Netzwirtschaft

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United Internet steigt bei Wunderloop ein

| 4 Lesermeinungen

United Internet beteiligt sich am Online-Werbespezialisten Wunderloop, weil der eigene Versuch, in diesem Markt Fuß zu fassen, nicht funktioniert hat. Wunderloop bekommt genügend Geld, um die Durststrecke bis zur Gewinnzone zu erreichen. Und gemeinsam versprechen sich die Unternehmen auch mehr Power gegen Google.

In der Online-Werbewirtschaft schreitet die Bereinigung voran: United Internet beteiligt sich am Technologieanbieter Wunderloop und bringt auch sein Konkurrenzprodukt TGP mit ein. Damit bleiben von den drei Anbietern so genannter Targeting-Systeme, die Werbung zielgerichtet an den Nutzerinteressen ausliefern, zwei Unternehmen übrig. Neben der Kombination aus Wunderloop und United Internet ist als unabhängiger Konkurrent nur noch das Berliner Unternehmen Nugg.ad am Markt tätig. Sie können allerdings den Markt nicht unter sich aufteilen, sondern stehen in Konkurrenz zu den Eigenentwicklungen, vor allem von Google und den Mediaagenturen. Wie viel Geld United Internet neben dem Technologietransfer für die Minderheitsbeteiligung zahlt, steht noch nicht fest. „Die Verhandlungen sind weit gediehen, aber noch nicht vollständig abgeschlossen“, sagte Matthias Ehrlich, Chef von United Internet Media, der FAZ.

United Internet hat in den vergangenen Monaten versucht, Internetunternehmen als Kunden für seine selbstentwickelte TGP-Lösung zu finden. Allerdings ohne Erfolg, denn die Internetunternehmen waren nicht zu überzeugen, dass TGP ein neutraler, unabhängig vom Branchenprimus United Internet betriebener Dienstleister ist. „Wir hatten zwei Alternativen: Einen neuen, speziellen TGPopen Dienstleister zu gründen oder TGP in einen existierenden Dienstleister zu integrieren. Letzteres hat viele Vorteile, vor allem die schnellere time-to-market, aber auch weil wir gelernt haben, dass dem jetzigen Modell die Neutralisierung von TGP einfacher zu glauben ist“, sagte Ehrlich, dem es auch nach vielen Monaten nicht gelungen ist, Partner für sein System zu finden.

Bild zu: United Internet steigt bei Wunderloop einDie Zusammenlegung mit Wunderloop soll also einerseits einen schlagkräftigen, finanziell abgesicherten Anbieter schaffen, und zweitens die Zweifel an der Unabhängigkeit beseitigen. Aus diesem Grund beteiligt sich United Internet auch nur mit einer Minderheit. „Wunderloop ist auch für weitere Beteiligungen in Deutschland offen“, sagte Torsten Ahlers (Foto), der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. Das Ziel sei, so Ahlers, den Standard für die europäische Online-Werbewirtschaft zu setzen. „Und das möglichst schnell, bevor Google den Markt aufrollt“, sagte Ahlers. Die Suchmaschine hat ein eigenes Targeting-System entwickelt und versucht nun auch im Geschäft mit der graphischen Online-Werbung Fuß zu fassen. Die Vorteile des Google-Systems liegen vor allem in der Aggregation vieler kleinerer Internetseiten, während Wunderloop und Nugg.ad eher auf große Anbieter spezialisiert sind.

„Noch sind die Produkte von Wunderloop und United Internet komplementär. Bis zum dritten Quartal 2010 soll daraus ein gemeinsames Produkt entstehen“, sagte Ahlers. Dieses Produkt soll dann vor allem den Online-Werbevermarktern in Europa angeboten werden, denn Deutschland ist in dieser Technologie führend. „In das Produkt für die Agenturen wird TGP aber nicht einfließen“, sagte Ahlers. United Internet Media wird damit der größte Kunde von Wunderloop. Das Unternehmen ist auch heißer Favorit, der bevorzugte Technologielieferant für die so genannte Targeting-Allianz aus Gruner + Jahr, IP Deutschland (RTL), Sevenone Media (Prosieben Sat.1) und Tomorrow Focus (Burda) zu werden. Die Einigung zwischen United Internet und Wunderlopp bedeutet aber nicht, dass United Internet auch Mitglied der Targeting-Allianz wird.


4 Lesermeinungen

  1. "so genannte...
    „so genannte Targeting-Systeme, die Werbung zielgerichtet an den Nutzerinteressen ausliefern“,
    nun, es würde Zeit, mal über die dahinter stehende, völlig unangemessene Schnüffelpraxis zu informieren.
    Aber das muss man sich ja erst trauen, nicht wahr …

  2. nugg.ad rockt!...
    nugg.ad rockt!

  3. Es wird einen Grund haben,...
    Es wird einen Grund haben, dass man in der Branche hinter vorgehaltener Hand nur noch über „wunderpoop“ redet. Google frisst die sowieso eines Tages, da kann die Rotweinfraktion noch so grosse Texte daherreden.

  4. <p>In meinen Augen ist es der...
    In meinen Augen ist es der falsche Ansatz. Zwar ist es lobenswert, Targeting und alles einzuführen, jedoch finde ich die Banner-Formate in Web 2.0 Zeiten einfach veraltet und mit schlechter Performance.
    Wieso versuchen die Anbieter immer, alte Formate neu aufzulegen mit Targeting.
    Am Ende freut sich eh Google, weil die durch Innovationen neue Formate herausbringen und schon wieder die Nase vorne haben.
    lg Sebastian

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