Netzwirtschaft

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Google trickst Mobilfunker aus

Wie beabsichtigt hat Google keine Mobilfunkfrequenz ersteigert. Das Ziel, den Mobilfunkmarkt zu öffnen, hat das Unternehmen allein durch seine Ankündigung erreicht, an der Auktion teilzunehmen.

Die beiden großen amerikanischen Telefonkonzerne Verizon und AT&T haben für zusammen 16 Milliarden Dollar Mobilfunkfrequenzen in den Vereinigten Staaten ersteigert. Weitere 3,6 Milliarden Dollar gaben kleinere Unternehmen wie der Satellitenbetreiber Echostar für die 700-Megahertz-Frequenzen aus, über die sich sich künftig große Datenmenge auf Mobiltelefone und Laptops übertragen lassen. Nach acht Wochen und insgesamt 260 Gebotsrunden ging der Internetkonzern Google in der Versteigerung leer aus. Google hatte 4,713 Milliarden Dollar geboten und wurde im Wettbieten um den wichtigsten Frequenzblock von Verizon mit 4,74 Milliarden knapp geschlagen.

Soweit die offizielle Version. Tatsächlich war Google aber von Anfang nicht ernsthaft daran interessiert, die Frequenz zu ersteigern. Wer die Google-Manager in den vergangenen Wochen nach der Ernsthaftigkeit der Auktionsteilnahme gefragt hat, hat meist nur ein Grinsen als Antwort bekommen. Denn mit der Frequenz wären weitere Kosten für die Mobilfunk-Infrastruktur und ein Vertriebsnetz entstanden, die sich leicht auf 20 Milliarden Dollar summiert hätten. Diese Summe hätte Google zwar noch stemmen können, doch der Einstieg in das neue Geschäftsfeld hätte die üppigen Gewinnmargen des Internetunternehmens auf Dauer ruiniert.

Google ging es von Anfang an um die Öffnung des Marktes – und dieses Ziel hat Google auch ohne Lizenz erreicht. Das Unternehmen hat die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hart bedrängt, an den Erwerb der Lizenz Auflagen zu knüpfen. Die Mobilfunkgesellschaften sollten das Netz für Geräte und Dienstleistungen von Drittanbietern offen halten. Dieser Auflage ist der FCC-Chef  Kevin Martin schon im Vorfeld der Auktion weitgehend gefolgt. Google und andere Neueinsteiger dürfen nun Handys und Programme auf den Markt bringen, die im neuen Netz ohne Zustimmung der Mobilfunkgesellschaften funktionieren. Bisher durften die Mobilfunker allein entscheiden, wer Zugang zu ihren Netzen erhält.

Freier Zugang zu den Netzen passt in die Mobilfunkstrategie von Google. Das Unternehmen hat unter dem Namen „Android“ eine Plattform entwickelt, um ein eigenes Betriebsystem für Mobiltefone zu bauen. Das Betriebssystem soll die Basis für weitere Handy-Programme sein, die bei der Übertragung des Werbemodells vom stationären auf das mobile Internet helfen sollen.

 

UPDATE: Yahoo-Manager Marco Börries: „Das Betriebssystems eines Handys ist irrelevant“ 

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