Netzwirtschaft

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Internet-Weltrangliste: Google baut Vorsprung aus; Facebook rückt auf Rang 4 vor

| 16 Lesermeinungen

Die Dominanz amerikanischer Internetunternehmen wird größer. Im Wettstreit der Musketiere Google, Facebook, Apple und Amazon können selbst die Chinesen nicht mehr mithalten.

Googles Dynamik ist ungebrochen. Im vergangenen Jahr hat die Suchmaschine die Zahl ihrer Nutzer in aller Welt um 131 Millionen auf 890 Millionen erhöht und erreicht damit rund drei Viertel der 1,2 Milliarden Internetnutzer auf der Erde, wie das Marktforschungsunternehmen Comscore für die FAZ ermittelt hat.

Bild zu: Internet-Weltrangliste: Google baut Vorsprung aus; Facebook rückt auf Rang 4 vorIn der Rangliste der größten Internetseiten der Welt führt Google damit klar vor Microsoft (730 Millionen Nutzer) und Yahoo (602 Millionen). Neuer Viertplazierter in der Weltrangliste ist Facebook. Das soziale Netzwerk hat im vergangenen Jahr die meisten neuen Nutzer gewonnen und sich von Rang 7 auf Rang 4 vorgeschoben. Zu den Verlierern des Jahres gehören AOL, der Facebook-Rivale MySpace und die chinesische Videoseite Youku, die in den vergangenen zwölf Monaten jeweils mehr als 10 Millionen Nutzer verloren haben.

Die Dominanz der amerikanischen Internetunternehmen in der Welt nimmt stetig zu. Nicht nur die größten Internetunternehmen kommen aus Amerika, sondern auch die Unternehmen mit den höchsten Zuwächsen. Große asiatische Seiten wie Tencent, Baidu oder Alibaba können das Wachstumstempo der Amerikaner nicht mithalten. Zum Beispiel hat der amerikanische Kurznachrichtendienst Twitter im vergangenen Jahr die Zahl seiner Nutzer um 1075 Prozent oder 55,2 Millionen auf 60 Millionen in aller Welt erhöht. Kein anderes Unternehmen ist so schnell gewachsen, obwohl die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte nachgelassen hat. Andere Aufsteiger wie Alloy Media oder Betawave, die ihre Nutzerzahl um mehr als 200 Prozent gesteigert haben, kommen ebenfalls aus Amerika. Gemeinsame Merkmale der Wachstumsunternehmen: Sie nutzen das Internet als Plattform, verbinden oft viele andere Seiten miteinander oder lassen die Inhalte von der Masse der Internetnutzer erstellen. Eine technische Gemeinsamkeit der schnell wachsenden Unternehmen ist der Einsatz von Programmierschnittstellen, sogenannten APIs. Erst diese Schnittstellen machen aus Internetseiten Plattformen, an die sich andere Seiten anschließen können, Informationen und Inhalte austauschen können. Daraus entstehen Ökosysteme, die das Wachstum meist viel schneller vorantreiben, als es eine einzelne Seite allein je könnte. Was Facebook und Google erfolgreich vorgemacht haben, will Twitter nun ebenfalls als Wachstumstreiber nutzen: Ryan Sarver, Plattform-Direktor bei Twitter, kündigte auf der Internetkonferenz Le Web im Dezember an, die 140 Zeichen langen Kurznachrichten (Tweets) der 60 Millionen Nutzer künftig allen externen Seiten in Echtzeit über die Twitter-API zur Verfügung zu stellen.

