Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

"Apps sind ein Übergangsphänomen"

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Nach zehn Jahren hat das mobile Internet den Durchbruch endgültig geschafft. In wenigen Jahren wird es eine Milliarde internetfähige Handys auf der Welt geben. Angetrieben wird das mobile Internet von einem Produkt, dessen Zukunft sehr fraglich ist: der App.

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Steve Jobs, der Vater der modernen Apps.                                          Foto: Getty Images

Apps sind das Symbol für den Erfolg des mobilen Internet. Mehr als 10 Milliarden dieser mobilen Anwendungen werden die Nutzer in diesem Jahr auf ihre Smartphones laden. In zwei Jahren könnten es schon 50 Milliarden Apps sein, erwarten Marktforscher. Was für die einen die industrielle Revolution im Mobilfunkmarkt bedeutet, sehen andere als technisch limitiertes Übergangsphänomen. „Apps wird es nur so lange geben, bis die mobilen Browser leistungsfähiger und die Datenverbindungen schneller sind. Apps sind ein Übergangsphänomen”, sagt Carsten Frien, Geschäftsführer von Madvertise, einem Marktplatz für mobile Werbung. Fünf bis sechs Jahre gibt er diesen plattform-eigenen, sogenannten nativen Apps noch. Dann werde das offene Internet an ihre Stelle treten. Noch haben die Apps aber Vorsprung: 54 Prozent der Smartphone-Besitzer in Deutschland nutzen Apps; nur 50 Prozent setzen ihren Browser ein, hat das Marktforschungsunternehmen Comscore gemessen.

Obwohl die App-Economy boomt und Milliarden in den App-Stores umgesetzt werden – technisch gesehen sind Apps von gestern: Damit die Anwendung gut funktioniert, muss sich der Nutzer jede Software einzeln auf sein Mobiltelefon laden. Da es Dutzende von App-Stores, konkurrierende Betriebssysteme und Hunderte verschiedene Handys gibt, muss eine App in vielen verschiedenen Versionen entwickelt werden. Das macht nicht nur Produktion und Marketing teuer, sondern mindert auch die Chance, eine große Reichweite zu erzielen. Entsprechend konzentrieren sich die Entwickler auf die größten Plattformen; alle kleinen Plattformen sind daher gezwungen, die Entwickler mit Geld zu ködern, um ihre App-Stores zu füllen. Erlangt der Anbieter eines App-Stores zudem eine (zu) große Marktmacht, kann er als Türwächter die Bedingungen für die Entwickler wie Verlage oder Spieleproduzenten diktieren, wie es Apple gerade versucht.

„Um ein breites Publikum zu erreichen, müssen Entwickler Apps für verschiedene Plattformen schreiben, was zusätzliche Kosten bedeutet. Das mobile Web bietet sich als Lösung an”, sagt Saverio Romeo, Analyst bei Frost & Sullivan. Wenn die Anwendung in einem Web-Browser läuft, genügt eine einzige Version, auf die alle Nutzer zugreifen können. HTML5 heißt das Zauberwort der Web-Fraktion. Diese neueste Version der Hypertext Markup Language könnte die große Herausforderung für die App-Economy werden. Zwar lassen sich mit HTML5 noch nicht so schöne Apps für das ganze Web wie für die einzelnen Plattformen bauen, doch die ökonomischen Vorteile liegen klar auf Seiten der offenen Variante. Parallel zum Entwicklungsaufwand sinkt auch die Abhängigkeit vom Betreiber des App-Stores. Das stationäre Internet hat genau diesen Weg zu einer offenen Plattform genommen, in der Nutzer auf alle Anwendungen mit Hilfe eines Browsers zugreifen können. Mit dem Aufkommen schneller Breitband-Verbindungen und leistungsfähiger Browser hatte proprietäre Software, deren prominentestes Beispiel AOL war, weitgehend ausgedient.

