Moskauer Monitor

Die klitzekleine Jagdfliegerin

Bild zu: Die klitzekleine JagdfliegerinDie Pose des Vaterlandsverteidigers wird in Russland immer früher eingeübt. Die kleine Warwara Skrjabina war noch keine drei Jahre alt, als sie im Frühjahr 2008 in ihrem Kindergarten in der Moskauer Vorstadt Krasnogorsk patriotisch verkleidet und für ihre Mutter kostenpflichtig fotografiert wurde. Warwara, die das Objektiv wie ein Profimodel fixiert, trägt die Uniform der seit dem Zweiten Weltkrieg legendären Luftlandetruppen der Sowjetarmee, verziert mit einem Gardeabzeichen. Ihr blaues Beret schmücken, zum Zeichen, dass das Regime egal und nur der Kampf gegen äußere Feinde wichtig ist, zugleich der rote Stern des Arbeiter- und Bauernstaates und die russische Trikolore mit Ordensband und Doppeladler. Warwaras Stiefopa, ein pensionierter Militär, war so angetan von dem Porträt, dass er ihm einen Ehrenplatz auf seinem Bücherregal einräumte.

Auch unter der Sowjetmacht, die von Warwaras Tracht beschworen wird, ließ man kleine Kinder kostümiert ablichten – vorzugsweise in adretter Matrosenuniform, die schon zur Zarenzeit beliebt war. Der aggressive Military-Look mit fleckigem Camouflage-Tuch ist der Dress-Code des Putin-Regimes, das seit kurzem auch Grundschüler im Tarnanzug zum „Kadettenunterricht“ marschieren lässt. Bei ihrer Foto-Sitzung im Kindergarten verwandelte sich die hübsche Warwara zum Ausgleich dann noch in eine Märchenprinzessin mit Krone und russischem Sarafan. Am besten aber gefiel sie sich in der Rolle der vornehmen Dame mit Pelzkragen. Dabei schmiegte sich das Kind anmutig in den geliehenen Fuchsschwanz und blickte den Fotografen tragisch an. Er sei im Kindergarten noch auf Armutsstolz eingeschworen worden, erinnert sich Warwaras Onkel Valeri, der in einem Dorf östlich von Moskau aufwuchs. Passend zum schlichten Landleben wurden Valeri und seine Vorschulkameraden vom ihrem Kinderfotografen mit schiefem Käppi und Eimerchen am Arm verewigt.

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