Netzwirtschaft

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Entwickelt Google ein iTunes für Verlage?

| 4 Lesermeinungen

Google entwickelt ein Bezahlsystem, das speziell auf die Bedürfnisse der Verlage abgestimmt sein soll. Allerdings warnt die Suchmaschine: "Dies wird nicht die Norm für den Zugang zu Inhalten".

Für die Verlage, die ihre Zukunft im Netz im Paid Content sehen, hat Google nun einen Vorschlag (PDF): Auf der Basis des bereits bestehenden Google-Zahlsystems Checkout will Google bis zum kommenden Jahr ein System entwickeln, das Verlage sowohl für Online-Abonnements wie für Micropayments einsetzen können. Das Projekt sei allerdings noch in einem frühen Planungsstadium, gibt Google zu.

Das Zahlungssystem soll folgende Eigenschaften bekommen:

  1. – Single-Sign-On für Nutzer, um Zugang zu Inhalten zu bekommen und die Abonnements zu managen
  2. – Möglichkeit für Verlage, die Abonnements verschiedener Titel in einem Preis zu kombinieren
  3. – Möglichkeit für Verlage, verschiedene Zahloptionen anzubieten und einfach Inhalte vor und hinter die Zahlschranke zu verschieben.
  4. – Verschiedene Zugangsmöglichkeiten wie 1) Nur Ausschnitte mit Abo-Label, 2) Zugang zu Preview-Seiten und 3) „first click free“ Zugang
  5. – Einbau von zusaätzlichen Werbesystemen

Google Checkout ist nach Angaben von Google bisher von mehr als zehn Millionen Nutzern für den Kauf von Produkten  eingesetzt worden. Der Wert der Produkte habe mehrere mehrere Milliarden Dollar betragen. Mehr als eine halbe Million Händler in den Vereinigten Staaten und Großbritannien biete Checkout als Zahlungssystem an. In Deutschland ist Checkout allerdings nicht sehr weit verbreitet. In Deutschland dominieren die Ebay-Tochtergesellschaft PayPal und – mit Abstand – Click&Buy den Markt der elektronischen Zahlungssysteme. Weiterhin sind aber klassische Zahlsysteme per Nachnahme oder Kreditkarte beliebter. Das Problem mit diesen beiden Zahlungssystemen sind aber die hohen Transaktionskosten je Zahlvorgang, die Mikropayments unrentabel machen.

Das Blog Mashable vermutet, dass Google eine Modell plant, das wie iTunes funktioniert. Das Modell sehe vor, dass Google 30 Prozent der Einnahmen behält und 70 Prozent an die Publisher ausschüttet.

Allerdings dämpft Google auch gleich die Erwartung, ein Bezahlsystem könne alle Probleme der Verlage in der digitalen Welt lösen. „Wir glauben nicht, dass dies die Norm für den Zugang zu Inhalten wird“, schreibt Google.

Google’s proposal to the Newspaper Association of America


4 Lesermeinungen

  1. Hallo,

    für die Zukunft...
    Hallo,
    für die Zukunft merken sollte man sich, dass es die Verlage waren, welche bislang frei zugänglichen Informationen einen goldenen Riegel vorgeschoben haben. Sowas wird gerne mal verdreht, nicht dass später in Geschichtsbüchern geschrieben steht, Google wäre es gewesen…
    Grüße
    Gretus

  2. Ich bezweifle, dass diese...
    Ich bezweifle, dass diese Maßnahme einen relevanten Massenmarkt erreicht. Es mag wohl so kommen, dass einige Intensivleser und Gewerbetreibende auf das Angebot zurückgreifen werden, aber eine kritische Masse wird das Angebot sicherlich nicht erreichen. Die Kunden sträuben sich ja selbst bei Musik, einen humanen Preis von 99cent zu bezahlen. Wieso sollten diese Konsumenten für einen Artikel bezahlen, der höchsten 1 Tag aktuell ist? Die Gegenwartsprobleme mit einem Modell der Vergangenheit zu lösen, halte ich für wenig innovativ. Trotzdem wünsch ich viel Erfolg.

  3. Ich meine ein gewisses...
    Ich meine ein gewisses Aufatmen in den Chefetagen der Verlagsbranche gehört zu haben, als die Meldung kam. Im besten Fall löst dieser längst fällige Aufbruch von Google die verkrampfte Starre bei den Meinungsmachern in unseren Landen, im schlimmsten Fall schafft es Google einige Euros zu verdienen und die Nachrichtenseiten daran zu beteiligen.
    Ich finde es gut und sage toi toi toi Google. Wir suchen, du findest.

  4. In seinem Buch "The Media are...
    In seinem Buch „The Media are American“ schreibt Jeremy Tunstall, dass Medientechniken zwar überall auf der Welt entwickelt werden – die Geschäftsmodelle aber seit über 100 Jahren fast immer zuerst in den USA entwickelt wurde. So wird es wohl auch diesmal sein. Hierzulande wird kein Verlagskonsortium und kein Abo-Zwischenhändler anfangen, in Bezahlinhalte-Infrastrukturen zu investieren – bevor es sich nicht in den USA bewährt hat.
    Daher werden die Schritte das Thema auch hierzulande anschieben. Schade natürlich, dass nun auchgerechnet Google noch mehr Macht und Daten erhalten wird.
    Das wäre eine interessante Wendung, wenn am Ende möglicherweise das Kartellamt oder die Meinungsmachtkontrolle verhindert, dass Google den Verlagen hilft.

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