Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Nokias Pläne mit Plazes

Nokia hat das Berliner Internet-Unternehmen Plazes für einen einstelligen Millionenbetrag gekauft. Nokia will die Plazes-Software in sein Portal Ovi integrieren. Das Name Plazes soll dann verschwinden.

Nokia hat das Berliner Internet-Unternehmen Plazes mit seinen 13 Mitarbeitern komplett übernommen. „Diese Akquisition hilft Nokia seine Vision zu beschleunigen, Menschen und Plätze näher zueinander zu bringen“, sagte Niklas Savander von Nokia.

Plazes hat seinen Sitz zwar in Zürich, beschäftigt aber am Hauptstandort Berlin 13 Angestellte in der Entwicklungsabteilung. Ein Kaufpreis wurde von den beiden Unternehmen nicht genannt. Nach Informationen aus Branchenkreisen wird Nokia aber nur einen einstelligen Millionenbetrag für Plazes gezahlt haben, da die Finnen eigentlich nur an der Software interessiert sind. Plazes ist es bisher nicht gelungen, eine große Gemeinschaft aus eigener Kraft aufzubauen.Ein funktionierendes Geschäftsmodell hatte das Unternehmen bisher auch noch nicht gefunden.

Jetzt soll das Start-up vollständig in Nokias Internet-Portal Ovi integriert werden. Dann wird dort auch der Name Plazes verschwinden. Ob es eine Plazes-Anwendung außerhalb des Ovi-Portals geben wird, hat Nokia noch nicht entschieden.

Plazes bietet einen „Social-Activity“ Dienst an, mit dem Menschen ihre täglichen Aktivitäten planen, speichern und untereinander austauschen können. Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, in welchem Zusammenhang jemand zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort ist und wie hilfreich diese Information für gute Freunde sein kann. Allerdings hat das Unternehmen bisher aus eigener Kraft noch nicht den Massenmarkt erreicht.

Nokia-Manager Anssi Vanjoki hatte schon auf dem Venice Media Festival im April erklärt, wie Nokias Strategie aussieht – was damals sich schon sehr nach der Plazes-Idee anhörte: „Digitale Landkarten werden das User-Interface der nächsten Internetgeneration. Ich bin auf der Landkarte, alle Dienstleistungen sind darauf verzeichnet und auch die Menschen, zu denen ich Beziehungen habe – und natürlich auch die Werbung, um Geld zu verdienen. Die Landkarte sehen wir übrigens nicht nur auf den Mobiltelefonen, sondern auch auf den Internet- und Fernsehschirmen als Startpunkt“, sagte Vanjoki. Da sich viele Dienste im Internet nur durchsetzen, wenn sie kostenlos angeboten werden, baut Nokia ebenfalls auf Werbung als Finanzierungsquelle.

Nach Ansicht Vanjokis geht es beim Internet der nächsten Generation vor allem um den Kontext, in dem sich Menschen im Netz bewegen. Kontextinformationen wie „Wer bin ich“, „Wo bin ich“ und „Mit wem habe ich Beziehungen“ sind die wichtigsten Informationen. Auf dem Mobiltelefon, das in Zukunft selbstverständlich mit dem Satellitennavigationssystem GPS ausgestattet ist, können die Nutzer neben ihrem eigenen Standort auch die Aufenthaltsorte ihrer Freunde sehen.

Der nächste Schritt sei die Änderung der Medien: „Die Medien werden überall sein und immer dort, wo die Menschen sind. Das Lokale gewinnt an Bedeutung, denn die Menschen können auf den digitalen Landkarten jederzeit sehen, was in ihrem Umfeld passiert“, sagte Vanjoki

Link: Das große Start-Up-Sterben hat begonnen