Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

#Umbruch: Was auf die Medienwelt zukommt

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Spannend wird es: Gelingt der große Zusammenschluss von Funke und Springer? Mischt Bauer den Zeitschriftenvertrieb auf? Und was wird aus der „Tagesschau“-App?

Im vergangenen Jahr verkaufte sich eine Ausgabe des „Hamburger Abendblatt“ besonders gut – und zwar die mit der Schlagzeile, dass die Funke-Mediengruppe die Zeitung kauft. Berichterstattung in eigener Sache und über ein Riesengeschäft. Der Ausgang ist ungewiss: Das Kartellamt muss noch zustimmen, damit das Essener Regionalzeitungshaus („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“) für 920 Millionen Euro Zeitungen und Zeitschriften von Axel Springer kaufen kann. Das „Hamburger Abendblatt“ hängt solange ziemlich in der Luft: Noch gehört es nicht zu Funke, obwohl das Kartellamt diesem Teil des Kaufs schon zugestimmt hat. Auch liegt die Genehmigung vor für den Kauf der „Berliner Morgenpost“, „Bergedorfer Zeitung“, weiterer Anzeigenblätter sowie den Frauenzeitschriften „Bild der Frau“ und „Frau von heute“.

Aber die Zustimmung zu anderen Details steht noch aus. Die Manager von Funke und Springer müssen auf die Bonner Kartellwächter warten. Diese prüfen weiter die Übernahme von Programmzeitschriften und die Bildung zweier Gemeinschaftsunternehmen zum Vertrieb und der Vermarktung. Erst im Gesamtpakt wollen Springer und Funke das Geschäft vollenden – und das dann wirtschaftlich rückwirkend zum 1. Januar. Daher laufen die Medien schon seit dem Jahreswechsel organisatorisch getrennt. Die „Berliner Morgenpost“ ist noch im Dezember aus dem Springer-Hochhaus an den Kurfürstendamm gezogen. Ob es zu dem Geschäft so kommt, wie es sich Funke und Springer in den schönsten Farben ausgemalt haben, ist ungewiss. Besonders die Gemeinschaft im Vertrieb und in der Vermarktung steht auf der wettbewerblichen Kippe. Das Jahr wird zeigen, wie der großen Zusammenschluss aussehen wird.

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Das vergangene Jahr brachte so viele neue Zeitschriften wie nie ins hiesige Presseregal. „Couch“, „Cover“ und „Interview“: Mehr als hundert neue Titel gründeten die Verlage in 2013. Damit erscheinen mehr als 1600 Wochenzeitungen und Magazine in Deutschland, hat der Verband deutscher Zeitschriftenverleger gezählt. Die Neuerscheinungen aus diesem wie aus den vorherigen Jahren sorgen dafür, dass die Auflagen aller Zeitschriften weniger stark sinken. Von Juli bis September erhöhte sich sogar die Auflage gegenüber den vorherigen drei Monaten.

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Entscheidend für die Zeitschriftenlandschaft wird ein Gerichtsurteil werden: Am 29. Januar soll das Oberlandesgericht Düsseldorf über das deutsche Pressevertriebssystem und damit über die Pressevielfalt urteilen. Der Hamburger Bauer-Verlag klagt gegen den Verband der Pressegroßhändler: Wird Bauer das Großhandelsnetz aufmischen? Oder dürfen die Grossisten weiter als neutrale Zwischenhändler zwischen Verlag und Einzelhandel arbeiten?

In der vergangenen Regierungszeit hat die Politik noch ein Gesetz verabschiedet, um das Großhandelssystem und die Pressevielfalt zu sichern. Das wird das Gericht berücksichtigen müssen. Damit Verlage am Presseregal wirklich um die Leser kämpfen können, muss jeder Titel an den Kiosk kommen können. Sonst zählt die Vertriebsmacht der großen Verlage noch mehr und der Wettbewerb bleibt auf der Strecke zum Kiosk stecken. Wenn aber neue Zeitschriften den Markt entscheidend beleben und immer mehr Titel gegründet werden, wird umso wichtiger, dass auch Neulinge am Verkaufsort präsent sind.

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30 Jahre nach dem Anfang des Privatfernsehens verlieren RTL und Sat1 an Marktanteilen. Sicherlich nimmt die Fragmentierung der Fernsehlandschaft zu, auch sind die besten Serien abseits der Linearität des alten Fernsehbildes zu bekommen. Aber vielleicht lohnt sich für die Macher auch ein Blick auf ihr Programm?

Einschalthit war im vergangenen Jahr das Finale der Champions League mit 21,6 Millionen Zuschauern. Fußball und „Tatort“ gehören zu den Sendungen, die immer noch mehr als zehn Millionen Menschen erreichen. Von daher können sich die öffentlich-rechtlichen Sender wieder freuen. Nicht nur das sie durch die neue Haushaltsabgabe seit einem Jahr nochmal besser abgesichert sind. Auch übertragen sie in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien – erstmals seit 1998 zeigen sie auch alle Spiele live. Hundert Millionen Euro der Zwangsgebühren kosten allein die Rechte. Dabei wären die Spiele bestimmt auch im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen, wenn ARD und ZDF mal das Geld dafür sparen würden.

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Ob es denn wenigstens eine Grenze für die Ausbreitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet gibt, kann der Bundesgerichtshof entscheiden. Mehrere Zeitungsverlage (darunter auch der Verlag dieser Zeitung) klagen gegen die „Tagesschau“-App und wollen die Frage der Verhältnismäßigkeit auch vor das Gericht bringen.

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Dass sich das „Hamburger Abendblatt“ mit Berichten in eigener Sache so gut verkauft, erzählte Chefredakteur Lars Haider diese Woche auf dem Neujahresempfang seiner Zeitung. Einer fehlte: Funke-Geschäftsführer Christian Nienhaus war nicht da. Er wird das Unternehmen verlassen. Mal sehen, wie Haider dies in eigener Sache berichtet und wie sich die Ausgabe dann verkauft.

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1 Lesermeinung

  1. Erfreuliche Begleiterscheinung....
    Einer der Nebeneffekte der Verbreitung des Internets ist, dass die Privaten TV Sender an Attraktivität verlieren. Was die Konsumenten dieser peinlichen Sender angeht, so haben selbst diese mittlerweile gemerkt, dass das was sie sehen wollen, im Internet in wesentlich besserer Ausführung zu haben ist, und zwar 24 Stunden am Tag…

    Warum soll der Konsument Geld für Print-Zeitungen ausgeben, wenn er seine Meinung darin nicht bestätigt findet? Die Mehrheit will nicht belehrt werden, sie will lediglich die eigenen Vorurteile bstätigt haben… auch das geht im Internet einfacher und noch dazu kostenlos…

    Es ist erfreulich, dass die Volksverblödung nun gerade für die Kreise, die an ihr seit den 80er Jahren verdient haben, jetzt die Konsequenzen tragen müssen.

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