Doch die nativen Apps haben im Mobilfunk einen starken Fürsprecher: Apple. Das Unternehmen ist Pionier und klarer Marktführer in der App-Economy. Apple verdient prächtig mit dem Verkauf der Geräte, der Beteiligung an den App-Verkäufen und bald auch an der mobilen Werbung, für die das Unternehmen mit der Übernahme von Quattro Wireless seine Werbeplattform iAd aufgebaut hat. Aufgrund seiner Marktmacht kann das Unternehmen weitgehend diktieren, welche Apps auf „seinen” iPhones und iPads laufen, wie hoch es an den Umsätzen der App-Entwickler beteiligt wird und welche Unternehmen in seinen Apps Werbung verkaufen dürfen. Zudem nimmt Apple den App-Entwicklern auch noch die direkte Kundenbeziehung weg. Eine Demonstration dieser Macht bekam gerade das amerikanische Magazin „Time” zu spüren. „Time” wollte innerhalb seiner iPad-App Abonnements verkaufen – auf eigene Rechnung und an Apple vorbei. Die Kunden mussten sich die App zwar ganz normal im Apple-Laden herunterladen, doch für den Abschluss des Abonnements sollte der Geschäftspartner „Time” heißen – und nicht Apple. Obwohl das Modell abgesprochen war, stoppte Apple die App in letzter Minute und verbot den Verkauf der Abonnements nach diesem Verfahren. Die Verlage sind alarmiert.

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Google, der andere große Spieler im Mobilfunkmarkt, verfolgt eigentlich die gegenteilige Strategie, auch wenn das Unternehmen mit dem Betriebssystem Android und dem dazugehörigen Android-Markt scheinbar ähnlich agiert. Aber Google kann auf Dauer kein Interesse an einer fragmentierten, derart verschlossenen App-Economy haben. Denn erstens können Googles Suchmaschinen fremde Apps nicht durchforsten, was eine Übertragung des erprobten Google-Modells aus dem stationären in das mobile Internet verhindern könnte. Und zweitens wird die Google-Suche weniger wichtig, wenn die Nutzer direkt zur gewünschten Anwendung kommen, indem sie auf eine App tippen. Google braucht also ein offenes mobiles Internet, das am besten genauso funktioniert wie das stationäre Netz, und treibt daher die Entwicklung von HTML5 voran. Der Aufbau des Betriebssystems Android und der dazugehörigen App-Infrastruktur bedeutet für Google eigentlich nur die Absicherung, falls sich die nativen Apps am Ende doch gegen das offene Internet durchsetzen sollten. Daher ist der Trick, Android zu verschenken, durchdacht, denn nur auf diese Weise kann sich das System so schnell verbreiten, dass es Apple und seinen genialen Technikern Paroli bieten kann. Die Rechnung scheint aufzugehen. Um 886 Prozent ist die Zahl der Android-Geräte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr gestiegen, hat das Marktforschungsunternehmen Canalys ermittelt. Apple hat nur ein Wachstum von 61 Prozent erzielt. Noch liegt Apple vor Google, aber schon 2012 könnte sich die Reihenfolge umdrehen, erwartet das Marktforschungsunternehmen Gartner. Das iPad könnte Apples Vorsprung ausbauen, doch wahrscheinlich schon gegen Jahresende wird auch Google einen eigenen iPad-Konkurrenten auf den Markt bringen, um das mobile Werbegeschäft weiter voranzubringen.

In welchen Dimensionen Google dabei denkt, ließ gerade der Vorstandschef Eric Schmidt anklingen. „Wenn es eine Milliarde Menschen gibt, die Android nutzen, warum sollten wir damit kein Geld verdienen? Dafür reichen schon 10 Dollar je Nutzer im Jahr”, sagte Schmidt in einem Interview. Das wären dann 10 Milliarden Dollar, die Google im mobilen Internet verdienen will – vor allem mit Werbung. Einen Grundstein für den Erfolg hat das Unternehmen schon gelegt: 98 Prozent aller Suchanfragen auf Mobiltelefonen entfallen heute auf Google, hat das Marktforschungsunternehmen Statcounter gemessen. Einen weiteren Grundstein hat Google dazugekauft, nämlich die mobile Werbeplattform Admob für 750 Millionen Dollar. Und in sein erfolgreiches Werbesystem Adwords hat Google gerade eine Ortskomponente eingebaut, damit die Werbung auf den Mobiltelefonen am gerade passenden Ort ausgeliefert werden kann. Wer – wie Eric Schmidt – diesen Masterplan im Kopf hat, braucht auf das Kleingeld aus dem Verkauf des Betriebssystems keinen Wert zu legen.

