Netzwirtschaft

Digg.com oder New York Times?

Junge Menschen, die keine Zeitung lesen, nutzen dafür das Internet umso intensiver für die Information. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Comscore, das damit mit dem Vorurteil aufräumt, junge Menschen, die keine Zeitung lesen, seien daher auch nicht mehr an Nachrichten interessiert. Sowohl die intensiven, meist älteren Zeitungsleser als auch die Nichtleser suchen häufig die Internetauftritte der großen Zeitungen auf, um sich dort zu informieren.

Die Webauftritte der Zeitungen seien also nicht eine reine Verlängerung des Printproduktes ins Netz, sondern eigenständige Internetmarken, folgern die Marktforscher. “Wenn die junge Generation, die sich an kostenlose Nachrichten im Internet gewöhnt hat, älter wird, können die Printauflagen natürlich sinken. Aber das Internet ist eine bedeutende Gelegenheit, bestehende Nachrichtenmarken auszuweiten und die neuen Konsumenten mit lebendigen Inhalten in Echtzeit zu versorgen”, sagte Jack Flanagan von Comscore.

In den Vereinigten Staaten zeigt sich, dass Menschen, die keine Zeitung lesen, besonders in den Internetauftritten der “New York Times”, des “Wall Street Journal” und der “Los Angeles Times” überrepräsentiert sind. Diese Gruppe nutzt daneben außergewöhnlich häufig neue Nachrichtenseiten wie Google News, Digg.com oder Topix.com, die Nachrichten aus anderen Quellen aggregieren. Diese neue Art, Nachrichten nach eigenen Wünschen aus verschiedenen Quellen zusammenzustellen und zu bewerten, kommt dagegen bei den intensiven Zeitungslesern überhaupt nicht an.
In Deutschland haben diese neuartigen Nachrichtenseiten wie Yigg.de oder Rivva noch kein breiteres Publikum über die Internetszene hinaus erreicht. Auch Google News ist hier eher als Nachrichtenverteiler zu sehen, der die Artikel der Nachrichtenseiten per E-Mail-Benachrichtigung oder RSS-Feed verteilt und damit den Seiten viele Nutzer zuführt. Auch wenn die traditionellen Verlage sich manchmal über Google News beschweren, sind doch alle über die Nutzer froh, die ihnen Google zuführt.

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