Moskauer Monitor

Saubermachen in Sibirien

 

Die russische Freiheit bietet nicht viel mehr als Taiga. Wohl deshalb hat der Kulturbeauftragte der sibirischen Stadt Berdsk, Jan Pawlowski, der, Anfang Mai wegen Korruption festgenommen, aus einer kardiologischen Klinik floh, sich nach einer Woche selbst der Polizei gestellt. In Berdsk, unweit der sibirischen Hauptstadt Nowosibirsk gelegen, blieb das örtliche Kulturhaus, das 2008 sein fünfzigjähriges Bestehen feierte, wegen Baufälligkeit jahrelang geschlossen. Der stalinistische Palast konnte erst im Januar 2009 teilweise wieder eröffnet werden. Zuvor wurden dort für 7,7 Millionen Rubel (180 000 Euro) Haushaltsmittel die Hauptbühne, zwei Tanzsäle, die Garderobe und das Foyer instand gesetzt. Außerdem erhielt das Haus neue Elektrokabel, Isolierfenster, ein Lüftungssystem und eine Alarmanlage. Doch der Kulturverantwortliche Pawlowski hatte auch 390 000 Rubel (neuntausend Euro) für die Renovierung seines Appartements abgezweigt. Im Krisenfrühling flog auf, dass er mit der Berdsker Baufirma „Stroikom“ einen Renovierungsvertrag für Instandsetzungsarbeiten am Kulturhaus über diese Summe abgeschlossen hatte. In Wirklichkeit machte „Stroikom“ aber Pawlowskis Zweizimmerwohnung schön und installierte dort eine Jaccuzi. Der Kulturchef soll „Stroikom“ ähnliche Aufträge in Aussicht gestellt haben – natürlich gegen Bezahlung. Doch als er verhaftet wurde, stritt Pawlowski alles ab und klagte über Schmerzen in der Herzgegend. Er ließ sich in eine Klinik einliefern, wo er man ihn für die Nacht mit der Handschelle ans Bett kettete. Offenbar zu locker, denn der Beamte konnte sich rauswinden. Pawlowski verknotete sodann die Krankenhauslaken und seilte sich daran aus dem Fenster des dritten Stockwerks ab. Nun darf der Verwaltungsapparat von Berdsk sich von Pawlowski nicht mit in die Tiefe ziehen lassen. Für die Praxis so genannter Korruptionsbeziehungen gebe es eine natürliche Erfahrung, erklärte der  Bürgermeister von Berdsk Alexander Terepa philosophisch. Deswegen aber wahlverwandtschaftliche Verbindungslinien zu ziehen, sei, so Terepa, „nicht ganz korrekt“. Doch die Untersuchungsmaßnahmen würden, prophezeit der  Verwaltungschef fatalistisch, gewisse Ergebnisse zutage fördern, die auch für andere Dinge Folgen haben werden …

 

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