Die lange Zeit geltende Hürde für die mobile Werbung, nämlich die zu geringe Verbreitung der internetfähigen mobilen Geräte, scheint jetzt endgültig überwunden zu sein. Allein in Deutschland haben inzwischen neun Millionen Menschen ein Smartphone in der Tasche, mit dem sich bequem unterwegs E-Mail abrufen, im Internet surfen oder twittern lässt. Jedes dritte Mobiltelefon, das in diesem Jahr in Deutschland verkauft wird, ist ein solches Gerät, erwartet der Branchenverband Bitkom. „Das mobile Internet und damit die mobile Werbung sind ganz klar an einem Tipping-Point angekommen. Nachdem sich das Thema zehn Jahre lang nicht bewegt hat, herrscht jetzt Aufbruchstimmung”, sagt Frien. Noch ist der Markt für mobile Werbung klein, wächst aber sehr schnell. „In diesem Jahr wird die grafische Handy-Werbung in Deutschland um 80 bis 100 Prozent auf netto 25 bis 30 Millionen Euro zulegen”, schätzt Dirk Kraus, Vorstandschef des Handy-Werbers Yoc. Weiteres Wachstum ist quasi garantiert, denn mit der Zahl der Smartphones steigt auch die Werbefläche. Bis 2012 – schätzt TNS Infratest (PDF) – wird sich die Zahl der Smartphone-Besitzer hierzulande mindestens verdoppeln. Dann werden schon 22 Prozent der Deutschen ein solches Gerät besitzen. In diesen Zahlen sind die neuen Tablet-Computer wie Apples iPad noch nicht einmal mitgerechnet. Nach Schätzungen von Marktforschern wird der mobile Werbemarkt nur einige Jahre benötigen, um so groß wie der Online-Werbemarkt zu werden, der in diesem Jahr immerhin rund 60 Milliarden Dollar Umsatz erreichen wird. Das entspricht etwa 14 Prozent des gesamten Werbemarktes.

Bis das mobile Internet nicht nur von der digitalen Avantgarde, sondern auch von der breiten Masse angenommen wird, muss allerdings noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn nicht wenige Handynutzer sind noch skeptisch. 30 Prozent der Nichtnutzer in Deutschland sehen zum Beispiel keine persönlichen Vorteile im mobilen Internet. Dieser Wert schrumpft allerdings dramatisch auf 6 Prozent zusammen, wenn die Menschen erst einmal ein Smartphone in den Händen gehalten haben. Haupthindernis sind aber die Kosten: 68 Prozent der Nichtnutzer und 41 Prozent der Nutzer halten das mobile Internet für zu teuer, hat TNS Infratest ermittelt. Zum Beispiel kostet Apples neues Flaggschiff, das iPhone 4 mit 32 Gigabyte Arbeitsspeicher, ohne Vertrag heute rund 700 Euro. Wer bei der Deutschen Telekom das iPhone 4 mit Vertrag bestellt, muss für Gerät und unbegrenztes Surfvergnügen zwei Jahre lang mit mindestens 58 Euro im Monat rechnen – Telefonate in andere Handynetze noch nicht einmal mitgerechnet. Doch die Preise fallen und Vergleiche lohnen, denn immer mehr Unternehmen drängen in den Markt, heizen den Wettbewerb an. Zuletzt hat der DSL-Anbieter 1&1 mit einem Kampfpreis die Arena betreten: Für 40 Euro im Monat bekommt der Nutzer eine Flatrate für alle Telefonate im Inland und unbegrenztes Internet inklusive Gerät wie das Wildfire des taiwanesischen Herstellers HTC. Wer nur einen Internet-Pauschaltarif zu seinem normalen Telefontarif dazubucht, ist bei günstigen Netzbetreibern heute mit 10 Euro im Monat dabei. Allerdings drosseln die meisten Anbieter die Übertragungsgeschwindigkeit, wenn ein bestimmtes Datenvolumen überschritten wird. Wie im stationären Internet wird der Wettbewerb aber wohl recht schnell dafür sorgen, dass die Preise weiter purzeln und das mobile Internet weiter an Fahrt gewinnt. Mit oder ohne Apps.

