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#Umbruch: Funke wartet auf Springer-Titel, SPD findet Geschäftsführer, die Rundfunkabgabe hält sich

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Funke kommt mit dem Kauf der Springer-Titel nicht voran. Die SPD-Medienholding DDVG stellt einen neuen Zeitungsmann ein. Und sinkt die Rundfunkabgabe?

Einer der entscheidenden Sätze zum Mediengeschäft des Jahres? Abgesehen vom Kaufpreis von 920 Millionen Euro ist dies: Das Kartellrisiko trägt Funke. Und da das Bundeskartellamt nicht gänzlich erfreut ist, liegt es an der Essener Mediengruppe  einen Weg zu finden, dass das Kartellamt der Übernahme der Springer-Titel doch noch zustimmt. Denn egal, was passiert – spätestens zum 30. Juni 2014 muss Funke das Geld abführen. Dann kriegt Axel Springer SE den stolzen Preis für alle Titel, die Funke ihnen abnehmen will: „Berliner Morgenpost“, „Hamburger Abendblatt“, „Hörzu“ und die weitere Frauen- und Programmzeitschriften, auch wenn ein Drittel Springer dem Käufer als Darlehen gewährt. Das Kartellamt hat zwar Funke die Übernahme der Regionalzeitungen und Frauenzeitschriften erlaubt, aber nicht für die Programmzeitschriften. Dort sehen die Wettbewerbshüter den Wettbewerb durch den Zukauf eingeschränkt. Einen Teil davon wollte Funke deswegen an einen anderen Verlag weiterreichen. Aber das reicht dem Kartellamt nicht, so dass Funke einen Ausweg für die Programmzeitschriften finden muss. Springer hat, wie es scheint, nicht allzu schlecht verhandelt.

Wie die SPD-Mediengesellschaft einen Geschäftsführer findet: Klaus Schrotthofer arbeitet seit diesem Monat für die „Neue Westfälische“ in Bielefeld. Ausgewählt hat ihn dafür die SPD-Medienholding DDVG, die an dem Unternehmen die Mehrheit mit 57 Prozent hält. Schrotthofer verließ im Sommer des vergangenen Jahres die Funke-Mediengruppe; dort war er als Verlagsgeschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen tätig. DDVG-Geschäftsführer Jens Berendsen lobt seine „soziale Kompetenz“ und dessen „Verständnis für journalistische Qualität“. Ob auch eine gewisse Nähe zur SPD ihre Rolle gespielt hat? Schrotthofer  war als Sprecher des Bundespräsidenten Johannes Rau tätig und später Chefredakteur der Funke-Tageszeitung „Westfälische Rundschau“, für die die SPD als Minderheitsgesellschafter damals noch ein Vorschlagsrecht hatte.

Minus 4 Prozent: Die Rundfunkabgabe soll um 73 Cent im Monat sinken. Das schlägt bislang aber nur die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs Kef vor. Die Politiker wiegeln noch ab. Bislang beträgt die Zwangsabgabe 17,98 Euro im Monat und 215,76 Euro im Jahr. Die vorgeschlagene Senkung, die die Kef vergangene Woche auch den Ministerpräsidenten ganz offiziell präsentiert hat, würde gerade einmal minus 4 Prozent für den Beitragszahler bedeuten. Und durch den neuen Haushaltszwang fließen zusätzlich Millionen und Milliarden ins System, was auch Unternehmen und Städte trifft. Mehr Sparsamkeit steht für die öffentlich-rechtlichen Sender im eigenen Interesse an.

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1 Lesermeinung

  1. Umbruch: Funke wartet auf Springer-Titel "Der 920-Millionen-EURO-Deal"
    Wenn das Kartellamt als kluge Behörde reagiert, dann wird es keine Übernahme von Springer Zeitschriften durch die Funke Mediengruppe geben.

    Auf meiner Webseite habe ich als Privatmann, der allerdings die Materie Zeitschriften hautnah über viele Jahr miterlebt hat, meine Gedankenspiele dem Bundeskartellamt mitgeteilt. Und auch in der Antwort des Kartellamtes vom 25. Februar 2014 teilt man meine Zweifel.

    Was stellen sich diese Medienkonzerne eigentlich vor, dass letztendlich die Mitarbeiter, als letztes Rad am Wagen, das Risiko tragen sollen.

    Ich lebe seit über 50 Jahre im Ruhrgebiet und weiß, was der ehemalige WAZ Konzern aus den Lokalredaktionen gemacht hat. Aufgelöst und die Mitarbeiter nach Hause geschickt. Auf der Strecke blieb das journalistische Herz.
    Und besser wird es demnächst auch nicht mit den übernommenen Zeitungen von Springer. Da sind in meinen Augen die Worte des Pressesprechers:
    „Die Gesellschafter sind davon überzeugt, dass der Erwerb der Axel-Springer-Titel zu einer erfolgreichen Positionierung der FUNKE MEDIENGRUPPE führen wird, und freuen sich gemeinsam mit dem Management und den Mitarbeitern auf die neuen Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg und Berlin“, milde ausgedrückt, nicht nachvollziehbar.

    Bei den Zeitschriften wird es, wenn das Kartellamt weich werden sollte, was ich allerdings nicht glaube, ein weiteres Fiasko geben.
    Das Springer die bessere Verhandlungsstrategie gewählt hatte, wundert mich nicht. In meinem Fall vor fast 20 Jahren war es ähnlich.

    In die Falle von Springer, ein Drittel zu stunden, ist die Funke Mediengruppe getappt. Nun hat sich in Essen eine weitere Finanzierungs-Baustelle aufgetan.Vielleicht war auch die Gier nach Medienmacht zu groß?

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