Netzwirtschaft

Nokia macht Navigation kostenlos

Der Handyhersteller Nokia bietet seine Navigationsprodukte für Mobiltelefone künftig kostenlos an. Zwei Jahre nach dem Kauf des Kartenherstellers Navteq reagiert Nokia damit auf den Herausforderer Google, der kürzlich ebenfalls kostenlose Navigation für sein Betriebssystem Android eingeführt hat. In Reaktion auf Nokias Ankündigung rutschen die Aktienkurse der Navigationsgerätehersteller wie TomTom abermals ab. Die Werte hatten schon nach der Ankündigung von Google erheblich an Wert verloren.

„Die globale Plattform für Navigation ist in den Händen des größten Spielers. Es gibt zwei Kandidaten; einer davon ist Nokia”, sagte Nokia-Manager Michaerl Halbherr in Berlin, der für Nokia einen Vorsprung reklamierte: „Wir bieten Navigation in der ganzen Welt und in 46 Sprachen. Googles Produkt funktioniert bisher nur in einem Land und einer Sprache”, sagte Halbherr.

Nokia leitet damit einen Strategiewechsel ein. Bisher hatte das Unternehmen den 5-Milliarden-Euro teuren Kauf des Kartenherstellers Navteq mit dem Verkauf der Navigationsprodukte auf dem Handy begründet. Navigation sollte ein Drittel zu den Diensteumsätzen im Nokia-Onlineladen Ovi beitragen. Mit der Ankündigung von Google war dieses Geschäftsmodell allerdings nicht mehr möglich, so dass sogar eine hohe Abschreibung auf den Navteq-Kauf drohte.

Umsatz will Nokia künftig mit den Geräten machen. „Wir werden die Preise nicht erhöhen. Aber da die Geräte werthaltiger sind, werden die Preise künftig nicht mehr so schnell sinken. Das ist keine Wette, das ist ein Geschäft”, sagte Halbherr. Zudem soll personalisierte Werbung Umsatz bringen. Nokia ist zwar noch Weltmarktführer bei den Smartphones, verliert aber stetig Marktanteile an Research in Motion (RIM), Apple und die Android-Fraktion. Die Aufwertung der Geräte um die kostenlose Navigation soll den weiteren Marktanteilsverlust in diesem lukrativen Segment stoppen.

Die neue Navigationssoftware läuft auf den sogenannten Smartphones, die einen Kompass eingebaut haben und über die Satellitennavigation GPS verfügen. Damit lässt sich der Standort eines Nutzers exakt ermitteln. Auf zehn Nokia-Geräten lässt sich die Software nachrüsten; von März an soll jedes Smartphone, das auf dem Symbian-S60-Betriebssystem von Nokia läuft, mit der neuen Software ausgeliefert werden. Sie kann nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger navigieren. Verknüpfungen mit sozialen Netzwerken wie Facebook und lokale Inhalte über Kinoprogramme, Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten sollen die Navigation verbessern. „Nokia investiert signifikant in Navigation. Ganz klar: Wir wollen Navi-Marktführer sein. Wir investieren auch in Suchtechnik wollen jeden Ort der Welt suchbar machen”, sagte Halbherr. Um die Qualität zu verbessern, laufen zum Beispiel die Navteq-Mitarbeiter die Strecken ab, um Schleichwege zu finden und in die Karten zu integrieren. Kooperationen mit den Bahn- und Busunternehmen sollen künftig auch die Informationen integrieren, wann die nächste Bahn oder Bus abfährt. Sogenannte Flow-Daten, welche die Bewegungen der Nokia-Nutzer zeigen, sollen außerdem eine präzise Stauvorhersage ermöglichen. Künftig werden auch Gebäude in 3D-Grafik angezeigt.

Entscheidend für den Erfolg wird die Unterstützung externer Entwickler sein, die lokale Anwendungen auf Basis der Nokia-Daten programmieren. Hier liegt der Schwachpunkt von Nokia: Das S60-System ist zwar weit verbreitet, gilt aber als veraltet; Applikationen zu programmieren ist entsprechend aufwendig und teuer. Die meisten Entwickler haben sich daher in den vergangenen Jahren Apples iPhone und dem Android-System zugewandt. Nokia muss es gelingen, die Entwickler für sich zu begeistern und zurückzuholen.

Prinzipiell läuft die Navigationssoftware auch auf anderen Softwareplattformen. „Theoretisch auch auf einem iPhone oder Android-Gerät”, sagte Halbherr. Praktisch werden die Konkurrenten aber kaum zulassen, dass Nokia-Produkte auf ihren Geräte laufen.

Link: Analoge Dollar, digitale Pennies: Chris Andersons Buch “Free”

 

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