UPDATE:

Noch Angaben von Nielsen hat Android in den Vereinigten Staaten bei den Menschen, die in den vergangenen sechs Monaten ein Smartphone gekauft haben, erstmals Apple überholt. RIM liegt dort noch in Führung; Nokia spielt nur eine kleine Rolle. Im Juli wird sich Apples Anteil mit dem Verkaufsstart für das iPhone4 aber wieder erhöht haben. Da aber weit mehr Android-Geräte auf den Markt kommen, kann Apple seinen Marktanteil meist nur im Quartal des iPhone-Starts erhöhen, verliert aber Anteile in den drei folgenden Quartalen.

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49 Lesermeinungen

  1. Bevor noch mehr dem Irrtum...
    Bevor noch mehr dem Irrtum unterliegen HTML-Seiten wären nicht schnell oder würden zuviel Traffic verursachen, hier ein kleiner technischer Hinweis:
    Mittels HTML5 können Daten lokal (im Smartphone) gespeichert werden, dadurch müssen nicht dauern komplette Website geladen werden. Es werden schnelle und schlanke Applikationen möglich sein.
    Applikationen können auch Offline, ohne aktive Internetverbindung funktioneren!
    Apps sind technisch gesehen ein Rückschritt. Es mag Anwendungen geben die extreme Leistung benötigen (3D-Games), aber ein Größteil der Apps könnten als Webapplication erstellt werden. Und das ist keine Zukunftsmusik, sondern schon heute möglich. Aber leider regieren im Moment die Marketingabteilungen.

  2. Möchte pointiert nur auf...
    Möchte pointiert nur auf folgende Daten Ihres Artikels hinweisen:
    die beiden meistgenutzen App-Kategorien sind hiernach Navigations-Apps und Spiele. Beide Kategorien zeichnen sich dadurch aus, dass diese Apps Daten bis zu 2 Gigabyte umfassen. Damit ist ein Browser-basierter Ersatz auf längere Sicht unrealistisch. Und Spiele-Hersteller wollen sich nicht durch Limitationen eines Browser ausbremsen lassen.

  3. FAZ-ht sagt:

    @ Archibald Horlitz: Das...
    @ Archibald Horlitz: Das Argument haben die Hersteller der Konsolenspiele auch immer strapaziert, bevor die Browser-Spiele kamen. Die Netze werden schneller und die Browser besser.

  4. Es ist richtig. HTML 5...
    Es ist richtig. HTML 5 ermöglicht sehr leistungsfähige Wen-Anwendungen. Und manche Apps lassen sich gewiss durch Browser-basierte Lösungen ersetzen.
    Aber manche Anwendungen funktionieren einfach lokal besser, zumal aus Sicherheitsgründen der Browser nicht auf alle Funktionen des Telefons zugreifen darf. Speziell die leistungsfähige Gesten-Steuerung funktioniert nur sehr bedingt im Browser, was die Bedienbarkeit vieler Web-Apps einschränken wird, zumal die Bedienelemente auf den kleinen Displays immer um den Platz mit den Telefon-Browser-eigenen zu kämpfen hat.
    Web-Apps werden deutlich relevanter werden. Aber die App Economy als “Phänomen” abwerten zu wollen, entspricht eher einem Wunschdenken und/oder einer Fehldeutung.

