noch eineinhalb Jahre. Die Gesellschafter teilten am Donnerstag mit, dass Nienhaus sich „anderen beruflichen Herausforderungen widmen“ möchte und sie dies bedauern. Sie führten Gespräche, ob und wann eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses sinnvoll und möglich ist.

Die Funke-Mediengruppe hat ihr Stammgebiet in Nordrhein-Westfalen mit mehreren Tageszeitungen wie „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und plant gerade eine gewaltige Erweiterung ihres Geschäfts. Für 920 Millionen Euro will sie Zeitungen und Zeitschriften von Axel Springer kaufen, darunter sind eben „Hamburger Abendblatt“, aber auch „Berliner Morgenpost“ und „Hörzu“. Das Geschäft hängt indes noch an der Zustimmung des Bundeskartellamtes, das als ungewiss gilt.

© UnternehmenNoch die Geschäftsführung: Christian Nienhaus (links) mit Thomas Ziegler und Manfred Braun

Die Verhandlungen über den großen Medienerwerb hat Nienhaus mit den beiden anderen Geschäftsführern Manfred Braun und Thomas Ziegler geführt. Einerseits danken ihm die Gesellschaft nun dafür: „Ohne seine Erfahrung, sein Know-how und sein Engagement wäre der Deal nicht zustande gekommen“, teilen sie mit. Andererseits geben sie zu verstehen, dass sein Abgang keine Auswirkungen auf das Geschäft haben wird. Jetzt würden sich eben Braun und Ziegler darum kümmern und von der zweiten Führungsebene für die Zeitungen, deren Geschäfte Nienhaus verantwortet hat, unterstützt.

Seit Juli 2008 ist Nienhaus, ein Mann der klaren Worte, Geschäftsführer in Essen. Als das Unternehmen noch WAZ-Mediengruppe hieß, stand er an der Spitze mit Bodo Hombach. Zu der Zeit war das Regionalzeitungshaus noch im Gesellschafterkreis gespalten: Die eine Hälfte hatten die Erben des Gründers Erich Brost, die andere Hälfte war in der Hand der Nachfahren des zweiten Gründers Jakob Funke. Beide Seiten beharkten sich oft genug untereinander wie auch die jeweiligen Familienstämme – bis hin zu Gerichtsauseinandersetzungen. Das wurde durch den Kauf von Petra Grotkamp, einer Funke-Tochter, unterbunden: Bislang besaß sie ein Drittel der Funke-Hälfte, übernahm Anfang 2012 aber für 500 Millionen Euro die Hälfte von den Brost-Erben. Damit wurde sie zur prägenden Figur im Gesellschafterkreis. Ein Sechstel des Unternehmens besitzen jeweils Renate Schubries und Stephan Holthoff-Pförtner, die wichtigen Entscheidungen auch zustimmen müssen.

Hombach schied nach dem Kauf durch Petra Grotkamp aus dem Unternehmen aus. Dafür rückte Manfred Braun an die Spitze, er war zuvor Zeitschriftenchef und Verlagsgeschäftsführer für Nordrhein-Westfalen. Ein halbes Jahr später – von August 2012 an – kam Thomas Ziegler in die Geschäftsführung hinzu, er leitete zuvor die Immobilientochtergesellschaft der Metro. Ziegler erhielt gleich die neue Position des Finanzchefs (Chief Financial Officers). Braun verantwortete hauptsächlich die Zeitschriften („TV direkt“, „Gong“) und Nienhaus die Zeitungen („Thüringer Allgemeine“, „Braunschweiger Zeitung“). Irgendwann muss es in diesem Konstrukt geknirscht haben, so dass Christian Nienhaus das Führungstrio verlassen wird.

Zeitungsmann: Christian Nienhaus

In der deutschen Verlagsbranche ist Nienhaus gut vernetzt. Viele Häuser kennt er auch von innen. Zunächst arbeitete er für Gruner + Jahr und war unter anderem Geschäftsführer der „Hamburger Morgenpost“ und der „Berliner Zeitung“. 1995 wechselte er zum Badischen Verlag in Freiburg („Badische Zeitung“) und 2000 wurde er Geschäftsführer der „Süddeutschen Zeitung“. Vor dem Sprung nach Nordrhein-Westfalen arbeitete für Axel Springer als Verlagsgeschäftsführer für die wichtige „Bild“-Zeitungsgruppe. Vor einiger Zeit wurde er auch für eine Spitzenposition beim Kölner Verlag M. DuMont Schauberg ins Gespräch gebracht. Über seine jetzigen Pläne ist noch nichts bekannt.

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