Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Xbox360: Microsoft zieht die Reißleine

| 2 Lesermeinungen

Das Geschäft mit der Xbox 360 ist in Deutschland um 20 Prozent eingebrochen. Nun reagiert Microsoft und senkt die Preise, um gegen Nintendo und Sony bestehen zu können.

Microsoft hat den Preis für seine Spielekonsole Xbox 360 gesenkt und reagiert damit auf die Absatzflaute seines Hoffnungsträgers. In Deutschland ist das Geschäft gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent gesunken, sagen Marktforscher. Die Gründe sind einmal der phänomenale Erfolg von Nintendo, dessen Konsolen Wii und DS zurzeit die Konkurrenz klar in den Schatten stellen, und der Verkaufsstart des Konkurrenzproduktes Playstation 3 von Sony.

„Zwischen Januar und Juli ist die Zahl aller verkauften Konsolen in Deutschland insgesamt um etwa 28 Prozent gestiegen; Microsoft hat jedoch gut 20 Prozent weniger Geräte verkauft als im Vorjahr“, sagt ein Branchenkenner. Im Juli wurde der Abstand zur Konkurrenz besonders deutlich: Microsoft hat nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nur 5000 Xbox-360-Konsolen in Deutschland verkauft, während Sony auf 8000 verkaufte Playstation 3 kam und Nintendo 26 000 Exemplare seiner Konsole Wii absetzte.

Wie zuvor in den Vereinigten Staaten und Kanada versucht Microsoft nun auch in Europa, mit einer Preissenkung den schleppenden Verkauf anzukurbeln. Vom kommenden Freitag an sinkt der Preis für die bisherige Standardausführung um 50 Euro auf 349 Euro; die Einsteigervariante Xbox 360 Core wird 20 Euro billiger und steht dann für 279 Euro in den Regalen. Zudem kommt die neue Xbox 360 Elite für 449 Euro hinzu, die über eine 120 Gigabyte große Festplatte verfügt und auch als Speichermedium für Musik und Filme genutzt werden kann. Mit diesem Gerät positioniert Microsoft seine Xbox direkt gegen die Playstation 3 des Konkurrenten Sony, die von den technikbegeisterten Spielern offenbar bevorzugt wird, wie eine Umfrage der Internetseite Chip Xonio zeigt. Auf die Frage, welche Konsolen die vorwiegend technikaffinen Nutzer des Portals in den kommenden 12 Monaten kaufen wollen, antworteten 51 Prozent mit „Sony Playstation 3“, gefolgt von „Nintendo Wii“ mit knapp 26 Prozent. Erst auf dem dritten Platz der Umfrage folgt die Xbox 360 mit 12,5 Prozent der Nennungen.

Die Gründe für Microsofts Misere liegen im unerwartet großen Erfolg von Nintendo, dessen Konsolen Wii und das mobile Gerät DS zurzeit die Konkurrenz klar in den Schatten stellen, und im Verkaufsstart der Playstation 3 im Frühjahr. Microsofts Konsole ist in der Mitte eingeklemmt: Einsteiger und Familien ziehen Geräte von Nintendo vor, die traditionell technikbegeisterten Spieler greifen offenbar lieber zur anspruchsvolleren Playstation 3.

Der Erfolg von Nintendo verdeutlicht einen grundlegenden Wandel auf dem deutschen Markt für Videospiele. Microsoft und Sony haben ihre Konsolen für die Zielgruppe der jungen, technikbegeisterten Männer entwickelt, die bisher den Markt geprägt haben. Diese Zielgruppe wächst aber kaum noch. Erst Nintendo ist es mit der tragbaren Konsole DS und dem stationären Gerät Wii gelungen, neue Käuferschichten – vor allem etwas ältere Spieler und Frauen – in großem Stil zu erschließen. Das Wachstum des Gesamtmarktes geht daher fast ausschließlich auf Nintendo zurück. Sony kann noch leicht zulegen, aber Microsoft verliert Anteile. Daher gehen erste Studien schon davon aus, dass Microsoft sein Marktpotential in Deutschland bereits ausgeschöpft habe.

Wie brenzlig die Situation für Microsoft geworden ist, zeigt sich auch an der Spielesoftware. Unter den zehn meistverkauften Titeln war in den ersten sieben Monaten des Jahres kein Spiel für die Microsoft-Konsole vertreten, obwohl das Gerät schon seit Ende 2005 verkauft wird. Stattdessen bestimmt zurzeit Nintendo den Spielemarkt: Acht der zehn meistverkauften Titel stammen von den Japanern, unter anderem der Spitzenreiter in der Rangliste, Dr. Kawashimas Gehirnjogging. Die beiden Nicht-Nintendo-Spiele stammen von den Produzenten Square Enix und Sony und sind für die Playstation 2 entwickelt worden, die immer noch weit verbreitet ist. Die bisherigen Verkaufszahlen der neuen Playstation 3 sind in Deutschland noch zu gering, um nennenswerte Softwareverkäufe zu generieren.

Um auf dem Spielemarkt wieder Anschluss zu finden, setzt Microsoft ganz auf das Spiel Halo 3, das am 25. September auf den Markt kommen soll. Das Spiel sei zu 99,9 Prozent fertig, verraten die Entwickler. Microsoft plant die größte Einführungskampagne, die jemals für ein Spiel auf die Beine gestellt worden ist.


2 Lesermeinungen

  1. Ich bin froh über den Erfolg...
    Ich bin froh über den Erfolg von Nintendo, das beweisst nähmlich eins. Spass ist wichtiger als Grafik

  2. Und da haben wir es ... Sony...
    Und da haben wir es … Sony zieht nicht nur die Reißleine … nein … die werfen gleich den Anker. Erstmal ne super abgespeckte Version der PS3 auf den Markt werfen und hoffen das sich das teil dadurch besser verkauft.

Kommentare sind deaktiviert.