  5. Mobile Apps werden schon...
    Mobile Apps werden schon deshalb in Zukunft nicht vollständig ersetzt werden können weil viele komplexere Lösungen eine Integration in Backend-Komponenten erfordern. Vieles wird über Browser – nur online und bei entsprechender Mobilfunk-Coverage – ersetzbar sein, aber Mobilfunkunternehmen werden in absehbarer Zeit Differenzierungsmöglichkeiten nutzen, die sie nur mit Applikationen erzielen, die auf ihre Bewdürfnisse zugeschnitten sind.
    Ich denke, für Anbieter und Nutzer beider Fraktionen wird es noch weiter Betätigungsmöglichkeiten geben.

  6. Philipp sagt:

    Ich bin gespannt, ob sich der...
    Ich bin gespannt, ob sich der Trend wirklich dahingehend ändert. Laut der gezeigten Statistik sind die beliebtesten Apps Navigationssysteme und Spiele. Beides sehr ressourcenfressende Applikationen, die wohl nur schwer mit aktuellen Technologien umsetzbar sind. Wie wohl ein Java-oder Flash-Applet z.B. auf das GPS- oder Neigungssensormodul zugreifen kann?? Geschweige denn von HTML5. Wäre mir neu. Zweiter Punkt: Wieso sollten die Hersteller Ihre Cashcows wie den Iphone- oder Android-Appstore aus der Hand geben? Herstellerexklusive Apps wird es allein schon deswegen immer geben. Dritter Punkt: Mit Webservices, die auf jedem Smartphone/Browser funktionieren, können die Technologien der jeweiligen Geräte nicht ausgereizt werden, da jedes Geräte seine eigenen Vor- und Nachteile hat. Allein das ist schon Argument genug, damit Hersteller ihre eigenen Apps pushen und somit den Geräteabverkauf zu stützen. Vierter Punkt: Man sieht es an der Optimierung von verschiedenen Webseiten auf verschiedene Browser; obwohl eigentlich auch schon seit Jahren standardisiert, braut fast jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Anpassungen an verschiedene Browser/Endgeräte ist daher unumgänglich und kosten den Entwicklern zusätzlich Zeit. Und zuguter Letzt: Der User. Die breite Masse wird wohl den Weg des geringsten Widerstandes wählen, allein eine Adresse in den Browser einzutippen ist für manchen aufwendiger, als mal kurz den Appstore durchzubrowsen und sich seine passende App herunterzuladen.

  7. colorcraze sagt:

    @dietzej: ja, ja. Das ist Ihr...
    @dietzej: ja, ja. Das ist Ihr gegenwärtiger Stand. Es gab auch mal ein Bandabspielgerät mit eiförmigen Bandkapseln. War superelitär, damals. Ging wie so vieles sang- und klanglos unter.

  8. dietzej sagt:

    In Ergänzung: Wenn ich eine...
    In Ergänzung: Wenn ich eine App installiere, gebe ich meist auch ein paar Daten ein, die dann dauerhaft gespeichert werden. Wie soll das bei Webservices funktionieren ? Muß ich alles immer neu eingeben oder mich per UID/Passwort authorisieren ? Wie sicher und dauerhaft speichert der Browser meine Daten ? Von Sandbox kann dann keine Rede mehr sein.
    Nein, nein, der FAZ-Artikel ist völliger Unsinn. Diese HTML5-Anwendungen will ich doch mal sehen, die es mit einer nativen App aufnehmen können.
    Und vor allem? WARUM sollte ich eine so schwache WebApp einer reichen nativen App vorziehen? Weil es sich die FAZ erträumt, die Apple gern etwas schwächer hätte ? Ich verstehe durchaus, dass die App-Economy den Verlagen ein Dorn im Auge ist: Plötzlich habe ich 10 Zeitungs-Apps (alle umsonst) auf dem Gerät und die Konkurrenz drückt die Preise. Plötzlich konkurriert die FAZ mit NY-Times, WSJ und zig anderen News-Diensten, tollen RSS-Reader (Reeder!!) und Blogger-Apps. Die Exklusivität des aufwändig gedruckten Papierprodukts ist dahin. Am physischen Kiosk habe ich wesentlich weniger Wahlmöglichkeiten als auf dem iPad. Zudem steigt die Qualitätsanforderung: Der News-Content muß gut und schnell sein; gibts auch nur eine einzige Quelle, die eine bessere App hat, ist der Kunde schon weg. Und wenn Geld rumkommt, erhebt Apple auch noch 30% Steuer darauf.
    Das alles klingt nicht so rosig für die Verlage. Mir ist durchaus aufgefallen, dass sämtliche Publisher seit April begriffen haben, dass das iPad kein Retter der Medien ist, sondern die ernsteste Bedrohung seit langem. Das Zeitungs- und Magazin-Biotop wurde ziemlich rigoros gestürmt. Bei HTML-Content verdienten die Verlage zwar auch nichts, aber sie hatten wenigstens die Technik unter eigener Kontrolle, konnten selbst Werbung schalten, Online-Abos verkaufen und sich per Webdesign von anderen Anbietern unterscheiden. Zudem konnten andere auch kein Geld im HTML-Web verdienen, so dass die Marktaufteilung erhalten blieb. Jetzt aber gehts ans Eingemachte. Ich selbst lese die Print-FAZ kaum noch (habe noch ein Gratis-Abo), aber auf dem iPad lese ich schon, ist viel komfortabler und günstiger).

