Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google kauft Nachrichten

Google wird zum Nachrichtenanbieter. Mit den eingekauften Nachrichten von vier Agenturen wird Google zur Konkurrenz der klassischen Medien, die bevorzugt das Material dieser Agenturen auf ihren Websites einsetzen. Der Deal könnte auch Gewinner haben: Die großen Medienhäuser, die bevorzugt eigene Geschichten haben, und die Agenturen, die ihr Material nicht an Google verkaufen.

Google hat mit vier Nachrichtenagenturen vereinbart, ihre Meldungen auf seiner Seite Google News zu veröffentlichen. Der Internetkonzern gab entsprechende Lizenzverträge mit AFP, AP, der britischen Press Association und der Canadian Press bekannt. Da die Agenturen die Meldungen nicht auf ihren Internetseiten veröffentlichen, speichert Google die Meldungen auf seinen eigenen Rechnern.

Damit ändert Google News seinen Charakter: Bisher aggregierte die Seite lediglich die Nachrichten, die auf den Seiten der Medien stehen und führte den Medienseiten auf diese Weise viele Nutzer zu. Nun tritt Google über die Abkommen mit den Agenturen erstmals als Nachrichtenanbieter auf.

Google hat zwar zugesagt, die zugekauften Agenturnachrichten nicht gegenüber den Nachrichten auf anderen Medienseiten zu bevorzugen. Aber der Google-Algorithmus bevorzugt Meldungen, die im gleichen Wortlaut auf möglichst vielen Seiten vorkommen – und das sind meist die Artikel der Nachrichtenagenturen. Individuelle, selbst recherchierte Originalartikel, die oft von den großen Medienhäusern ins Netz gestellt werden, haben es meist schwer bei Google News.

Wenn Google nun einen Teil des Traffics nicht mehr zu den Agenturmeldungen auf den Medienseiten, sondern zu seinen eigenen Agenturmeldungen leitet, gehen den Medien, die in ihren Web-Auftritten stark auf Agenturmeldungen zurückgreifen, Leser verloren. Kleine Redaktionen geraten unter Druck; große Redaktionen mit vielen eigenen Geschichten könnten im Vorteil sein.

Eine weitere Folge könnte auch sein, dass die Internetseiten der Medien künftig auf Meldungen der vier Agenturen verzichten und lieber das Material der Konkurrenzanbieter wie der dpa oder Reuters nutzen. Auf diese Weise erhöhen sie ihre Chance, bei Google News weiterhin prominent platziert zu werden. Für die vier Agenturen könnte das Geschäft mit Google nach hinten losgehen.