Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr gering

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Die Diskussion um "Paid Content" spaltet die Verlagsbranche: Einige halten die Kostenlos-Kultur für einen Geburtsfehler, andere für zwingend geboten im Netz. Selbst die Ökonomen sind sich uneins, ob Pay im Internet funktionieren kann.

„Paid Content“, bezahlte Inhalte im Internet, werden 2010 das große Thema in den Online-Strategien der Verlage. Viele Medienhäuser experimentieren mit Bezahlmodellen, oft auf mobilen Geräten wie dem iPhone, künftig auch häufiger im stationären Internet. Allerdings ist das Wissen, welche Bezahlmodelle die Nutzer akzeptieren, noch sehr begrenzt. „Online-Abo-Modelle bergen das große Risiko, dass die Nutzer für immer wegbleiben. Nur über Einzelabrufe richtig guter Inhalte lässt sich der Weg zum Abonnement Schritt für Schritt ebnen“, sagt Charles Fränkl, der Vorstandsvorsitzende des Online-Zahlungsdienstleisters Click and Buy. Das Unternehmen wickelt in diesem Jahr Transaktionen digitaler Güter im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro ab.

Zu hohe Hürden könnten die ohnehin niedrige Zahlungsbereitschaft im Netz zusätzlich mindern. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK-Verein) sind nur 9 Prozent der Deutschen bereit, für digitale Informationen im Netz zu zahlen. 11 Prozent sind es im europäischen Durchschnitt. Für Nachrichten wollen 10 Prozent der Nutzer in Deutschland zahlen. Besonders niedrig ist die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Filme, Sport und Finanzangebote. Einzig für Spiele ist die Zahlungsbereitschaft hierzulande höher als im europäischen Durchschnitt. 

Bild zu: Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr gering

Quelle: GfK Verein/WSJE, Studie „Internet“, Herbst 2009

Selbst die wenigen Zahlungswilligen im Netz wollen aber nicht allzu tief in die Tasche greifen: Nach einer Umfrage von Harris Interactive und PaidContentUK in Großbritannien zeigten sich nur 4 Prozent der Befragten bereit, mehr als umgerechnet 24 Cent für einen einzelnen Beitrag zu zahlen. Für ein Online-Abonnement einer Nachrichtenseite lag die Obergrenze der großen Mehrheit bei 11 Euro im Monat. Mehr als die Hälfte dieser Zahlungswilligen zeigte eine Präferenz für Online-Jahresabonnements, weil ihnen der Einzelkauf zu umständlich war. Bild zu: Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr gering21 Prozent bevorzugten den Einzelabruf und 26 Prozent einen Tageszugang. Je höher das Einkommen, desto stärker zogen die Befragten ein Online-Abonnement dem Einzelabruf oder dem Tageszugang vor. Nach Ansicht von Fränkl müssen die Verlage die Zahlungsbereitschaft für ihre digitalen Inhalte zuerst vorsichtig herausfinden. „Verlage müssen die Fähigkeiten aufbauen, die richtigen Preispunkte für die Inhalteklassen herauszufinden. Das kann nur über ein ‚Trial and Error‘-Verfahren geschehen“, sagt Fränkl. Ein Vorbild dafür könne die Mobilfunkindustrie sein, die zum Beispiel 19 Cent für eine SMS durchgesetzt habe. Die Verlage sollten ihre Preise mehrmals am Tag ändern können, um die Kaufbereitschaft zu testen, die sich individuell unterscheide. Wer schon einmal einen digitalen Inhalt gekauft habe, weise für einen ähnlichen Artikel eine höhere Zahlungsbereitschaft auf; entsprechend höher könne der Preis angesetzt werden, sagt Fränkl. Dafür sei allerdings der Aufbau entsprechender technischer Systeme nötig, die den Nutzern weitere relevante Artikel, Spezialberichte oder Dossiers anbieten könnten, die zum schon gekauften Inhalt passten. 