  9. Der Schlüssel zum Erfolg von...
    Der Schlüssel zum Erfolg von Webapps ist die grafische Benutzeroberfläche. Während native Applikationen bei einem Betriebssystem einem einheitlichen Look-and-Feel folgen und jede App über die gleichen Elemente bedient werden kann, herrscht bei Web-Anwendungen reines Chaos. Jeder Entwickler baut sich ein eigenes Userinterface auf, das er für besonders geeignet hält. Das führt dazu, dass der Nutzer bei der Verwendung unterschiedlicher Webapps durch die Vielzahl der verschiedenen Userinterfaces verwirrt (und genervt) wird. Wer möchte sich schon in zig verschiedene Nutzungskonzepte einarbeiten? Hier spielen native Apps klar ihre Stärken aus.
    Die Chance, dass sich einheitliche GUIs bei Web-Anwendungen durchsetzen, ist allerdings gering. Sollte hier wider Erwarten eine Vereinheitlichung erfolgen, haben Web-Anwendungen, die auf einem ordentlichem Framework basieren, gute Voraussetzungen, um langfristig eine Vielzahl nativer Apps zu ersetzen.

  10. bbswiss sagt:

    Dass Steven jobs vater vieler...
    Dass Steven jobs vater vieler Dinge ist, mag ja sein, aber sicher ist er’s nicht bei Apps gewesen. Erste Java-Applikationen waren auf Nokia-“Smartphones” bereits ab 2000/01 möglich. Weil die Mobilfunker ihren Markt sehr abgeschottet hatte, nahm man ausserhalb der mobilen Welt und die ausschliesslich aufs Web fokussierten ITC-Community die neuen technischen Möglichkeiten nicht wahr. In der mobilen welt war man sich einig, dass via Game-Angebot der Markt überhaupt sensibilisiert werden kann. Nur mit dieser Vorleistung war der “App”-Boom von Apple möglich. Wäre Jobs und Apple wirklich Pionier gewesen vor 10 Jahren, wäre das gefloppt. Man sollte auch nicht vergessen, dass Apples absolut erstes Abenteuer in der Mobilen Welt floppte – das war mit Newton – und das zweite Abenteuer gemeinsam mit Motorola’s Rocr hier in Europa nicht mal ein müdes Lächeln entlocken vermochte. Mit diesem Hinweis will ich nicht einen Moment lang Jobs und Apples Erfolg zerreden. Apple hat mit iTunes wunderbare Vorarbeit geleistet und aus meiner Sicht wirklich auf dem PC die erste “App” weltweit auf den Markt gebracht. Aufmerksame Beobachter hatten schon zu Beginn von iTunes aufgehorcht und in Richtung Nokia und Sony Ericsson entsprechende Notizen gemacht. Solche mochten dort aber nicht durchdringen und man zweifelte an den Auguren. Diese typische Ignoranz von Marktführern müssen diese nun mit dramatisch sinkender Wertschöpfung bitter bezahlen. Ob davor dereinst Apple gefeit sein wird?

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