Viele Entwickler werden mit Hilfe dieser Echtzeit-Nachrichten nun neue Anwendungen programmieren, die Twitter auf vielen Seiten im Internet präsent machen. Google und Bing haben die Echtzeit-Tweets bereits in ihre Suchmaschinen integriert und den Kurznachrichten damit eine weit größere Reichweite gebracht. Stetig auf dem Weg nach oben sind auch Apple und Amazon. Apple hat die Zahl seiner Nutzer im vergangenen Jahr um fast 45 Millionen gesteigert, Amazon hat sogar 54 Millionen neue Nutzer hinzugewonnen. Beide Unternehmen gehören mit Google und Facebook zusammen zur Spitzenklasse der Internetunternehmen, die Netzwerkeffekte und überlegene Technik miteinander vereinen. Apple ist zwar primär ein Computerhersteller, hat sich aber mit dem iPhone in wenigen Jahren in den Handy-Markt katapultiert und könnte mit einem neuen Tablet-Computer schon bald eine neue Geräteklasse etablieren. Die guten Geräte allein wären aber nicht der Grund, Apple auf eine Stufe mit Google und Facebook zu stellen. Es ist die Verknüpfung zwischen Hardware und dem Verkauf der Inhalte, der Apple in den vergangenen Jahren so populär gemacht hat. So wie Apple mit seinem digitalen Musikspieler iPod den Musikverkauf im Internet erfunden hat, wird dem Unternehmen auch zugetraut, den Verkauf von Videos, elektronischen Büchern oder Zeitungsinhalten im Netz zu einem ähnlichen Erfolg zu machen. Ähnliches gilt für Amazon. Der größte Online-Händler der Welt hat an Weihnachten erstmals mehr elektronische als gedruckte Bücher verkauft.

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Der Wettstreit der Musketiere hat bisher viele Innovationen für die Nutzer hervorgebracht, doch der Kampf um die Herrschaft im Netz kann auch ins Negative umschlagen, wie der Web-2.0-Pionier Tim O’Reilly befürchtet. Er erwartet einen „Krieg um das Web“, in dem es den großen Unternehmen nicht mehr genügt, dominante Suchmaschine, Online-Händler oder soziales Netzwerk zu sein. Die großen Anbieter wollen die alleinige Kontrolle erreichen. Das gehe zu Lasten des Netzes als interoperable Plattform. „Stattdessen sehen wir Facebook als Plattform, Apple als Plattform, Google als Plattform und Amazon als Plattform. Die großen Unternehmen werden das ausfechten, bis nur noch einer als König übrig bleibt“, vermutet O’Reilly.

Neben den sozialen Netzwerken haben es auch sehr viele Medienunternehmen in die Weltranglisten geschafft. Dazu gehören junge Mediennetzwerke wie Alloy Media oder Netshelter, die sich auf junge Menschen oder Technikbegeisterte spezialisiert haben. Auch Glam Media ist als Netzwerk weiter auf Wachstumskurs und hat auch in Deutschland Fuß gefasst. Andere Wachstumstreiber sind sogenannte Content-Farmen wie Answers.com oder Demand Media, die Inhalte so billig wie möglich erstellen. Diese Inhalte sollen die Fragen beantworten, die von vielen Menschen in den Suchmaschinen gestellt werden. „Uns geht es um ein nachhaltiges Medienmodell, eine Maschine für das zu bauen, was die Welt wissen will“, sagt der Gründer Richard Rosenblatt.

Neben neuen Medienunternehmen haben es auch etablierte, aber dennoch innovative Medienunternehmen wie NBC Universal und die New York Times in die Ranglisten geschafft. NBC Universal hat gemeinsam mit News Corp. und Disney die erfolgreiche Fernsehseite Hulu.com ins Leben gerufen, während die New York Times als Paradebeispiel für die intelligente Verbreitung der Inhalte eines Medienhauses im Netz gilt. Das New Yorker Zeitungshaus setzt ebenfalls auf Programmierschnittstellen, um den Nutzer die Verbreitung der Inhalte der Times möglichst einfach und automatisiert zu ermöglichen.