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Springer-Chef Mathias Döpfner versucht eher mit markigen Worten als mit konsequenten Taten seine Verlegerkollegen von Paid Content zu überzeugen. Forderungen aus dem Web nach Gratisinhalten seien „abstruse Fantasien von spätideologisch verirrten Web-Kommunisten“, sagte er dem Manager-MagazinBild zu: Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr geringInhalte im Netz kostenlos anzubieten sei Unsinn für die Verlage. „Wir waren nicht groß genug, um diesen Wahnsinn allein zu stoppen.“ Auch für Google fand er starke Worte: „Es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten“. Dabei haben gerade Bild.de und Welt.de ihren Aufschwung vor allem einer cleveren Google-Optimierung zu verdanken. Google auszusperren wäre auch für Döpfner ein Leichtes. Und auch das Hamburger Abendblatt, Springers jüngstes Paid-Content-Produkt, hat Google alle Türen offengelassen. Wer die Überschrift des Artikels bei Google News eingibt gelangt ebenso an der Zahlschranke vorbei wie mit der Installation der Firefox-Erweiterung „User Agent Switcher“ oder der Nutzung des mobilen Angebots, schreibt Heise. Überdies vermittelte Springer den Eindruck, nur seine technisch nicht versierten Leser zur Kasse bitten zu wollen; allen anderen wurden genügend offene Wege zum Inhalt gezeigt. (Lesetipp dazu: Stefan Niggemeier: Aussichtslos, selbstmörderisch, unverschämt)

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Unterdessen streiten die Ökonomen, ob die Kostenlos-Kultur im Internet ein Geburtsfehler ist oder das ökonomisch zwingende Ergebnis, wie es Chris Anderson in seinem Buch „Free“ aus Industriesicht beschrieben hat. Ökonomen haben noch andere Argumente, warum kostenlos nicht sinnlos ist. Medienmärkte sind nämlich sogenannte zweiseitige Märkte. Die Eigenschaften dieser Märkte zeigen, dass die Kostenlos-Kultur eine sinnvolle Strategie ist und sich auch nicht mit einem einfachen Preiskartell abschaffen lässt. Auf zweiseitigen Märkten sind zwei Netzwerke oder Gruppen vorhanden, deren Nutzen gegenseitig von der Größe des jeweils anderen Netzwerks beeinflusst wird. Das bedeutet auf Medienmärkten: Werbekunden profitieren von einer großen Zahl an Lesern; gleichzeitig wird der Nutzen der Leser vom Ausmaß der Werbung beeinflusst. Typisch für zweiseitige Märkte ist die Preisgestaltung: Ein besonders geringer Preis für Inhalte führt zu einer entsprechend hohen Lesernachfrage und damit – aufgrund des positiven Netzwerkeffekts – zu einer hohen Nachfrage auf dem Werbemarkt. 

In vielen Medien, die von solch hohen positiven Netzwerkeffekten geprägt sind, lassen sich deshalb Preise unterhalb der Grenzkosten oder gleich null beobachten, zumal wenn die Preiselastizität der Nachfrage hoch ist, da die Konkurrenz groß ist und die Wechselkosten niedrig sind, wie der Ökonom Ralf Dewenter in der Zeitschrift „Wirtschaftsdienst“ schreibt. Ein Preis von null sei also nicht unbedingt Ausdruck einer mangelnden Zahlungsbereitschaft oder eines wettbewerbswidrigen Verhaltens, sondern Ausdruck der Optimierung beider Märkte. „Denkbar wäre zwar die Einführung eines Preiskartells. Dass ein solches Vorhaben erfolgreich sein wird, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Ein Abweichen von einer solchen Absprache würde unmittelbar dazu führen, dass kostenlose Angebote einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit deutlich höhere Gewinne am Werbemarkt realisieren könnten. Gewinnmaximierend wäre ein solches Kartell mit Sicherheit nur dann, wenn die Preise auf dem Leser- und dem Werbemarkt abgesprochen werden“, schreibt Dewenter. 

Aufgrund der Eigenschaft der Medienprodukte, dass sie – einmal erstellt – ohne weitere Kosten unendlich häufig konsumiert werden können, sei es rational, die Inhalte so weit wie möglich zu verbreiten, was dem Modell der Hyper-Distribution von Jeff Jarvis entspricht. Die Kosten werden nicht beeinflusst, aber die Werbeeinnahmen können von der gestiegenen Aufmerksamkeit profitieren, argumentiert Dewenter. Sein Fazit: Die Existenz kostenloser Inhalte lässt sich einfach mit den ökonomischen Eigenschaften des Medienmarktes erklären: Mehrseitigkeit, Kostenstruktur, hohe Preiselastizität der Nachfrage und hohe Wettbewerbsintensität. „Von einem möglichen Ende der sogenannten Gratiskultur kann also aus mehreren Gründen nicht die Rede sein“, schreibt Dewenter. _________________________________________________________________________

