Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Googles Angriff auf die Handy-Welt

Google hat mit 33 Technologieunternehmen die Open Handset Alliance gegründet, um ein Betriebssystem und Anwendungen für Mobilfunkgeräte zu entwickeln. Damit greift die Allianz Nokia, Microsoft, Apple und RIM an, die bisher die Betriebssysteme für die Handys liefern.

Die Internet-Suchmaschine Google hat eine Entwicklungsplattform für Mobiltelefone auf den Markt gebracht und dafür eine Allianz mit 33 Handy-Netzbetreibern, Geräteherstellern und Chipproduzenten  geschlossen. Der „Open Handset Alliance“ gehören neben den Netzbetreibern Deutsche Telekom, NTT Docomo (Japan), China Mobile, Telecom Italia, Telefónica und Sprint Nextel auch die Gerätehersteller Motorola, Samsung und LG an. Auch die Chiphersteller Intel und Qualcomm sowie der Grafikkartenhersteller Nvidia und der Internet-Marktplatz Ebay gehören zu den Partnern.

 

Die Allianz soll ein Software-Paket mit Namen Android entwickeln, das ein Betriebssystem, eine Oberfläche für die Handys und Anwendungen enthält. Die Programme basieren auf der frei verfügbaren Linux-Software und sollen – wie im Internet – auch externen Entwicklern erlauben, Programme für die Geräte zu schreiben. „Die heutige Ankündigung ist weitaus ambitionierter als jedes „Google Phone„, über das die Medien in den vergangenen Wochen spekuliert haben. Unsere Vision ist vielmehr die, dass die heute bekannt gegebene Plattform Tausende verschiedener Handy-Modelle hervorbringen wird“, sagte der Google-CEO Eric Schmidt. Ob es noch ein Google-Phone geben wird, über das in der Vergangenheit viel spekuliert wurde, wollte Schmidt nicht sagen. Das ist allerdings zu erwarten.



T-Mobile bringt erste Geräte 2008

Die ersten Geräte werden in Deutschland im kommenden Jahr in die Läden kommen. Deutscher Partner ist T-Mobile. „Die Android Plattform stellt eine aufregende Möglichkeit dafür dar, um ein zuverlässiges mobiles Internet genauso wie Web 2.0 Services für die Kunden von T-Mobile in den Vereingten Staaten und in Europa in 2008 auf den Markt zu bringen“, sagte der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann. Nach Ansicht von Qualcomm-Chef Peter Jacobs wird Android vor allem die Entwicklung der sozialen Netzwerke im Mobilfunk beschleunigen. Eine Änderung der Geschäftsmodelle der Netzbetreiber erwartet Obermann nicht. Andere deutsche Netzbetreiber sind bisher nicht mit an Bord. Vodafone ist ebenfalls nicht mit dabei; die Briten setzen weiter auf ihre eigenes Multimedia-System Vodafone Live.

Die neue Plattform ist zunächst für den Einsatz in multimediafähigen Handys (Smartphones) gedacht; später sollen alle Handys der Ober- und Mittelklasse in der Lage sein, die Android-Programme zu verarbeiten, sagte Rich Miner, einer der Gründer des Unternehmens Android, das Google 2005 erworben hat und auf dessen Arbeit die Plattform entwickelt wurde.

Ohne Nokia, Microsoft, Apple und RIM

Nokia als weltgrößter Handyhersteller und quasi auch dominanter Betriebssystemanbieter gehört der Allianz nicht an und wird sicher ein Hauptkonkurrent der „Open Handset Alliance“ seien. Auch die anderen Betriebssystem-Hersteller Microsoft, Apple und Research in Motion (Blackberry) machen nicht mit. „Die Plattform ist offen; alle können mitmachen“, sagte Andy Rubin, ebenfalls ein Android-Gründer, der das Projekt bei Google verantwortet.

Eine Konkurrenz für Apples iPhone sieht Miner in Goolges Initiative nicht. „Es gibt genug Platz für Apple und Android“, sagte Miner. Anders stellt sich die Situation im Vergleich mit dem Betriebssystem Windows Mobile von Microsoft dar. „Natürlich gibt es eine Überlappung der Funktionen. Windows Mobile ist ein großartiges, mit Exchange verbundenes Gerät; Android wird ein großartiges, mit dem Internet verbundenes Gerät“, sagte Miner.

Gmail, Maps – aber besser

Die ersten Anwendungen, die Google selber programmieren wird, seien wahrscheinlich der E-Mail-Dienst Gmail, der Landkartendienst Maps und der Fotodienst Picasa, sagte Miner. Die Programme gibt es zwar heute schon auf Mobilfunkgeräten, aber eben nicht mit anderen Funktionen verknüpft. „Der große Vorteil ist die viel leichtere Verknüpfung der Programme miteinander. Zum Beispiel kann ich mir die Adressen aus meiner Kontaktdatenbank dann direkt auf einer Landkarte anschauen“, sagte Miner. Auch die Verknüpfung zwischen den Google-Anwendungen wie Mail, Kontakte oder Kalender wird dann leichter.

In der „Open Handset Alliance“ seien zusätzlich viele Spezialisten vertreten, zum Beispiel PacketVideo für Videos und Nuance für die Spracherkennung. Gerade in der Spracherkennung und Übersetzung sieht Google großes Potential.

Insgesamt soll die Plattform die Produktion mobiler Anwendungen deutlich günstiger als bisher. Die Initiatoren hoffen auf einen ähnlichen Effekt wie im Internet, wo die Zusatzprogramme externer Entwickler zum Beispiel das Wachstum von Facebook stark beschleunigt haben. Aus diesem Grund hat Google vor einer Woche eine ebenfalls offene Entwicklerplattform namens OpenSocial gegründet, das Entwicklern die Handwerkzeuge gibt, ihre Programme für alle an OpenSocial beteiligten sozialen Netzwerken zu schreiben.