Netzwirtschaft

Internet-Aktien verlieren in einem Jahr die Hälfte ihres Wertes

Die Finanzkrise, aber auch viele Managementfehler haben den Wert vieler Internetunternehmen in den vergangenen zwölf Monaten halbiert. In Deutschland haben sich Xing und Tomorrow Focus gut gehalten, deutlich unter dem Durchschnitt lag Freenet. In Amerika gehören Yahoo und Ebay zu den großen Verlierern. 

Der Wert der Freenet-Aktie ist von fast 20 Euro vor einem Jahr auf 5,50 Euro abgestürzt, wofür allerdings die Finanzkrise nur zum kleineren Teil verantwortlich ist. Der Übernahmekampf mit United Internet und Drillisch hat das Unternehmen stark belastet; zudem produziert die DSL-Sparte Verluste, was sich der Vorstandschef Eckhard Spoerr ankreiden lassen muss. Der Wert des Unternehmens an der Börse beträgt noch 677 Millionen Euro. (-> Eklat bei Freenet). Vielleicht könnte der Verkauf der DSL-Sparte der Aktie wieder Auftrieb geben. Das Unternehmen erwartet zwischen 300 und 400 Millionen Euro als Verkaufserlös.

Dem Kontrahenten United Internet haben der Dauerstreit mit Freenet und die Finanzkrise auch nicht gut getan. Zudem spürt das Unternehmen nun die Schwäche auf dem DSL-Markt. Von mehr als 16 Euro vor Jahresfrist ist der Kurs auf 7,30 Euro gefallen, der Börsenwert auf 1,83 Milliarden Euro. Viele Analysten haben das Unternehmen herabgestuft.

Vergleichsweise gut hat sich Xing gehalten – auch weil sich Lars Hinrichs bisher keinen Management-Fehler geleistet hat. Statt 35 Euro vor einem Jahr beträgt der Kurs aktuell rund 30 Euro und der Unternehmenswert 154 Millionen Euro. (-> Xing profitiert vom Stellenmarkt und der Online-Werbung)

In den Vereinigten Staaten zeigen Ebay (grüne Linie) und Yahoo (blau) die schlechteste Aktienperformance. Beide Unternehmen haben binnen Jahresfrist mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Aber auch die Kurse von Unternehmen ohne erkennbare Schwierigkeiten wie Google (rot) und Amazon (blau)  liegen rund 40 Prozent unter dem Vorjahreswerten. 

Die Yahoo-Aktie ist nach der geplatzten Übernahme durch Microsoft nur noch rund 13 Dollar wert; das ganze Unternehmen wird an der Börse nur noch mit 18,2 Milliarden Dollar bewertet. Hatte nicht Microsoft 45 Milliarden Dollar geboten?

Auch Google (und seine Mitarbeiter mit Aktienoptionen) hat es hart getroffen. Von den einst mehr als 200 Miliarden Dollar Börsenwert sind noch 115 Millliarden Dollar übrig geblieben; 365 Dollar ist die Aktie aktuell noch wert, nachdem sie schon einmal mehr als 700 Dollar kostete. 

Aus Ebay ist gar ein Schnäppchen geworden. 24 Milliarden Dollar ist das Unternehmen noch wert; der Aktienkurs hat binnen eines Jahres mehr als 50 Prozent an Wert verloren. Die Probleme sind primär hausgemacht, denn das Unternehmen hat trotz des Managementwechsels bisher nicht auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Nun soll ein Sparprogramm, dem auch 100 Stellen in Deutschland zum Opfer fallen, die Wende bringen. 

Trotz sauberer Performance und guter Zahlen hat die Börse auch Amazon abgestraft. Vom Spitzenwert 100 Dollar sind noch 58 Dollar geblieben; der Börsenwert beträgt 25 Milliarden Dollar. (-> Amazon wirbt Ebay die Händler ab)

Auch in der Internetbranche stellt sich nach dem Crash an der Börse die Frage, ob die neuen Börsenbewertungen eine Übernahmewelle anstoßen. Unternehmen mit guten Finanzierungsquellen haben nun gute Chancen, sich billig einzudecken. Zuerst könnte sich etwas auf dem DSL-Markt tun.(-> Endspiel um den Breitband-Markt)

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