Bild zu: Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr geringGoogle Chefökonom Hal Varian
„Früher hatte eine Zeitung in ihrer Region eine Monopolstellung. Heute konkurrieren aber viele Medien miteinander. Wenn der Artikel im Wall Street Journal über den Iran dem Artikel in der New York Times oder der Washington Post sehr ähnlich ist, sinkt der Preis für die Nachricht wegen des Wettbewerbs auf seine Grenzkosten. Und diese Kosten für die Bereitstellung einer weiteren Einheit dieser Standard-Nachricht betragen im Internet eben null.
 FAZ.NET
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Die Vorstellungen über den Preis für digitale Produkte gehen weit auseinander. „Wenn der Artikel im ,Wall Street Journal‘ über Iran dem Artikel in der ,New York Times‘ oder der ,Washington Post‘ sehr ähnlich ist, sinkt der Preis für die Nachricht wegen des Wettbewerbs auf seine Grenzkosten. Und diese Kosten für die Bereitstellung einer weiteren Einheit dieser Standard-nachricht betragen im Internet eben null“, argumentiert der Google-Chefökonom Hal Varian. Die Regel, dass der Preis auf seine Grenzkosten fällt, hält Stefan Kooths vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aber für nicht zutreffend. „Entscheidend sind nicht die Grenzkosten der Verbreitung, sondern die Grenzkosten der Produktion der Inhalte. Diese Kosten sind nicht vernachlässigbar. Da journalistische Kapazität knapp ist, kann nicht über jedes Ereignis gleichermaßen in erschöpfendem Umfang und gleich hoher Qualität berichtet werden“, schreibt Kooths in einem Beitrag für die Publikation „Wirtschaftsdienst“. (PDF) Kooths appelliert darin an die Durchhaltefähigkeit der Verlage: „Preismodelle haben es schwer, wenn sie gegen Konkurrenten mit Gratisangeboten antreten müssen. Solange private Anbieter ein Gratisangebot aufrechterhalten können, das den Nutzeranforderungen entspricht, wandern Kunden zu diesen ab. Ist das Geschäftsmodell der Gratiskonkurrenten stabil, so kann dieses von anderen adaptiert werden. Falls nicht, geht der Konkurrent früher oder später unter. Scheiden dann mehr und mehr Gratisanbieter aus, verringern sich die Abwanderungsalternativen, und echte Preismodelle finden leichter Akzeptanz.“ Was er allerdings nicht berücksichtigt: Die Verlage stecken in einer Situation, die Ökonomen als Gefangenendilemma bezeichnen: Jedes gemeinsame Vorgehen ist unwahrscheinlich, da der Anreiz, aus dem Kartell auszuscheren, wegen der hohen zusätzliche Werbeeinnahmen sehr groß ist. Neben den ökonomischen Konsequenzen warnt der amerikanische Medienwissenschaftler Clay Shirky auch vor den publizistischen Folgen einer Zahlschranke. „Verlage wandeln zwischen 1 und 10 Prozent ihrer Online-Leser in Abonnenten um, verabschieden sich aber vom Wachstum. Und die Möglichkeit, eine große Story zu haben, die um die Welt geht, können sie dann vergessen“, warnt er. „Hinter einer Paid-Content-Mauer sinkt die Relevanz des Mediums.“ Daher werden 2010 mehr Paid-Content-Experimente zu sehen sein, die Bezahlinhalte anbieten, ohne Google die Tür zuzuschlagen. Dabei aber – wie Springer – den „schlauen Nutzern“ den Zugang weiter gratis zu ebnen und die „dummen Nutzer“ zur Kasse zu bitten, kann nicht funktionieren. 2010 wird das Jahr des „Trial and Error“ in Sachen Paid Content.   

