Netzwirtschaft

3 von 5 Internetnutzern sind in sozialen Netzwerken aktiv

Web.de hat eine Studie in Auftrag gegeben, um zu zeigen, dass die E-Mail weiterhin die dominante Kommunikationsform ist. Und tatsächlich: “E-Mail ist unverändert das mit Abstand stärkste Kommunikationsmittel im Internet. Soziale Netzwerke haben keinen nachhaltigen Einfluss auf die Nutzung von E-Mail. Solche Kommunikationsservices werden vielmehr als zusätzliches Angebot verstanden”, lautet die Schlussfolgerung von Web.de aus der Repräsentativumfrage „Kommunikationsverhalten deutscher Internet-Nutzer”, die die Universität Augsburg und die Convios Consulting GmbH im Auftrag von Web.de erstellt haben.„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache”, sagt daher Web.de Geschäftsführer Jan Oetjen, dessen Geschäft gefährdet ist, wenn die Kommunikation abwandert. Während nahezu jeder Internet-Nutzer über eine E-Mail Adresse verfügt, habe die Befragung gezeigt, dass lediglich 58 Prozent in sozialen Netzwerken aktiv sind. „Soziale Netzwerke und Instant Messenging sind Teenager-Phänomene”, sagt Oetjen. Die Schallgrenze liege bei 25 Jahren; danach lasse die Nutzung von Studi VZ und Co. nach. „Mit dem Eintritt ins Berufs- und Familienleben wird die schnelle, flache Kommunikation mit Bekannten unwichtig und längere Nachrichten an den Lebenspartner, an feste Freunde, Behörden und Internet-Shops erhalten eine größere Bedeutung. Dafür eignen sich soziale Netzwerke und Spontannachrichten nicht”, sagt Oetjen.  

Lediglich 58 Prozent sind in sozialen Netzwerken aktiv? Und gar 96 Prozent der jugendlichen Nutzer? Nach gerade einmal drei Jahren, in denen es soziale Netzwerke in breiter Form gibt, sind diese Zahlen nicht schlecht. Und dass die E-Mail-Nutzung gar nicht darunter leidet, dass viele Menschen nun in ihren Netzwerken oder per Twitter kommunizieren, erscheint auf Dauer wenig plausibel, zumal die ältere Generation die sozialen Netzwerke erfahrungsgemäß langsamer für sich entdeckt. (-> Web 2.0 kannibalisiert die E-Mail)

Interessant an der Studie sind vor allem die Ergebnisse zur Bekanntheit der sozialen Netzwerke. Danach sind Studi VZ, Schüler VZ und MySpace vor allem bei jungen Menschen sehr bekannt, während Wer-kennt-wen, Xing und Stayfriends eher bei älteren Menschen (über 24 Jahre) bekannt sind. Den höchsten Bekanntheitsgrad weist jedoch Stayfriends mit 48 Prozent auf. Linkedin ist weder bei jungen noch bei älteren Menschen bekannt. Mein VZ kennt immerhin schon jeder fünfte Internetnutzer.

Bekanntheit sozialer Netzwerke

Spannend ist die Analyse der tatsächlichen Nutzung der sozialen Netzwerke, deren Ergebnisse allerdings nicht unbedingt plausibel sind. Schüler VZ weist einen überragenden Wert bei jungen Menschen aus, wird aber insgesamt nur von 8,8 Prozent der befragten Internetnutzer tatsächlich genutzt. Die höchste Nutzung haben aber weder Studi VZ noch Wer-kennt-wen, sondern Stayfriends mit 32 Prozent. Studi VZ und Wer-kennt-wen kommen auf Nutzungswerte von 20 Prozent, was bei 40 Millionen Onlinern 8 Millionen Nutzer in jedem Netzwerk bedeuten würde. Tatsächlich liegt die Zahl der registrierten Nutzer, die von den Unternehmen selbst angegeben wird, aber weit darunter. Facebook ist vor allem bei jungen Menschen beliebt und wird nach dieser Umfrage schon von 10 Prozent der deutschen Internetnutzer eingesetzt. Das wären 4 Millionen Nutzer, was aber doppelt so hoch ist wie die von Facebook selbst angegebene Nutzerzahl. Jeder Neunte nutzt nach dieser Umfrage Xing, aber nur 0,5 Prozent setzen bisher auf den amerikanischen Wettbewerber Linkedin.

Tatsächlich genutzte soziale Netzwerke

Trotz der Milliarden Klicks, die in Studi VZ, Schüler VZ oder Wer-kennt-wen auf die Kommunikation entfallen, verbringen die Menschen mehr Zeit mit E-Mails als mit der Kommunikation in sozialen Netzwerken, hat die Studie ergeben.

Nutzung der Kommunikationsformen E-Mail, soziale Netzwerke und Instant Messaging

Interessant ist die Altersstruktur der Nutzer der E-Mail-Dienste. Während Web.de offenbar der bevorzugte E-Mail-Dienst der Jugendlichen ist, sieht die Altersstruktur bei T-Online und Yahoo nicht so frisch aus. Web 2.0 hat aber schon aus dem Aufkommen der sozialen Netzwerke gelernt und will nun Web 2.0 Zentrale werden. Der Multi-Messenger war der erste Schritt; auf der Cebit soll dann der große Wurf folgen.

Tatsächlich genutzte E-Mail-Dienste

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