Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter

| 28 Lesermeinungen

„Panda“ heißt die mit großer Spannung erwartete Aktualisierung des Google-Algorithmus. Gute Inhalte sollen mit einer guten Plazierung belohnt werden. Schlechte Inhalte werden abgestraft.

Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runterGoogle schickt den Panda nach Deutschland. Panda ist der Name für Googles großangelegten Versuch, die Qualität seiner Suchergebnisse zu verbessern. Nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien werden die Änderungen des Suchalgorithmus künftig auch in Deutschland wirksam werden. Noch nennt Google kein konkretes Datum für die Einführung, aber bei nicht wenigen Betreibern von Internetseiten läuten schon jetzt die Alarmglocken: Panda soll nämlich Seiten mit hochwertigen, möglichst einzigartigen Inhalten belohnen, straft aber viele andere Seiten mit “schlechten Inhalten” mit einem niedrigeren Ranglistenplatz ab.

Dazu gehören vor allem die sogenannten Content-Farmen wie Demand Media, deren Geschäftsmodell die möglichst günstige Produktion der Inhalte ist, die in den Suchmaschinen besonders häufig nachgefragt werden. Aber auch Preisvergleichsmaschinen, Aggregatoren oder Seiten, die ausschließlich nutzergenerierte Inhalte aufweisen, zählen in Amerika und Großbritannien zu den Panda-Opfern. In Großbritannien gehören Seiten wie die Microsoft-Tochtergesellschaft Ciao, das deutsche Bewertungsportal Qype, Burdas Content-Farm Suite101 und Springers Preisvergleichsmaschine Idealo zu den Panda-Verlierern, hat der Suchmaschinenspezialist Sistrix errechnet. Das Ergebnis sind teilweise heftige Umsatzeinbrüche, weil die Zahl der Besucher, die von Google kommen, im Extremfall bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist.

“Google hat es gut gemacht”

Dennoch hat Google für das Panda-Update mehr Lob als Kritik bekommen. „Unter den Suchmaschinenoptimierern genießt Google für das Panda-Update Hochachtung. Wir wissen zwar nicht genau, was Google gemacht hat, aber sie haben es gut gemacht”, sagt Eric Kubitz, Geschäftsführer des Suchmaschinenspezialisten Contentmanufaktur. Für eine gute Plazierung in der Suchmaschine sei nun ein guter Inhalt, der die Leser lange fesselt, viel wichtiger als früher. Interessante Grafiken, strukturierte Zwischenüberschriften, tolle Bildunterzeilen und viele Links auf weiterführende Inhalte werden von Google nun stärker honoriert. Entsprechend sind Nachrichtenseiten wie der Guardian Gewinner des Google-Updates. Der Aufbau von vielen Links, die auf eine Seite weisen, verliert dagegen an Bedeutung.

Was aber genau sind schlechte Inhalte? Google hat inzwischen Kriterien dafür definiert. Dazu gehören kurze Texte, meist ohne Strukturmerkmale wie Zwischenüberschriften oder Grafiken, oft mit sprachlichen oder grammatikalischen Fehlern, meist als Kopie von anderen Seiten übernommen. Wenn die verwendeten Schlüsselwörter (Keywords) verdächtig sind, zudem die Nutzer wenige Kommentare hinterlassen und viele Leser die Seite schnell wieder verlassen, dann könnte Google die Seite als minderwertigen Inhalt klassifizieren – und entsprechend schlechter in der Suchrangliste plazieren. Zusätzlich schauen sich Tester im Auftrag von Google die Seiten an und sollen zum Beispiel angeben, ob sie dieser Seite ihre Kreditkartendaten anvertrauen würden.

Social Media ist das neue SEO

Warum aber Bewertungsseiten wie Ciao oder Preisvergleichsmaschinen wie Idealo abgestraft wurden, ist nicht sofort nachvollziehbar. Offenbar hat Google auch innerhalb der verschiedenen Kategorien unterschieden: Seiten mit langer Verweildauer schneiden jetzt besser ab als Seiten, auf denen sich die Nutzer nur kurz aufhalten. „Qype ist in England abgestraft worden, aber das muss in Deutschland nicht so sein, weil das Unternehmen hier besser aufgestellt ist”, sagte Kubitz. Einige Seiten sind in Amerika zunächst abgestraft worden, haben dann aber wieder ihre alte Plazierung zurückbekommen. Offenbar lernt auch Google noch dazu.

Die Änderungen am Google-Algorithmus sowie die Entwicklung im Web krempeln die Branche der Suchmaschinenoptimierer (SEO) gerade um. Die Unternehmen haben in der Vergangenheit gut davon gelebt, mit allerlei technischen Tricks Links auf eine Seite zu leiten. Heute verlagert sich der Schwerpunkt Schritt für Schritt in Richtung der sozialen Medien. „Social Media ist das neue SEO”, sagt Kubitz. Für die Google-Rangliste wird es immer wichtiger, wenn Nutzer auf Facebook oder Twitter Links auf Inhalte an ihre Freunde weiterleiten.  Die negative Begleiterscheinung: In Blogs tauchen immer mehr Spam-Kommentare auf, deren Ziel ausschließlich das Setzen eines Links auf eine Seite ist.

