Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Die Lebensader des Internet heißt Google

3,6 Milliarden Suchanfragen stellen die Deutschen jeden Monat bei Google. Die Suchmaschine verteilt den Verkehr im Internet. Niemand hat mehr Einfluss auf die Entscheidung, welche Seite angeklickt wird - und welche nicht.

36 Millionen Internetnutzer in Deutschland haben im März vier Milliarden Anfragen in Suchmaschinen gestellt, hat das Marktforschungsunternehmen Comscore gemessen. Da Googles Marktanteil in Deutschland rund 90 Prozent beträgt, entfallen rund 3,6 Milliarden Suchanfragen auf den Marktführer. Die restlichen 10 Prozent werden zu einem großen Teil auf der Yahoo-Seite gestellt, während Microsoft in Deutschland faktisch keine Bedeutung in diesem Markt hat.

In den anderen europäischen Ländern liegt Google ebenfalls vorne. Das Unternehmen wickelt in Europa rund 19,4 Milliarden Suchanfragen ab, was einem Marktanteil von rund 80 Prozent entspricht. Im Durchschnitt sucht jeder Deutsche 109 Mal im Monat einen Begriff mit einer Suchmaschine, was ziemlich genau dem europäischen Durchschnitt entspricht. Eine deutlich höhere Suchaktivität haben die Marktforscher nur in Finnland, der Schweiz und Großbritannien gemessen.

Google ist damit zu einer Art Lebensader für das Internet geworden. Sehr viele Seiten erhalten den Großteil ihrer Besucher direkt von Google. Entweder über die bezahlten Anzeigen auf der rechten Seite oder – meist günstiger – durch eine attraktive Plazierung in den Suchergebnissen auf der linken Seite, was den sogenannten Suchmaschinenoptimierern (SEO) zurzeit Hochkonjunktur beschert. Diese Unternehmen optimieren die technische Infrastruktur einer Internetseite, damit die Inhalte von Google gefunden und von dessen Algorithmus möglichst weit oben einsortiert werden. Vor allem Preisvergleiche oder die neuen Personensuchmaschinen sind in der Google-Suche nach Produkten oder Menschen häufig unter den ersten zehn Suchtreffern zu finden. Auch einige Verlage lassen ihre Redakteure die Überschriften und Vorspänne ihrer Online-Artikel inzwischen so schreiben, dass sie in Google gut gefunden werden. Zum Beispiel sollten die richtigen Schlagworte nicht nur in der Überschrift, sondern auch in der Internet-Adresse des Artikels auftauchen, der zudem die richtige “Keyword-Dichte” haben sollte.