Netzwirtschaft

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Youtube sperrt Musikvideos in Deutschland

| 11 Lesermeinungen

Wegen eines Streits mit der Verwertungsgesellschaft Gema sperrt Youtube seinen deutschen Nutzern den Zugriff auf Musikvideos dreier großer Labels. Die von der Gema geforderte Urheberrechtsvergütung sei mindestens 50 mal höher als in England, kritisiert Youtube.

Internetnutzer in Deutschland müssen auf der Videoseite Youtube künftig auf professionelle Musikvideos verzichten, darunter auch die Videos der drei großen Musikkonzerne Universal, EMI und Sony. Die Google-Tochtergesellschaft Youtube hat sich nicht mit der Verwertungsgesellschaft Gema über die weitere Vergütung für die Urheberrechte der von der Gema vertretenen Musik-Labels nach dem 31. März einigen können. „Die von der Gema geforderte Vergütung für Musikstreams ist ungefähr 50 mal höher als die Vergütung, die vom britischen Gema-Pendant PRS gefordert wird“, sagte Patrick Walker, Youtube-Direktor für Videopartnerschaften in Europa. Diese Forderung sei so unrealistisch, dass sie nur den einen Zweck verfolgen könnten, Internetunternehmen in ein Schiedsgerichtsverfahren zu zwingen, sagte Walker. Aufgrund der Rechtslage sei es Youtube nicht möglich, in dieser Zeit sein Musikvideoangebot aufrecht zu erhalten, da das Verfahren mehrere Jahre dauern könne. Walker kritisiert auch die Weigerung der Gema, genau mitzuteilen, welches Musikrepertoire sie noch vertrete. „Gema repräsentiert nicht mehr 100 Prozent des Repertoires in Deutschland. Obwohl wir die Gema wiederholt gebeten haben, uns ihr aktuelles Repertoire mitzuteilen, hat die Gema dies bisher nicht getan. Damit erwartet die Gema, dass Youtube für etwas zahlt, ohne dies genau zu kennen. Daher haben wir keine Wahl als den Zugriff auf die Musik dieser Labels für deutsche Youtube-Nutzer zu sperren“, sagte Walker. Bereits im Jahr 2007 hatte es Streit zwischen Youtube und der Gema über die Vergügung für die Urheberrechte an den Musikvideos gegeben. Daher hatte sich der Deutschland-Start von Youtube verzögert. Nach einigen Monaten hatten sich Youtube und die Gema dann doch auf einen Vertrag geeinigt, der am heutigen 31. März ausgelaufen ist. 

UPDATE 1: Inzwischen hat sich Sevenload mit Universal geeinigt und zeigt deren Videos. (-> Die Antwort auf Youtube: Sevenload zeigt Universal-Videos)

UPDATE 2: Der Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT), der nach eigenen Angaben 1200 Labels, Verleger, Produzenten und Vertriebe vertritt, die mehr als 50 Prozent der Neuveröffentlichungen auf dem deutschen Musikmarkt repräsentieren, hat mit drei Tagen Verzögerung auf Youtubes Sperre reagiert. Der VUT wird Youtube eine gezielte Fehlinformation und den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung um auf dem Rücken der Nutzer vor, um Stimmung gegen Autoren und ihre Vertreter zu machen.

Hier die VUT-Argumentation: 

“Die Attraktivität des Angebotes der YouTube LLC basiert im Wesentlichen auf den für Nutzer kostenfrei zur Verfügung gestellten audiovisuellen Inhalten, die urheberrechtlich geschützte musikalische Werke enthalten. YouTube verkauft Werbung auf Grundlage millionenfacher  Nutzungen dieser Inhalte. Eine Beteiligung für die Autoren der Inhalte ist in diesem Geschäftsmodell sowohl gesetzlich vorgeschrieben als auch angemessen und fair.

Über die angemessene Höhe der Vergütung muss natürlich verhandelt werden. Die GEMA ist mit dem Angebot einer Minimalvergütung von 1 cent pro Stream in die Verhandlungen gegangen.

Wie auch schon in England, weigert sich You Tube aber grundsätzlich sowohl über eine – egal wie niedrige – Vergütung pro Stream zu verhandeln als auch die für eine Abrechnung an Autoren benötigten Nutzungsdaten zur Verfügung zu stellen.  Das willkürliche Zurückhalten der Nutzungsdaten schädigt vor allem Nachwuchskünstler und Künstler mit kleinen Einkommen, die bei Verrechnungen von Pauschalen immer benachteiligt sind.

Was die Höhe der Vergütung angeht: Nur die PR Strategen des Google Konzerns können nachvollziehen, warum 1 cent pro Stream einem Preis von 500 Euro für eine CD entspricht wie ein YouTube Manager vor laufenden Fernsehkameras behauptet.

Die Realität sieht anders aus. Bisher hat kein Autor in Deutschland einen Cent für die Milliarden Nutzungen von Musik auf YouTube erhalten. In England wurden erste Zahlungen vorgenommen. Hier berichtet der Songschreiber Mark Kelly, der für die Band Marillion schreibt, dass er insgesamt 0,6 Pence für mehr als 10 Millionen Nutzungen erhalten hat. 

Der Abbruch der Verhandlungen, die Sperrung einer willkürlichen Auswahl von Musikvideos und die gezielte Verbreitung von Fehlinformationen an Medien sind für uns unakzeptable Verhandlungstaktiken für einen marktbeherrschenden Konzern im Umgang mit Künstlern und ihren Vertretern.

Wir fordern deshalb YouTube auf, Ihrerseits mit einem vernünftigen Vorschlag zur minimalen Vergütung eines Streams auf dem ihre Werbeeinnahmen basieren, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Wenn YouTube unbedingt mit dem Sperren von Inhalten Druck erzeugen will, sollten wirklich alle Inhalte heruntergenommen werden, die Musik enthalten. Es wäre interessant zu sehen wie attraktiv das Angebot von YouTube ohne Musik für Nutzer wäre”

 

 


11 Lesermeinungen

  1. Alex sagt:

    Ich denke bei youtube ist es...
    Ich denke bei youtube ist es eigentlich egal, ob sich da jemand Musikvideos anschaut. Das Konzept dieses Google geführten Unternehmens ist doch wahrlich ein anderes. Es gibt nun mittlerweile einige OnlineSender die das ganz gut selbst hinbekommen, ohne den User auf den Nerv mit Werbeeinblendungen zu gehen.
    Verbindet man dann einige Projekte sinnvoll miteinander entstehen sogar wundervolle Synergien.
    Siehe da, die Industrie wird durch neue Ideen und schlaue nachwachsende Köpfe wachgerüttelt. Nicht nur die “Kohle” zählt, sondern das Herz an der Sache. Alles andere ist eine Kopie, der Kopie, der Kopie ….
    https://www.Frische.tv

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