Grafik: Techchunks

 

  Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter  Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter  Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter  Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter  Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter   Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter   Bild zu: Google Panda: Gute Inhalte rauf, schlechte runter  

 

 


28 Lesermeinungen

  1. cortazar sagt:

    seit jahren warten wir schon...
    seit jahren warten wir schon darauf, dass sich endlich dieser yasni-müll verflüchtigt und das was wirklich relevant ist besser gefunden werden kann.

  2. Patrick sagt:

    Ich denke Social Media wird...
    Ich denke Social Media wird sicherlich einen Einfluss haben. Ich glaube jedoch, dass dies derzeit überschätzt wird. Vor allem was den Einfluss auf SEO betrifft. Letztendlich wird es eine gesunde Mischung alles Allem sein.

  3. Cooldino sagt:

    Ist doch schön, endlich mal...
    Ist doch schön, endlich mal eine Säuberungs-Aktion

  4. Alex sagt:

    <p>Wir Shopbeteiber sitzen...
    Wir Shopbeteiber sitzen schon auf Kohlen und warten drauf, dass die Bastion der Preisvergleiche mit Hilfe von Panda gestürmt werden kann. Ob es klappt? Man darf gespannt sein.

  5. Pascal sagt:

    <p>"Einige Seiten sind in...
    “Einige Seiten sind in Amerika zunächst abgestraft worden, haben dann aber wieder ihre alte Plazierung zurückbekommen.”
    Hier würden mich konkrete Beispiele interessieren – mir sind nämlich außer cult-of-mac keine bekannt und das war definitiv kein algorithmisches Comeback. Das ist doch auch gerade das Problem zur Zeit, da es keine wirklich konrekten Handlungsvorschriften sondern nur Mutmaßungen gibt.

  6. Daniel sagt:

    Panda ist doch bisher nur für...
    Panda ist doch bisher nur für englischsprachige Begriffe aktiviert. In Deutschland sieht man die Auswirkungen also noch sehr eingeschränkt und nur für Keywords wie “Fashion”. Andere Suchworte, die für uns relevant sind, wie z.B. “Versicherung” sind noch nicht von Panda betroffen.

  7. Sven sagt:

    <p>Endlich werden vermutlich...
    Endlich werden vermutlich die belohnt, die mit Eigeneinsatz Content verfassen. Copy & Paste wird mitunter bitter abgestraft und damit auch die ganzen Ergebnisse die nur auf Werbeeinnahmen gezielt haben, aber keinen eigenen Content erzeugt haben. Ich erwarte mir bei meinen eigenen Projekten einen kleinen, aber feinen Schub nach oben dadurch, ganze ohne externe SEO Dienstleister ;-)

  8. Alfred sagt:

    <p>Korrektur: Die häufigen...
    Korrektur: Die häufigen Updates halten einen ziemlich auf Trab. Ich bin schon gespannt, wie sich das Panda-Update auf bestimmte Sites auswirken wird. Gut am Panda-Update ist, dass unsere schöne deutsche Sprache wieder an Wichtigkeit gewinnen soll. Wenn ich deren heutige “Verwendung” im Internet sehe, dann ist das häufig ein Trauerspiel: Die Kommasetzung wie auch die Verwechselung von “das” und “dass” sind da nur einige Beispiele.
    Ob Social Media das neue SEO wird, hängt stark von der Branche ab. Im Logistiksektor zum Beispiel sind Facebook und Twitter kaum relevant.
    Heute habe ich gelesen, dass der Google-Konkurrent Bing in den USA an Marktanteilen gewonnen hat. Dies erfreut mich, da Monopole Märkte verzerren und aufgrund fehlender Konkurrenz mittelfristig die Qualität sinkt. Daneben ist dies auch ein „Schutz“ vor willkürlichen Aktionen und Algorithmus-Fehlern der Suchmaschinenbetreiber.

  9. Eric Kubitz sagt:

    So, nach meinem Urlaub melde...
    So, nach meinem Urlaub melde ich mich selbst auch noch kurz zu Wort: “Social Media ist das neue SEO” ist natürlich extrem verkürzt und ich ich hab das auch gar nicht so verkürzt gemeint Aber viele SEOs hier kennen die Ranking Faktoren von Rand Fishkin und und sollte klar sein, dass 08/15 Linkbuilding alleine nicht mehr funktioniert. Und da in den vergangenen Jahren eine Menge SEOs die Suchmaschinenoptimierung mit der Teil-Disziplin “Linkbuilding” verwechselt haben, ist der Spruch (der ja ursprünglich nicht von mir kommt) auch wieder korrekt.
    Selbstverständlich ist auch Linkbuilding und Social Media nicht nicht mit SEO gleich zu setzen sondern noch die großen Faktoren-Cluster hinsichtlich Technik der Webseite und natürlich (!) der Content. Das ist ja der inhalt des Artikels hier.

  10. Andi sagt:

    <p>Ich bin gespannt, wie gut...
    Ich bin gespannt, wie gut Google guten deutschsprachigen Content, besonders von Brandseiten, erkennen wird. Auch wird die Bewertung von Verzeichnissen interessant sein, die ja kaum textlichen Content zu verzeichnen haben, aber dennoch häufig auf der ersten Seite zu finden sind. Ob Facebook und Twitter auch für den B2B-Bereich so bedeutend sind, bezweifele ich übrigens. Da ist wohl eher Xing wichtig. Langsam entwickeln sich die häufigen Updates zu einer “Pandemie” in der SEO-Gemeinde :-)

Kommentare sind deaktiviert.