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Bild zu: Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr geringChris Anderson, Wired-Chefredakteur und Autor des Buches „Free“
„Nach einigen Jahren mit Online-Experimenten, bei denen immer wieder versucht wurde, die Nutzer für Inhalte zahlen zu lassen, wurde es fast jedem klar, dass der Kampf gegen die digitalen Gesetzmäßigkeiten einen aussichtsloses Unterfangen war. Free hat gewonnen“. Lediglich spezialisierte Informationen, die den Lesern einen hohen Nutzwert bringen und konkurrenzlos sind, seien verkäuflich“  FAZ.NET
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Links:

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Bild zu: Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr geringTägliche Infos zur Netzökonomie 
unter twitter.com/HolgerSchmidt (Web / Media / Social Media)
und twitter.com/netzoekonom (Mobile / Telco)

 


36 Lesermeinungen

  1. Am "paid Content" verdienen ja...
    Am „paid Content“ verdienen ja auch mit: Dienstleister für das Bezahlverfahren, Kundenservice für Reklamationen, Banken, Anwälte für die Hatz nach Content-Dieben. Ob da wirklich viel für die Refinanzierug der „Contents“ übrig bleibt, darf man doch sehr bezweifeln.
    Ich würde folgendes Verfahren vorschlagen:
    In jede von einer „Bundesstelle für die Zertifizierung förderungswürdiger publizistischer Angebote“ zertifizierte Redaktion wird ein Mitarbeiter dieser Bundesstelle implantiert. Die Redakteure reichen vor Publikation ihre Artikel bei diesem Mitarbeiter ein. Vergibt er das Prädikat „Förderungswürdiges publizistisches Angebot“, wird der Artikel für den Leser kostenfrei publiziert. Alle anderen – nicht förderungswürdigen bzw. nicht eingereichten – Artikel müssen im Paid Content Verfahren abgerechnet werden. Einmal im Monat findet nun eine große Umverteilung statt, zwischen allen zertifizierten Medien. Alle Einnahmen aus dem Paid Content Bereich werden umverteilt auf die „förderungswürdigen Artikel“ und zwar nach dem Anteil der Besucher im Monat dieser Artikel im Verhältnis zu allen Besuchern förderungswürdiger Artikel. Das Paid Content-Verfahren wird zentralisiert durch eine neue „Zentralstelle zur Erfassung und Abrechnung publizistisch förderungswürdiger Publikationen“ betrieben. Für die publizistischen Einheiten hat das folgende Vorteile:
    * strikte Trennung zwischen Redaktion und Refinanzierung
    * Konzentration auf publizistisch förderungswürdige Inhalte
    * nicht förderungswürdige Inhalte werden hinter Pay-Schranken eingesperrt
    * damit erzielen die förderungswürdigen Inhalte einen publizistischen Vorteil
    * Lesen bildet wieder, damit steigen die Absatzchancen für Hochwertiges
    Die publizistischen Einheiten können ihre Vermarktungsabteilungen schließen, weil sie planbar und staatlich organisiert einen stetigen Einnahmenstrom erhalten.
    Die freigesetzten Mitarbeiter aus den Vermarktungsabteilungen können nahtlos in die Zentralstellen des Staates für die „Zertifizierung“ und „Abrechnung“ wechseln.
    Für die Leser hat das Verfahren den Vorteil, dass die hochwertigen Inhalte alle kostenlos sind und die „Dummen“ das Niveau finanzieren müssen.
    Reichen die Finanzmittel die generiert werden nicht aus, könnten Spenden in den Topf für förderungswürdige publizistische Einheiten ja steuerlich absetzbar erklärt werden und auch Landes-/Bundes-/EU-Zuschüssen wären denkbar.
    Dieses Verfahren wäre ohne großen Aufwand einführbar, auch mit dem EU-Recht in Einklang und jederzeit internationalisierbar.

  2. Es gibt wohl kaum eine...
    Es gibt wohl kaum eine größere Diskrepanz innerhalb dieses Themenkreises als die Einschätzung der Zahlungsbereitschaft der Kunden.
    In einem aktuellen Artikel in der International Herald Tribune (https://www.nytimes.com/2009/12/07/business/media/07iht-springer07.html?_r=1&scp=1&sq=german%20newspapers&st=cse) schätzt Christoph Keese (bei Springer verantwortlich für „publich affairs“ und „Architekt“ von deren Online-Strategie) die Zahlungsbereitschaft für exklusive Bilder von Silvio Berlusconi inklusive einiger Models die sich an seinem Pool tummeln auf mind. 5 Euro – pro Leser.
    Dies ist aktuell der Betrag für bspw. ein Männer-Monatsmagazin im mittleren bis oberen Preissegment, dass ähnliche Fotomotive in weitaus größerer Quantität erfüllt.
    Ich denke hier schließt sich der Kreis zur „Grenzkostenthese2 von Hal Varian, welche ich übrigens teile. Die Verbreitung eines solchen Inhaltes stellt aktuell weder rechtlich (Durchsetzungsprobleme beim Copyright) noch kostenseitig (Grenzkosten der Weiterverbreitung) eine ausreichende Hürde da.
    Solange es also nicht möglich ist, diese Weiterverbreitung technologisch, rechtlich oder organisatorisch zu reglementieren, wird sich die Bildung eines funktionierenden „Marktes“ äußerst schwierig gestalten.
    Viele Grüße

