Netzwirtschaft

Interneteinnahmen amerikanischer Zeitungen brechen ein

Die Zeitungskrise in Amerika beschleunigt sich. Nicht nur die Print-Einnahmen brechen ein, sondern inzwischen auch die Online-Einnahmen. Das Internet, das zumindest bis Jahresanfang 2008 einen Teil der Verluste im Print hat abfedern können, ist spätestens seit Oktober auf steiler Talfahrt. Um 8,1 Prozent sind die Einnahmen im vierten Quartal gesunken, hat die amerikanische Verlegerorganisation NAA errechnet. Im vierten Quartal sind die Printeinnahmen der Zeitungen nach Angaben der NAA sogar um 20,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen. Insgesamt haben die Zeitungen im vergangenen Jahr 16,6 Prozent ihrer Einnahmen eingebüßt. Eine schöne Analyse der Zahlen und eine Prognose gibt der Newsosaur. Er erwartet in diesem Jahr einen Verfall um weitere 17 Prozent – auf das Niveau des Jahres 1993. 

 

Die Analyse auf Quartalsbasis zeigt, dass die Internet-Einnahmen schon seit dem 2. Quartal 2008 geschrumpft sind. 

Die Printeinnahmen fallen schon seit 2. Quartal 2006; seit Ende 2007 beschleunigt sich der Rückgang der Einnahmen sogar.

Die Zahlen bestätigen den Bericht zum State of the News Media, den das amerikanische Pew Research Center’s Project for Excellence in Journalism  gerade veröffentlicht hat. Ein zentrales Ergebnis aus Internet-Sicht: Die Zahl der Menschen, die das Internet als regemäßige oder gar wichtigste Nachrichtenquelle ansehen, ist sprunghaft gestiegen und hat dabei die Zeitungen überholt. “Wir werden auf 2008 zurückblicken als das Jahr, in dem das Internet-Publikum auf ein neues, nachhaltiges Niveau gehoben wurde. Der Wandel in Richtung der Online-Nachrichten hat aber auch den Abbau der ökonomischen Grundlagen des Nachrichtengeschäftes beschleunigt. Die Frage, wie die Internet-Reichweite monetarisiert werden kann, hat sich zu einem verzweifelten Bemühen entwickelt”, heißt es in dem Bericht. Und weiter: “Wenn das Nachrichtengeschäft sich einigermaßen treu bleiben soll, ist es nun offensichtlich, dass ein neues Geschäftsmodell entwickelt werden muss, in dem traditionelle Werbung bestenfalls ein Teil der Umsatzgleichung ist”, schreiben die Forscher.

Der Kernsatz des Reports lautet: 

“Perhaps least noticed yet most important, the audience migration to the Internet is now accelerating. The number of Americans who regularly go online for news, by one survey, jumped 19% in the last two years; in 2008 alone traffic to the top 50 news sites rose 27%. Yet it is now all but settled that advertising revenue-the model that financed journalism for the last century-will be inadequate to do so in this one. Growing by a third annually just two years ago, online ad revenue to news websites now appears to be flattening; in newspapers it is declining.”

In diesem Jahr werden die Online-Werbeeinnahmen der amerikanischen Nachrichtenseiten eher fallen als steigen, während Google wohl weiter zulegen wird, wenn auch auf niedrigerem Niveau als 2008. (Detailergebnisse im Kapital Economics)

Den Wandel in der Mediennutzung verdeutlich auch die folgende Grafik:

Schneller als die Mediennutzung ändert sich aber die Verteilung der Werbebudgets. Print verliert sehr schnell, aber das Internet kann bisher nicht in gleichem Ausmaß davon profitieren. Schon denken einige Medien über Bezahlinhalte nach und nehmen dafür in Kauf, sich vom Wachstum abzukoppeln und in Internet irrelevant zu werden, wie Medienforscher Clay Shirky prognostiziert

Der Löwenanteil des Interesses entfällt weiterhin auf die Hauptnachrichtenseiten wie MSNBC, Yahoo News und CNN.

Die Verleger haben auf das Internet reagiert. In den meisten Redaktionen sind Print und Online inzwischen voll integiert. Die Journalisten arbeiten also für alle beiden Medien parallel.

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Downloads zum Medienwandel:

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