Netzwirtschaft

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"Facebook ist an Wachstum, nicht an Umsatz interessiert"

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Facebook will in Deutschland investieren, aber ein eigenes Werbeteam soll vorerst nicht aufgebaut werden. "Facebook ist zurzeit nicht an Werbung oder Umsatz in Deutschland interessiert. Sonst hätten wir natürlich ein Werbeteam in Deutschland. Das Wichtigste für uns ist das Wachstum der Nutzerzahlen", sagte Facebook- Vizepräsident Matt Cohler.

Das soziale Netzwerk Facebook, das seit Anfang März mit einer deutschen Version am Markt ist, will sein Engagement in Deutschland ausbauen. „Mit der Zeit wird Facebook seine Investitionen in Deutschland erhöhen. Der Markt ist sehr wichtig für uns“, sagte Matt Cohler, Vizepräsident von Facebook. Ein eigenes Vermarktungsteam ist aber vorerst nicht geplant. „Facebook ist zurzeit nicht an Werbung oder Umsatz in Deutschland interessiert. Sonst hätten wir natürlich ein Werbeteam in Deutschland. Das Wichtigste für uns ist das Wachstum der Nutzerzahlen. Wir wollen die europäischen Märkte erschließen. Deshalb haben wir neben der englischen, deutschen, französischen und spanischen Version Facebook gerade auch in polnischer, norwegischer, italienischer und holländischer Sprache gestartet. Weitere 16 Sprachen werden folgen“, sagte Cohler am Rande der „Facebook Developer Garage“, eines Treffens der Softwareentwickler, die Zusatzprogramme für das soziale Netzwerk programmieren.

 Matt Cohler, VP Facebook

Trotz des verhaltenen Starts, der Facebook nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen-Online im ersten Quartal nur 26 Prozent mehr Nutzer als im Vorjahresquartal brachte, ist Cohler zufrieden: „Die Richtung stimmt. Die Zahlen der Marktforscher geben nicht das wieder, was wir wissen“, sagte er. Konkrete Zahlen will er aber nicht nennen. Bisher hat Facebook gegen die Dominanz von StudiVZ oder MySpace auf dem deutschen Markt aber offenbar wenig ausrichten können. Eine eigene Repräsentanz, wie sie Konkurrent MySpace aufgebaut hat, wird nach Cohlers Einschätzung wenig helfen. „MySpace hat eine andere Strategie. Ihr Ansatz zielt mehr auf Inhalte ab – und dafür brauchen sie Mitarbeiter vor Ort. Facebook ist viel mehr ein Technologieunternehmen.“
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Ein Grund für den Erfolg von Facebook sind die inzwischen 24 000 Zusatzprogramme, die externe Entwickler für die Facebook-Plattform geschrieben haben. Die Nutzer können diese Anwendungen auf ihrer Profilseite installieren. „Es gibt inzwischen mehr als 2000 Entwickler in Deutschland, die an Facebook-Applikationen arbeiten. Die Zahl wächst schnell“, sagte Cohler. Wie die „Developer Garage“ gezeigt hat, herrscht in der Entwicklerszene allerdings große Unsicherheit, ob neue Anwendungen angesichts der großen Konkurrenz noch eine Chance haben, genügend Bekanntheit zu erreichen, und damit auch genügend Geld bringen, um die Entwicklungskosten zu decken. Daher gibt es auch bisher weit weniger deutsche Anwendungen, als die genannte Zahl der Entwickler vermuten lässt. Andere Netzwerke wie MySpace oder StudiVZ wollen – im Gegensatz zu Facebook – Zahl und Qualität der Anwendungen stärker kontrollieren.

Facebook steht nach Ansicht von Branchenkennern vor einem Umbruch. Das junge Unternehmen hat in jüngster Zeit einige erfahrene Manager wie Sheryl Sandberg von Google verpflichtet, während einige Akteure der ersten Generation wie der Technikchef Adam d’Angelo das Unternehmen verlassen haben. Eine Kulturrevolution bei Facebook auf Druck der Investoren sieht Cohler aber nicht. „Ich sehe keinen generellen Trend. Natürlich muss eine Firma, die so schnell wächst, auch erfahrene Leute einstellen.“ Mehr als 500 Mitarbeiter hat das Unternehmen nun und stellt in hohem Tempo weiter ein, um das rasante Wachstum zu bewältigen. Gerade erst hat sich Facebook 100 Millionen Dollar geliehen, um neue Netzwerkrechner anzuschaffen, die den Datenverkehr der 70 Millionen Mitglieder bewältigen können. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr rund 150 Millionen Dollar Umsatz erzielt und peilt nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg in diesem Jahr zwischen 300 und 350 Millionen Dollar Umsatz an.


1 Lesermeinung

  1. <p>Das finde ich echt spannend...
    Das finde ich echt spannend im Kontrast zum „Das Startup-Sterben“ hat begonnen; dem neulich hier veröffentlichten Post. In Deutschland wir den Unternehmen der Saft abgedreht und in den USA wollen sie nicht einmal Umsatz machen. Das zeigt die unterschiedlichen Kulturen, Risiko-Bereitschaft, aber auch das extreme „nach den Sternen greifen“. Und dass sich der Druck zur Refinanzierung erhöht sieht man ja in angesprochenen personellen Veränderungen. Es ist auch meine Meinung, dass ein noch so vielversprechendes Startup einen soliden Erlösplan haben sollte, der auch eingehalten wird. Je früher man auf eigenen Beinen steht, desto besser. Siehe Xing.

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