Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Funke baut Zentralredaktion mit Jörg Quoos auf

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Die Essener Funke-Mediengruppe startet eine Zentralredaktion in Berlin. In den regionalen Tageszeitungen kommt es im Gegenzug zu Personalabbau.

Die Funke-Mediengruppe zentralisiert ihre Zeitungsproduktion in Berlin. Dort baut das Essener Unternehmen eine neue Redaktion auf, die ihre Tageszeitungen mit überregionalen Inhalten beliefern wird. Chefredakteur dieser Zentralredaktion wird der frühere „Focus“-Chefredakteur Jörg Quoos. Von dort sollen zunächst „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ Themen aus Politik und Wirtschaft erhalten. Zeitungsseiten über Panorama und Wissenschaft sollen zentral erstellt werden. Später sollen die nordrhein-westfälischen Zeitungen wie „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ beliefert werden und anschließend soll die Zentralisierung auch die Titel in Thüringen und die „Braunschweiger Zeitung“ umfassen. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens dieser Zeitung am Dienstag. Alle diese Zeitungen gehören zur Funke-Mediengruppe. „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“, die Funke von Axel Springer gekauft hat, erhalten überregionale Inhalte derzeit noch von der Springer-Zeitung „Welt“.

Nach Informationen dieser Zeitung droht damit auch ein Stellenabbau in den Tageszeitungen. Die Funke-Mediengruppe will Kosten sparen. „Es wird Veränderungen und Abbau des Personals in den Regionen geben“, heißt es aus Unternehmenskreisen. Es mache keinen Sinn, Doppelstrukturen vorzuhalten. Parallelarbeit soll daher abgebaut werden. Bewerben auf die neuen Stellen in Berlin dürfen sich zwar alle Mitarbeiter, sie werden aber nicht bevorzugt behandelt. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermeiden werden, seien aber auch nicht ausgeschlossen. Der Umfang der Zentralredaktion steht noch nicht fest.

Am 15. Februar soll die Zentralredaktion demnach aufgebaut werden. Arbeitsfähig wird sie jedoch erst Monate später. Am 30. April endet die Zulieferung der „Welt“. Dann sollen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ zunächst ihre Zusammenarbeit intensivieren, bevor die Zentralredaktion einsatzbereit ist. Auf der einen Seite entscheiden zwar die Chefredakteure der Tageszeitungen über ihr Blatt, auf der anderen Seite sollen jedoch Inhalte und Seiten der Zentralredaktion nur in Ausnahmefällen abgelehnt werden. Wie das Zusammenspiel genau funktioniert und auch mit unterschiedlichen Formaten der jeweiligen Zeitungen umgegangen wird, steht noch nicht fest. Auch die digitalen Angebote der Zeitungen soll die neue Berliner Redaktion mit ihren Inhalten bespielen.

Jörg Quoos wechselte 2013 von der „Bild“-Zeitung zum „Focus“, wo er als Chefredakteur bis Oktober 2014 blieb. An seine Seite kommt Thomas Kloß als neuer Chefredakteur Digital der Zentralredaktion. Er arbeitet derzeit in Essen für Funke und war Chefredakteur Digital NRW und Leiter des Essener Content Desks.

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