  3. Lieber Herr Schmidt, vielen...
    Lieber Herr Schmidt, vielen Dank für diesen – wie immer – klugen Beitrag. Insbesondere die Ausführungen zum zweiseitigen Markt haben mich fasziniert. Mir stellt sich angesichts der eingangs thematisierten Statistik die Frage, ob Deutschland jetzt besonders weit vorne, oder eher hintendran im Vgl. zum Rest Europas ist. Man könnte meinen, es sei hintendran, da man nicht erkannt hat, dass guter Inhalt nicht kostenlos zu haben ist. Das scheint mir jedoch falsch zu sein. Näher an der Wahrheit ist wohl, dass der Medienmarkt gerade in Deutschland recht hart umkämpft ist und die Tendenz zum kostenlosen Content besonders weit fortgeschritten ist. Ich begrüße diese Entwicklung und sehe auch ihr Blog auf den Seiten der alt-ehrwürdigen FAZ als positives Signal.

  4. Zur Präzisierung: In meinem...
    Zur Präzisierung: In meinem Beitrag im Wirtschaftsdienst (übrigens keine DIW-Publikation, sondern eine Springer-Zeitschrift) ging es darum, wie unter den Bedingungen des Online-Journalismus dem Prinzip der Konsumentensouveränität zum Durchburch verholfen werden kann. Der Aufsatz folgt einer ordnungsökonomischen Argumentation. Erlösmodelle für Online-Inhalte werden nicht unter dem Aspekt des Gewinnmaximierungsziels für Verlagshäuser diskutiert, sondern dienen als Steuerungsinstrument zur gesamtwirtschaftlich gewünschten Bereitstellung (nach wie vor) knapper journalistischer Ressourcen.
    Technologisch sollte das Internet nicht nur als Bedrohung der traditionellen Vermarktungswege gesehen werden, weil gerade elektronische Verbreitungsverfahren auch Chancen für neue Preismodelle bieten, die es vorher nicht gab und die für die Finanzierung eines Club-Kollektivgutes sehr nützlich sein können. Diese aufzuspüren und praxistauglich zu entwickeln ist in erster Linie eine unternehmerische (klassisch-verlegerische) Aufgabe.
    Wirft man die Möglichkeiten der privatwirtschaftlichen Bepreisung vorschnell über Bord, handelt man sich erhebliche Probleme ein: entweder die journalistische Wertschöpfung verkommt in rein quersubventionierten Modellen zu einer abgeleiteten Restgröße aus der Werbewirksamkeit der Inhalte (womit man bei Google & Co kein Problem haben dürfte) oder man liefert die bislang freien Medien der staatlichen „Qualitätsprüfung“ aus (man könnte auch von pekuniärer Zensur sprechen). Ein abschreckendes (und wohl auch nicht ernst gemeintes) Beispiel kann man bei @bingfan nachlesen.
    „Gratis“ ist daher alles andere als leserfreundlich. Es lohnt sich daher nach Wegen zu suchen, die die Steuerung der Medienlandschaft in die Hand der Nutzer legen – und sie nicht der Werbewirtschaft überlassen oder gar dem Kontrollstaat ausliefern.

