Netzwirtschaft

Burda baut "Google-News-Killer" und teilt mit Urhebern

Bild zu: Burda baut "Google-News-Killer" und teilt mit UrhebernGoogle News bekommt Konkurrenz: Die zum Medienhaus Burda gehörende Tomorrow Focus AG hat das Finanzportal Finanzen 100 gestartet, das seine Inhalte nicht selbst erstellt, sondern 12.000 Quellen aus dem Internet aggregiert. In der kommenden Woche wird Nachrichten.de folgen, eine ebenfalls vollautomatisch erstellte Nachrichtenseite, die 600 journalistische Quellen zusammenfasst.

Anders als Google wird Tomorrow Focus die Inhaltelieferanten an den Werbeerlösen auf der Seite beteiligen. „Wenn wir nur den Teaser des Textes zeigen, erhält der Urheber 20 Prozent des Werbeerlöses”, sagte Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online, der FAZ. Der Teaser enthält immer einen Link auf die Originalquelle. „Wenn mehrere Teaser auf einer Seite gezeigt werden, müssen sich die Urheber die 20 Prozent teilen”, sagte Wegner. Das Teilen wird zunächst auf Nachrichten.de getestet und soll nach dem Test auf Finanzen100 und weitere folgende Aggregationsportale übertragen werden.

Ausschnitt aus Burdas News-Aggregator Nachrichten.de

In einem zweiten Schritt können die Urheber zustimmen, dass auch der gesamte Text auf den Tomorrow-Focus-Seiten gezeigt wird. „In diesem Fall erhält der Urheber die Hälfte des Werbeerlöses”, sagte Wegner. Das sei dann interessant, wenn die Burda-Seiten eine höhere Reichweite haben als die Originalseiten und damit höhere Werbepreise erzielen können. Die neuen Portale werden von Tomorrow Focus vermarktet und können auch Google-Werbung enthalten. Um den Anteil an den Werbeerlösen zu erhalten, müssen die Urheber zuvor einen Vertrag unterschreiben. Das Geld wird allerdings erst ausgezahlt, wenn mindestens 500 Euro erreicht sind. Als nächsten Schritt wollen die Entwickler eine Programmierschnittstelle (API) anbieten, mit deren Hilfe andere Internetseiten die Inhalte der neuen Portale auf ihren eigenen Seiten einbinden können.

Aus einer Tomorrow-Focus-Präsentation

Große Umsatzerwartungen hat man bei Burda allerdings nicht. „Man wird im ersten und zweiten Jahr nur moderate Beträge einnehmen. Uns ging es mehr darum, ein Signal zu setzen”, sagte Wegner. Sein Chef Hubert Burda hatte sich zuletzt vehement über die Suchmaschine Google beklagt, die mit den Inhalten der Verleger Geld verdiene, diese aber nicht an den Werbeerlösen beteilige. Burda hatte sogar davon gesprochen, Google enteigne die Verlage schleichend. (Lesetipp dazu: “Verleger müssen wie Google denken”) Doch natürlich weiß auch Hubert Burda, dass die Verlage auf die kostenlos zugeführten Leser von Google angewiesen sind. Die Kritik greift also ins Leere, denn den Mut, Google auszusperren, hat auch Hubert Burda nicht. Denn sein Flaggschiff Focus Online profitiert besonders von den Lesern, die von Google kommen, wie eine aktuelle Analyse von Meedia zeigt:

(Der “Google-News-Value-Index” (SGNVR) setzt die Anzahl der bei Google News indexierten Artikel mit der Dauer und der Art der Platzierung (ob als Schlagzeile auf der Startseite oder nur als ein Link in einer der Kategorien) ins Verhältnis. Der Index wurde von Searchmetrix entwickelt.)

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