Netzwirtschaft

Facebook „checkt ein" – Places startet in Deutschland

Facebook-Nutzer können ihren Freunden künftig nicht nur mitteilen, was sie gerade tun, sondern auch wo sie sind. Der Dienst Places, der in Deutschland Facebook-Orte heißt, ermöglicht nun auch den deutschen Nutzern das Einchecken an Orten. Der neue Dienst ortet dabei den Nutzer über Satellitennavigation (GPS). Per „Check In” können die rund 12 Millionen aktiven Nutzer in Deutschland dann ihren aktuellen Aufenthaltsort aus einer Vorschlagsliste umliegender öffentlicher Plätze wie Restaurants oder Geschäfte auswählen oder einen neuen Platz anlegen.  Auf diese Weise können Nutzer erfahren, welche Freunde gerade ebenfalls dort sind, oder sie können Kommentare hinterlassen, die vielleicht für spätere Besucher hilfreich sein können.

Auf den ersten Blick erleichtert die Funktion lediglich das Auffinden und Treffen mit Freunden, zum Beispiel in Innenstädten oder auf Konferenzen. Der zweite Blick ist spannender: Persönliche Empfehlungen von Freunden können nun helfen, den besten lokalen Händler oder den interessanten Ausflugsort zu finden. So wie Bewertungen anderer Internetnutzer schon heute viele Entscheidungen über eine Hotelbuchung oder die Wahl des passenden Fernsehers beeinflussen, können Empfehlungen der Facebook-Freunde künftig viele lokale Entscheidungen mitbestimmen. Für oder gegen ein Restaurant, für oder gegen ein Schuhgeschäft. Damit ist Facebook Places zwar nur ein weiterer Schritt, lokale Werbung ins Internet zu verlagern. Der Schritt könnte aber ein großer sein, da schon 150 Millionen der mehr als 500 Millionen Facebook-Nutzer die mobile Internetseite des sozialen Netzwerkes nutzen und das mobile Internet gerade seinen Durchbruch geschafft hat.

Diesen lokalen Diensten wird ein großes Potential zugetraut. Der Google-Vorstandschef Eric Schmidt sieht in den lokalen Diensten gar den zentralen Monetarisierungsansatz für soziale Netzwerke. „Es gibt physische Dinge in sozialen Netzwerken, Geschäfte zum Beispiel. Dafür lässt sich werben, was dann wie eine Kleinanzeige oder wie die Gelbe Seiten aussieht. Nach meiner Schätzung wird viel Geld dorthin fließen. Ortsbezogene Dienste werden ein großes Geschäft für Facebook, Google und andere”, sagte Eric Schmidt der FAZ. Unternehmen mit Ladenpräsenz wie Einzelhändler oder Gastronomen können sich nun weit besser auf Facebook präsentieren. Facebook reagiert mit Places auf die wachsende Popularität der ortsbezogenen Dienste wie Foursquare oder Gowalla, die mit der raschen Verbreitung des mobilen Internet schnell Freunde gefunden haben, aber bei weitem nicht die Verbreitung wie Facebook erreichen.

Der Ortsdienst funktioniert nur, wenn die Nutzer dies ausdrücklich in ihrem Profil einstellen, indem man bei der ersten Verwendung zustimmt, dass der Ort den Freunden mitgeteilt wird. Die Ortsangaben werden dann nur den Freunden mitgeteilt. Wer von einem anderem Facebook-Nutzer mit eingecheckt werden kann, muss vorher zustimmen. Problematisch ist allerdings die Möglichkeit, auch nicht-öffentliche Plätze anzulegen. Wenn genügend Menschen sich zum Beispiel auf einer Party anmelden, erscheint der Ort als öffentlicher Platz. Der Veranstalter der Party kann den Ort zwar als bedenklich melden, doch bis der Ort von Facebook wieder entfernt ist, kann es dauern. Facebook weist vorsorglich darauf hin, dass Facebook-Orte ist kein Ortungsdienst ist und Facebook keine Bewegungsprofile der Nutzer erstellt. Minderjährige können ihren Standort ausschließlich ihren eigenen Freunden anzeigen.  Dies gilt auch für Markierungen durch Freunde und die Seiten der Orte. Der Name von Minderjährigen ist ausschließlich für Freunde sichtbar.

Facebook-Orte ist ab jetzt für alle deutschen Facebook-Nutzer verfügbar, die ein iPhone verwenden oder ein Handy besitzen, das die Seite touch.facebook.com abbilden kann. 

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