Moskauer Monitor

Zwei Potjomkins am spanischen Hof: Der Prado besucht Sankt Petersburg

Die Ausstellung von sechsundsechzig Gemälden des Prado, die noch bis zum 29. Mai in der Petersburger Eremitage zu sehen sind – das größte und repräsentativste Gastspiel, welches das Museum je außerhalb Spaniens gab – hat einen besonderen Russlandbezug.

 An einer Querwand des Nikolai-Saales hängt das lebensgroße Bildnis des russischen Botschafters am spanischen Hof, Pjotr Potjomkin (1617 bis 1700), den Juan Carreno de Miranda (1614 bis 1685) um 1681/2 in altmoskowitischer, mit Gold und Edelsteinen besetzter Bojarentracht mit Pelzfutter und Seidentunika verewigte.

Potjomkin, ein Vorfahr des berühmten Favoriten von Zarin Katharina der Großen, war im Dienst des zweiten und des dritten Romanow-Herrschers, Alexej Michailowitsch (1629 bis 1676) und Fjodor III. (1661 bis 1682), die Russland an die westlichen Länder anzunähern versuchten, in Spanien, nachdem beide Länder hundertfünfzig Jahre keine diplomatischen Beziehungen unterhalten hatten. Potjomkin, der als Heerführer im Krieg gegen Polen 1654-56 Lublino eingenommen hatte, wurde erstmals 1668 nach Madrid entsandt, um bei den christlichen Staaten Europas für eine Allianz gegen die Türkei zu werben. Der willensstarke Russe verlangte für den abwesenden Moskauer Großfürsten höchste Ehrbezeugungen. Er forderte, wann immer dessen Titel genannt würde, müsse der spanische König den Hut abnehmen. Die Spanier selbst erschienen ihm etwas hochmütig. Potjomkin wunderte sich, dass sie kaum Schnaps tranken. Während sechs Monaten Aufenthalts in ihrem Land, notierte der Botschafter, sah er keine Betrunkenen, die randalierten oder auf der Straße herumlagen.

Rechts neben dem Ausgang prangt das Bildnis des spanischen Generals Jose de Urrutia y de las Casas (1739 bis 1809), den Goya um 1798 malte, zehn Jahre, nachdem er beim Krimfeldzug für Katharina die Große dort die türkische Festung Otschakowo mit erobert hatte. Urrutia trägt auf dem Gemälde den Sankt Georgs-Orden, den er dafür von der Zarin erhielt. Mit seiner Tapferkeit und Härte, die der fast Sechzigjährige immer noch eindrucksvoll ausstrahlt, brachte er es als einziger nichtadliger Soldat seiner Zeit bis zum Feldmarschallsrang. Den Degen, erklärt die elegante ältere Eremitage-Führerin stolz, dürfte Urrutia aus den Händen des russischen Heerführers Grigori Potjomkin erhalten haben.

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