Deutsche Unternehmen spielen in dieser Liga keine Rolle. Zwar hat es mit der Deutschen Telekom ein Unternehmen in die Rangliste geschafft, aber außerhalb Deutschlands spielt die Telekom im Internet keine Rolle. Etwa die Hälfte der Nutzer haben die deutschen Seiten wie T-Online, T-Mobile oder T-Home besucht, der Rest entfällt vorwiegend auf die Mobilfunkangebote des Unternehmens, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien. Weil sich mit der reinen Sprach- und Datenübertragung immer weniger verdienen lässt, will die Telekom künftig im Internet mehr tun als bisher. „Serviceangebote spielen eine immer größere Rolle als der reine Netzzugang, der heute noch im Vordergrund steht. Und weil die Grenzen zwischen Internet, Mobilfunk und Fernsehen zunehmend verschwimmen, sind wir zurzeit in mehreren Arbeitsgruppen dabei, für diese Zeit ein Konzept zu entwickeln“, sagte der Vorstandsvorsitzende René Obermann in einem Interview. Zur neuen Strategie sollen auch Kooperationen und Übernahmen gehören.

Die wirtschaftliche Erholung und die gute Entwicklung an den Börsen werden 2010 das Übernahmefieber im Internet wieder anfachen. Twitter wird wahrscheinlich weitere Unternehmen aus seinem Ökosystem kaufen; auch Google und Apple werden wegen ihrer prall gefüllten Kassen zu den Käufern gehören. Cisco gilt nach Ansicht des amerikanischen Blogs Techcrunch als wahrscheinlichster Käufer für das Geschäftsnetzwerk Linkedin, das ebenfalls schnell gewachsen ist. MySpace könnte weiter Musikdienste zukaufen und die etablierten Medienhäuser werden sich sicher an ihren jungen Herausforderern beteiligen wollen.

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Weltweite Nutzeränderung November 2009 gegenüber November 2008 

Links: Die Schrittmacher im Internet

 

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16 Lesermeinungen

  1. Josh sagt:

    Ich denke auch das Google...
    Ich denke auch das Google weiterhin die dominante Stellung einnehmen wird. Allerdings bin ich auch gespannt wie sich Bing entwickeln wird. Noch geht von Bing zwar keine Gefahr für Google aus, aber wer weiß wie es in ein bis zwei Jahren aussieht.

  2. Mandy sagt:

    Ich denke Facebook wird in...
    Ich denke Facebook wird in Zukunft das neue Google. Die machen viel richtig in letzter Zeit.

  3. Jan sagt:

    Man müsste bei Facebook...
    Man müsste bei Facebook allerdings ehrlicherweie die vielen “fake profiles” herausrechnen, die in letzter Zeit zu Tausenden als “Fans” für die eigenen Seiten angeboten werden. Danach wird man feststellen, dass google nach wie vor das Mass aller Dinge ist.

  4. Lars sagt:

    Ich denke auch das Google...
    Ich denke auch das Google weiterhin die dominante Stellung einnehmen wird. Allerdings bin ich auch gespannt wie sich Bing entwickeln wird. Noch geht von Bing zwar keine Gefahr für Google aus, aber wer weiß wie es in ein bis zwei Jahren aussieht.

  5. Ja ich denke auch die...
    Ja ich denke auch die Vormachtstellung von Google ist in Jahren nicht zu brechen. Bing sieht zwar schon ganz gut aus, allerdings hat Microsoft über viele Zeit ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Das zahlt sich jetzt auch langfristig gesehen negativ aus. Schade nur dass die Monoplolstellung insgesamt der eigentlichen Wissenbereich in eine Richtung bringt. Google nimmt uns immer mehr das Denken ab und die Vorgaben werden uns nach und nach unterwusst gesellschaftlich und politisch manipulieren!

  6. Miriam sagt:

    <p>Dass Google die nächsten...
    Dass Google die nächsten Jahre in Deutschland noch dominieren wird, ist sicherlich klar. Aber es gibt dennoch schon die ein oder anderen Tendenzen, dass Bing auf absehbare Zeit zu einem echten Konkurrenten für Google heranwachsen könnte. Pro Quartal nimmt man den neuesten Statistiken zufolge Google im Schnitt 0,2 Prozent vom Gesamtmarkt ab – dass kann sich auf Dauer auch potenzieren. Und nicht zuletzt ist Bing in Sachen Kommunikation mit Entscheidern und SEOs sehr aktiv, besucht durch deren Vertreter zahlreiche Konferenzen und macht insgesamt einen sehr symphatischen Eindruck.

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