Netzwirtschaft

Apples Plan: iPhone 5 ohne Netzbetreiber

Es ist nur ein Gerücht, das das amerikanische Technik-Blog Gigaom aufgebracht hat, aber es hat es in sich: Apple werde in der nächsten Version seines Kulthandys iPhone 5 die Sim-Karte direkt einbauen. Die Telefonkunden würden dann ihr iPhone nur noch direkt bei Apple kaufen und auf dem Telefon ihren Netzbetreiber und den Tarif wählen können.  Im Gegensatz zum heutigen System, in dem die Netzbetreiber die Sim-Karte ausliefern und meist mit einem 24-Monatsvertrag koppeln, hätte Apple künftig die alleinige Beziehung zum Kunden. Die Netzbetreiber würden dann nur noch Mobilfunkkapazitäten an Apple verkaufen. Der Einsatz einer solchen Multi-Sim-Karte wäre allerdings auf Europa beschränkt, da nur hier die Netzbetreiber mit der notwendigen einheitlichen Technik arbeiten. Und das Apple-Modell würde wohl auch nur in Europa funktionieren, weil hier der Wettbewerb der Netzbetreiber untereinander weit härter ist als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten. Die Sim-Karte, welche die notwendigen Informationen vieler Netzbetreiber speichern kann, soll vom niederländischen Hersteller Kartenhersteller Gemalto entwickelt werden, schreibt Gigaom.

Die Kunden könnten sich nach dem Kauf für den besten Tarif entscheiden und in Apples App-Store kaufen. Der Wechsel zwischen den Tarifen wäre leichter als heute; zum Beispiel könnten die Kunden im Ausland einfach einen lokalen Netzbetreiber wählen, um die immer noch hohen Roaming-Gebühren zu umgehen. Allerdings müssten die Kunden jeweils den vollen Gerätepreis direkt an Apple zahlen. Die heute übliche Abgabe subventionierter Handys, die sich die Netzbetreiber im Laufe der 24 Monate durch höhere Tarife zurückholen, wäre dann nicht mehr möglich.

Den Netzbetreibern wird der Verlust der Kundenbeziehung ebenso wenig gefallen wie der Wegfall der 24-Monatsverträge. Apple würde – nach den Apps – einen weiteren Teil der Wertschöpfung im Mobilfunk an sich ziehen. Mit dem Verlust der Kundenbeziehung entfiele für die Netzbetreiber auch die Chance, als Zahlungsdienstleister für Mikropayments zu agieren. Kurzum: Ein schlechtes Geschäft für die Netzbetreiber und ein sehr gutes Geschäft für Apple. Aber wenn der Wettbewerb unter den Netzbetreibern weiter intensiv und die Anziehungskraft der Apple-Geräte bei den Kunden weiterhin so hoch ist, könnte der Plan sogar aufgehen. Apple könnte also der Coup gelingen, den Google mit dem Nexus One nicht geschafft hat, nämlich Handys an den Netzbetreibern vorbei verkaufen zu können.

Die Chancen für den Plan steigen mit den Rechenkünsten der Kunden. Denn schon jetzt ist es meist günstiger, bei Apple ein iPhone direkt zu kaufen und mit einem günstigen Tarif zu kombinieren als ein subventioniertes Gerät bei einem Netzbetreiber mit einem 24-Monatsvertrag zu ordern.

Apple könnte sich diesen Affront gegen die Netzbetreiber sogar leisten, denn die Nachfrage nach dem iPhone ist weiterhin hoch. Im dritten Quartal hat das Unternehmen in den Vereinigten Staaten einen Anteil an allen verkauften Smartphones von 26 Prozent erreicht, errechnete das Marktforschungsunternehmen Canalys. In aller Welt betrug der Anteil der iPhones 17 Prozent und ist damit erstmals höher als der Anteil der Blackberrys des kanadischen Herstellers Research in Motion. Weltmarktführer ist weiterhin der finnische Anbieter Nokia mit einem Anteil von 33 Prozent, auch wenn der Anteil des Unternehmens weiter fällt. Nokia spielt in den Vereinigten Staaten faktisch keine Rolle am Smartphone-Markt, kann aber in schnell wachsenden Schwellenländern punkten. In Indien hat Nokia im vergangenen Quartal einen Anteil von 65 Prozent erreicht.

Der größte Herausforderer für Apple ist aber das Android-Betriebssystem von Google, das in den Vereinigten Staaten im vergangenen Quartal einen Anteil von fast 44 Prozent an den neu verkauften Smartphones hatte. Nachdem im dritten Quartal des vergangenen Jahres nur 1,3 Millionen Geräte mit dem Android-System ausgeliefert wurden, waren es zwischen Juli und September schon 20 Millionen Smartphones. „Mit Samsung, HTC, Motorola und Sony Ericsson, die große Stückzahlen ausgeliefert haben, und weiteren Anbietern wie LG, Huawei und Acer wird die Plattform weiteres Momentum in aller Welt entfalten”, sagte Canalys-Analyst Pete Cummingham. Canalys zeigt sich auch optimistisch für Microsoft. „Das neue Betriebssystem Windows Phone 7 ist um Längen besser als frühere Systeme und wird viele Nutzer überraschen”, sagte Canalys-Analyst Chris Jones.

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