  5. Kaufbereitschaft zu erfragen...
    Kaufbereitschaft zu erfragen hat noch nie funktioniert und wird nie funktionieren. Entscheidend ist allein der Fakt: Wird gekauft oder nicht. Solange ein Gut kostenlos zu haben ist, gibt es natürlich keine Kaufbereitschaft. Die Tendenz geht im übrigen eindeutig hin zu Bezahlinhalten. Wer die Blogs und News der letzten 12 Monate verfolgt hat, wird feststellen, wie das Thema vom „No go!“ immer mehr zum „How-to“ mutiert ist. Jetzt hören die ersten auf, Content zu verschenken. Und je mehr Content vom Grabbeltisch verschwindet, umso wertvoller wird er. Und aus Kaufbereiten wie aus Kaufunwilligen werden ganz einfach Käufer. Ich wette, dass wir es in 2 bis 3 Jahren mit einen völlig umgekrempelten, neu verteilten, aber auch weitgehend konsolidierten Markt zu haben werden.

  6. Ich denke, dass lediglich die...
    Ich denke, dass lediglich die Unbereitschaft für unattraktive Abomodelle oder durch Zahlungsabwicklungs-Mittlern verteuerte Einzelabrufe beim Nutzer noch überwiegt. Berechtigt.
    Warum nicht mehr Verlage für ihre Titel und ihre Leser auf das Angebot bzw. den Versuch einer Prepaid-Guthabenlösung als Leser-Account mit der dann zusätzlich möglichen Option für „pay for one article on demand“ kommen, ist mir schon ein Rätsel. Genau dann kann ich die Bepreisung der Nutzung und des Abrufs komplett eigenständig und praktisch ohne nochmalig einzelnen Transaktionskosten fahren.
    Direktes Micropayment ist meines Erachtens der Schlüssel zum Erfolg am Markt.
    Wenn man jedoch auf Paid Content zudem noch ausschliesslich auf ein unhandliches Abomodell umstellt und anschliessend eine solche Überschrift fabriziert
    „“Von heute an müssen Nicht-Abonnenten für die Lokal- und Regionalberichte auf …. .de zahlen.“
    darf sich dann natürlich nicht wundern, wenn es nicht klappt. Das liegt aber dann nicht grundsätzlich am Thema Paid Content.
    „Von heute erhalten Sie noch mehr Online-Angebot Ihrer regionalen Tageszeitung auf … .de. Ohne Abo und so günstig, wie Sie noch nie Ihre … gelesen haben.“ würde weitaus verkaufsfördernder klingen.
    Ich glaube nicht, dass man den Konsum von digitalen Inhalten nicht unbedingt auf die Grenzkosten als ausschlaggebenden Berechnungsfaktor für Markterfolg und Akzeptanz reduzieren sollte. Das sieht freilich der Suchmaschinenanbieter so, der auf die Indexierung dieser Inhalte ja auch angewiesen ist.
    Ich selbst als Leser kann mitunter durch z.B. Markenbindung meines Blattes (z.B. auch Leser-Loyalität) einen bestimmten Artikel wesentlich stärker präferieren, als das der Preis oder die Inhaltsähnlichkeit für mich ausschlaggabend wären.

  7. @Herr Hanfstein: hm, ich...
    @Herr Hanfstein: hm, ich glaube, so 5 Jahre wirds schon noch gehen, aber ich sehe die selbe Richtung wie Sie vorherrschen.
    @Herr Wolfrum: richtig, man muß herausfinden, welche Art Abo die Leser haben wollen, und wie man das ganze sehr benutzerfreundlich glatt abwickeln kann – darum geht es im wesentlichen.

  8. @future of printing:...
    @future of printing: Natürlich ist die Zahlungsbereitschaft ist einem solchen Fall vergleichsweise hoch. Aber wie viele exklusive Geschichten der Qualität Berlusconi gibt es am Tag?

  9. @ Wolfgang Hanfstein: Ja,...
    @ Wolfgang Hanfstein: Ja, inzwischen wird immer häufiger über das „how-to“ des Paid Content diskutiert, weil die wirtschaftliche Not der Verlage größer und das Vertrauen in die Online-Werbung kleiner geworden ist. Einige wirtschaftlich starke Häuser wie Murdoch und Springer gehen voran. Aber ich glaube nicht, dass ihnen viele andere Häuser auf Dauer folgen werden.

  10. @ Stefan Kooths: Was haben Sie...
    @ Stefan Kooths: Was haben Sie gegen eine Werbefinanzierung? (…verkommt…) Nimmt die Werbung die Steuerung der Medienlandschaft aus der Hand der Nutzer und nur Paid Content gibt sie ihnen zurück?

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