Medienwirtschaft

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Zeitschriften, Fernsehen, Internet: Wie sich die Welt der Medien dreht

Super RTL bastelt an „Logo“-Konkurrenten

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Der Kindersender Super RTL startet erstmals eine Sendung, ohne daran Geld zu verdienen. Im Frühjahr soll ein werktägliches Nachrichtenmagazin beginnen. Der Angriff auf die „Logo“-Nachrichten des Kinderkanals lohnt sich finanziell wohl kaum.

© Super RTLSuper RTL plant ein eigenes Nachrichtenmagazin.

Ob und wie viel Kinder Fernsehen schauen sollen, darüber finden sich in jeder Familie unterschiedliche Vorstellungen. Klar, viele Mädchen und Jungen hocken gern vor der Flimmerkiste und machen das mitunter auch mehr als empfehlenswert ist. Dennoch zeigt sich mittlerweile, dass Kinder das Fernsehprogramm insgesamt weniger als bislang verfolgen. So sinkt tagsüber die Reichweite von Super RTL, dem größten Kinderkanal in Deutschland.

Man kann nicht mehr ohne Nachrichten leben

Der Medienkonsum muss darunter allerdings nicht leiden. Nicht nur Kinder können dafür auf Streaming-Dienste, Internetfilmchen oder Handy-Spiele zurückgreifen. Super RTL wagt ein Novum in seiner Sendergeschichte von fast 25 Jahren: Im Frühjahr wird der Privatsender Super RTL ein werktägliches Nachrichtenmagazin für Kinder starten und sich damit erstmals an einen Konkurrenten für die „Logo“-Nachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Kinderkanals Kika wagen. „Man kann nicht mehr als voller Kinder-Anbieter ohne Nachrichten leben“, sagt Claude Schmit, Geschäftsführer von Super RTL, auf dem überwiegend animierte Zeichentricksendungen laufen.

© Super RTL„Novelmore“ ist eine Serie mit Playmobil-Rittern.

Das Nachrichtenmagazin mit dem Projektnamen „Täglich Toggo“ soll elf Minuten lang sein, am Vorabend laufen und das aktuelle Geschehen für Kinder vor allem im Alter von sechs bis neun Jahren erklären. Der Sender spricht von einem Zeitalter der Kinder, die so interessiert und engagiert wie nie seien.

Ungewöhnlich ist das Vorhaben für den Privatsender, weil dieser nach eigenen Angaben mit dem Nachrichtenmagazin einen negativen Deckungsbeitrag einplant. „Es ist das erste Mal, dass wir eine Sendung machen, mit der wir kein Geld verdienen“, sagt Schmit. Lange hat Super RTL eine aktuelle Nachrichtensendung abgelehnt, weil dies aufwendig ist und vergleichsweise hohe Kosten bedeutet.

Von Pyramiden und Eisbären

Zum Plan von „Täglich Toggo“ passt, dass in der Geschäftsleitung mit Martin Gradl seit Juni ein Content Director agiert, der als vorheriger News-Bereichsleiter in der RTL Mediengruppe mit Fernsehnachrichten vertraut ist. Gradl berichtet davon, dass Eltern oft annehmen, dass ihren Kindern vieles in der Schule erklärt wird, und gleichzeitig Lehrer erwarten, dass dies zuhause geschieht. So sieht er ein großes Bedürfnis von Kindern, Eltern und Lehrern, dass ihnen das Komplizierte in der Welt erklärt. Inhalte der neuen Sendung könnte der Bau der Pyramiden in Ägypten, die Population von Pinguinen und Eisbären in der Arktis sowie eine Vorschau auf das Wetter in Deutschland sein. Noch nicht klar, ist der genaue Starttermin und die Moderatoren wie auch Details. Im übrigen lobte Grandl die Arbeit der „Logo“-Nachrichtensendung, die dann zum Konkurrenten wird.

Trotz der neuen Nachrichtensendung mit eingepreisten Verlusten achtet der Privatsender durchaus auf den Gewinn, der in diesem Jahr voraussichtlich das drittbeste Ergebnis seit Gründung im Jahr 1995 ist. Das Unternehmen, das zu gleichen Teilen zur deutschen RTL-Mediengruppe und zum amerikanischen Disney-Konzern gehört, nennt dabei keine genauen Zahlen.

© Super RTLDie „Toggo Show“ zieht ins Fernsehen.

Trotz rückläufiger Reichweite sollen die Werbeerlöse steigen. Schmit führt dies auf ihre Rolle als größter Kindersender zurück, weil Unternehmen ihr Werbegeld eher von den kleineren Konkurrenten abziehen und teilweise mehr beim Marktführer ausgeben. Super RTL kommt in diesem Jahr tagsüber von 6 Uhr bis 20.15 Uhr im Alter von 3 bis 13 Jahren auf einen Marktanteil von 21,8 Prozent und verliert damit leicht im Vergleich zum Vorjahr. Der öffentlich-rechtliche Kika liegt mit 17,9 Prozent dahinter. Die Privatsender Disney Channel kommen auf 13,1 Prozent und Nick auf 6,4 Prozent.

Ritter von Playmobil und Ermittler aus Frankreich

Für neuen Fernsehstoff sorgt Super RTL auch abseits von Nachrichten in ihrem klassischen Programmfeld der Unterhaltung für die Jüngsten. Das Magazin „Toggo Show“, das bisher nur Online zu sehen war, kommt am Samstagmorgen ins Programm und in einer Woche ist mit „Novelmore“ eine animierte Playmobil-Geschichte von Rittern und Rebellen zu sehen.

Abends verlässt Super RTL schon lange das Kinderumfeld und zeigt Kriminalfälle. Hier sehen die Eltern dann alte Folgen von „CSI: Miami“ oder „Dr. House“, was nicht selten zu überdurchschnittlichen Marktanteilen führt. Ob das der neuen französischen Krimiserie „Caïn“ auch gelingt, bleibt abzusehen. Der Hauptkommissar ist dem hiesigen Publikum allerdings weniger als die amerikanischen Helden bekannt und läuft in deutscher Erstausstrahlung.

© Super RTLKrimiserie aus Frankreich: „Caïn“

 


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